Magazin-Artikel
12.10.2018 | Autor/in: Laura Bartels

Der Möglichmacher

Von Hamburg bis München, von Großkanzlei bis Boutique: Daniel Geiger ist in seinem Berufsleben schon viel herumgekommen. Immer auf der Suche nach einer neuen Herausforderung. Und die findet er in der Gesundheitsbranche zur Genüge.

Dr. Daniel Geiger lässt sich nicht gerne etwas vorschreiben. Er gibt lieber selbst den Ton an. Das war schon immer so. Zwar bestand bei seiner Berufswahl eine gewisse genetische Vorbelastung, die er auch einräumt. Geiger ist der Sohn eines Mediziners und der Enkel eines Juristen. Betont aber, dass er letztlich selbst zur Juristerei gefunden hat. „Ich hatte schon immer ein Faible für Sprache“, sagt er. Und damit lässt sich in Jura eindeutig mehr machen als in der Medizin. Aber so ganz außen vor hat er die Medizin trotzdem nicht gelassen. Denn die Kanzlei Geiger Nitz + Partner, deren Gründer und Namenspartner er ist, berät ausschließlich in der Gesundheitsbranche. Dass das einmal sein Tätigkeitsfeld sein würde, hat der 42-Jährige relativ schnell herausgefunden, nachdem er sich für ein Jurastudium entschied. Schon seine Promotion drehte sich um das deutsche Gesundheitssystem, und auch im Referendariat hat er, soweit das möglich war, den Fokus auf medizinrechtliche Themen gelenkt, etwa durch die Wahl einer entsprechenden Kammer am Landgericht.

Promoviert hat er bei Prof. Dr. Jochen Taupitz. Der heutige Direktor des Instituts für Medizintechnik der Universität Heidelberg machte schon damals vor brisanten Themen wie dem Embryonenschutzgesetz keinen Halt. „Taupitz war für mich ein Visionär. Er hat Themen schon Jahre im Voraus erkannt, bevor überhaupt absehbar war, dass dazu mal eine Diskussion entbrennen könnte“, sagt Geiger über seinen Doktorvater. Heute ist Geiger selbst ein angesehener Experte. In der Gesundheitsbranche hat er sich einen Namen als Compliance-Spezialist gemacht. Eine Spezialisierung, die immer wieder neue Lösungen verlangt, vor allem in einem derart regulatorisch geprägten Markt wie dem Gesundheitssektor. Seine Mandanten schwärmen von seiner Innovationskraft, loben ihn als „brillanten Strategen und intimen Marktkenner“.

Zum Compliance-Experten wurde Geiger durch seine Neigung zum Strafrecht. Allerdings interessierte ihn das Wirtschaftsstrafrecht schon immer mehr als Mord und Totschlag. Beruflich nutzen konnte er seine Vorliebe, als er 2007 von der Kanzlei Taylor Wessing zu Roche Pharma wechselte. Damals nahm das Thema in Deutschland Fahrt auf. Vier Jahre war er Leiter der Gruppe Governance, Risk and Compliance im Konzern. „Der große Hype ist vielleicht etwa abgeflacht, aber Compliance wird aus der Rechtswelt nicht mehr verschwinden“, sagt Geiger.

Auch wenn er 2012 doch wieder in den klassischen Anwaltsberuf zurückkehrte, möchte Geiger seine Zeit im Unternehmen nicht missen. Die Erfahrung, die er damals gesammelt habe, sei heute sehr wichtig bei der Beratung seiner Mandanten: „Man kann Compliance von zwei Seiten betrachten – entweder man ist Verhinderer oder Möglichmacher.“ Geiger hat sich für Letzteres entschieden. „Wenn ein Unternehmen keine Risiken mehr eingeht, tritt es auf der Stelle“, sagt er.

Flexibel und kreativ, zwangsläufig

Und Stillstand ist so ziemlich das Letzte, das sich ein Unternehmen in Geigers Tätigkeitsfeld leisten sollte. Denn das deutsche Gesundheitssystem lässt seinen Akteuren – und auch den Beratern – keine andere Wahl, als flexibel und kreativ zu sein. „In einem System, das sich ständig verändert, sind durch Rechtsprechung abgesicherte Rechtsauskünfte selten möglich. Man muss sich dem ständigen Wandel anpassen – auch als Anwalt“, sagt Geiger.

Doch gerade das macht den Beruf aus seiner Sicht auch für junge Juristen interessant. Routine gibt es quasi nicht. Außerdem biete der Gesundheitssektor für jede Vorliebe – egal ob sie im Zivil-, Straf- oder Öffentlichen Recht liegt – eine Spielwiese. Und auch ein gewisses naturwissenschaftliches Verständnis schade nicht. „Die Subspezialisierung im Gesundheitswesen hat in den vergangenen Jahren enorm zugenommen“, sagt er. Das wiederum erlaubt es Kanzleien, sich selbst eine ganz individuelle Struktur zu verpassen. Geiger hat sich Anfang 2016 mit seiner ehemaligen Associate selbstständig gemacht, die nun Partnerin ist. Die Tatsache, dass seine ehemaligen Arbeitgeber Christian Dierks und Thomas Bohle mittlerweile getrennte Wege gehen, hat seiner Kanzlei einen weiteren Namenspartner und einen zweiten Standort in Berlin beschert.

Quer durch die Republik

Im Laufe seiner Juristenkarriere ist Geiger schon viel herumgekommen. Studium und Referendariat in Freiburg, erster Job bei Taylor Wessing in Hamburg. Dann Wechsel in die Rechtsabteilung von Roche Pharma – wieder Baden-Württemberg. Dierks + Bohle holte ihn nach Berlin, und für seine eigene Kanzlei wählte er schließlich München als Standort. Zwischen Hamburg und München ist viel passiert – mit Geiger, aber auch mit dem Kanzleimarkt. „Taylor Wessing war damals eine der wenigen Großkanzleien mit einem Schwerpunkt auch im klassischen Medizinrecht“, erinnert er sich. Boutiquen hätten damals den Ton angegeben.

Nach ein paar Jahren auf Mandantenseite zog es ihn dann auch in eine Boutique. Zum Marktführer natürlich: Genauer gesagt zu Dierks + Bohle, die als innovativ und tonangebend galt. Fünf Jahre blieb Geiger dort und machte sich in der Compliance-Beratung einen Namen. Dann war Zeit für etwas Neues. Höchste Zeit scheinbar. Denn ein weiteres Jahr später existiert auch die Kanzlei Dierks + Bohle nicht mehr. Die Namenspartner führen heute wegen unterschiedlicher strategischer Vorstellungen ihre jeweils eigene Einheit. Mit der Trennung hatte Geiger schon nichts mehr zu tun, ergriff nur die Gelegenheit, seinen ehemaligen Kollegen Dr. Gerhard Nitz zum Partner in der neuen – eigenen – Kanzlei zu machen. Und dort geben sie nun gemeinsam den Ton an.