News
26.11.2018 | Autor/in: Laura Bartels

Nachwuchsanwälte: Kanzleien reagieren auf Ansprüche der Bewerber

Der Bedarf an hochqualifiziertem juristischem Nachwuchs ist größer denn je, aber die Zahl der Absolventen bleibt seit Jahren praktisch gleich. Erst allmählich und unter dem Druck weiterer Veränderungen beginnen die Kanzleien zu reagieren. Dies verändert das Berufsbild des Anwalts und die Karrierewege radikal.

Kanzleien wie Linklaters, McDermott Will & Emery oder Baker & McKenzie waren unter den ersten, die die traditionellen Karrierepfade verlassen haben: Sie etablierten Positionen, auf denen sich exzellente Jungjuristen wohlfühlen sollen, auch wenn sie keinerlei Ambitionen auf eine Partnerschaft hegen.

Es nicht allein der Mangel an geeigneten Bewerbern, der die Kanzleien zwingt, ihr starres Einstellungs- und Karrieremodell zu überdenken: Die Digitalisierung der Rechtsberatung, anhaltender Kostendruck bei den Mandanten, ein immer intensiverer Wettbewerb und das weltweite Heranwachsen alternativer Beratungsdienstleister treiben die Kanzleien vor sich her.

Alternative Anwaltsdienstleister

Auch in Deutschland: Nach dem US-Unternehmen Axiom eröffnete auch der britische Dienstleister Lawyers on demand eine deutsche Niederlassung. Beide stellen Rechtsabteilungen zeitlich befristet Anwälte zur Verfügung. Auch EY mischt nun bei alternativer Rechtsberatung mit: Die WP-Gesellschaft übernahm im Spätsommer Riverview, ein Unternehmen, das mit technisch gestützter Rechtsberatung groß geworden ist. Auch der – britische – Trend, Service-Büros jenseits der Hochpreisstandorte zu etablieren, hält Einzug: Freshfields Bruckhaus Deringer und CMS Hasche Sigle bauen Dienstleistungszentren in Berlin auf. Der Rechtsberatungsmarkt wird vielfältiger.

Für Absolventen ergeben sich so völlig neue Möglichkeiten, doch für Rechts- und Compliance-Abteilungen ist die Entwicklung ein zweischneidiges Schwert. Einerseits sollten sie davon profitieren, dass Kanzleien effizienter arbeiten und dass alternative Anbieter die Preise drücken. Andererseits könnten sie große Probleme bekommen, selbst Nachwuchs zu finden. Immerhin sind die Wirtschaftskanzleien die Hauptquelle für Inhouse-Juristen. Wenn die Kanzleien ihr Geschäft aber stärker in High-End- und Von-der-Stange-Beratung aufsplitten, können sie weniger exzellent ausgebildete Associates an ihre Mandanten abgeben. (Laura Bartels)