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12.10.2018 | Autor/in: Anika Verfürth

Der Blog-Rebell

Zwischen Journalismus, Kommunikation und Recht zeigt Simon Assion seine Leidenschaft für den Austausch und die Informationsvermittlung. So hat er sein Steckenpferd, die Telekommunikation und den Datenschutz, gefunden. Und ist dabei tiefer in der Branche vernetzt als manch ein Kollege der älteren Generation.

Er war Pfadfinderleiter, Poetry-Slammer, Campusradio-Leiter, gründete zwei Schülerzeitungen und engagierte sich in der Fachschaft. Simon Assion hatte schon immer ein Faible für Medien, liebt den Austausch, die Kommunikation, das Netzwerken. Es gab keine Lebensphase, in der er sich nicht engagierte. Dass er diese Vorlieben letztendlich im Beruf des Großkanzleianwalts ausleben könnte, hätte er allerdings nie gedacht. Und so ist das zufriedene Lächeln in seinem Gesicht verständlich, wenn er von seinem bisherigen Werdegang und seiner heutigen Arbeit erzählt.

Er berichtet bei einem Treffen, das an einem der vielen heißen Sommertage in Frankfurt stattfindet. Der Anzug sitzt etwas lockerer als sonst, die Krawatte hat er sich gespart, dafür trägt er Lederhalskette und eine Uhr mit Lederarmband. Zurzeit ist er für einen Monat in Elternzeit. Bei Bird & Bird arbeitet der 36-Jährige seit 2015 als Associate. Die Kanzleiwebsite beschreibt ihn als Spezialisten für Informations- und Kommunikationsrecht. Aber damit ist längst nicht alles gesagt. Die Entscheidung für den Beruf des Juristen traf er erst im Laufe seines Studiums.

„Mein Interesse an Medien und am Internet war mindestens gleich groß“, erklärt er. Und dass er wirklich nicht Journalist werden, sondern den rechtlichen Teil von Kommunikation ergründen möchte, diesen Entschluss fasste er endgültig, nachdem er für einige Wochen mit dem Rucksack durch Irland gereist war. Ganz klassisch, im Hostel arbeiten und in den Tag hineinleben. „Da wurde übrigens auf der Straße noch gälisch gesprochen“, lacht er. Das war am Ende seines Grundstudiums in Augsburg. „Danach wusste ich, dass ich mit den Rechtswissenschaften alleine nicht zufrieden sein werde“, erinnert sich Assion. Und mit dem Entschluss, beides – also Medien und Jura – zu verbinden, wechselte er an die Universität Münster, die bekannt ist für ihren Schwerpunkt im IT- und Medienrecht.

Alle mitgerissen.

Während des Studiums im Jahr 2006 gründete Assion den Internetblog Telemedicus. Die Idee dazu kam ihm gemeinsam mit Kommilitonen aus Münster. „Simon ist ein Träumer und zugleich ein Stratege, der seinesgleichen sucht. Er hat uns mitgerissen und vom Konzept überzeugt. Und bei einem Bier in der Studentenbude entstand Telemedicus“, erinnert sich einer von ihnen. Die Plattform vernetzt nicht nur, sondern fördert vor allem den Austausch auch von jungen Anwälten. Und das abseits der gängigen Fachzeitschriften.

„Für uns war das ein Stück weit ein Akt der Rebellion“, erklärt Assion. „Dagegen, dass man als Jurist erst publizieren darf, wenn man bereits einen Abschluss hat.“ Und so ging er wieder seiner Leidenschaft nach: „Ich möchte erklären, wie die Informationsgesellschaft rechtlich funktioniert.“ Diese Chance bekommt jung wie alt auf der inzwischen renommierten und vielgelesen Plattform. Unzählige Blogeinträge reihen sich neben die mittlerweile zahlreichen fachlichen Veröffentlichungen des jungen Anwalts. Im Ausschuss für Informationsrecht des Deutschen Anwaltvereins, in den er im Herbst 2016 berufen wurde, ist er aktuell der Jüngste. Eine von vielen Aktivitäten, mit denen er heute seinen Tatendrang stillt. Und so steht Assion mit ganz anderen Persönlichkeiten im politischen wie fachlichen Austausch als noch vor ein paar Jahren.

Duales Ausbildungsangebot.

Vom Telemedicus-Konzept ist er ist auch heute, zwölf Jahre nach der Gründung, noch überzeugt. So setzte er kurz vor der Elternzeit nach der Geburt seines zweiten Kindes ein duales Ausbildungsangebot von Telemedicus und Bird & Bird auf die Schiene. Praktikanten und Referendare lernen dadurch nicht nur rechtliche Inhalte, sondern auch journalistisches Schreiben und Bloggen. Ein ganz persönliches Anliegen von Assion, der das Angebot in der Kanzlei betreut: „Für einen guten Journalisten ist es essenziell, Dinge verständlich erklären zu können. Und wer Dinge verständlich erklärt, hat sie auch verstanden. Das sind die besten Voraussetzungen für einen Nachwuchsjuristen.“

In Thüringen geboren und in Baden-Württemberg aufgewachsen, hat Assion, dessen Geburtsname Möller ist, schon etliche Stationen auf seinem Weg eingelegt. Zum Beispiel in Leipzig, wo er sein Referendariat absolvierte. Wenn er davon erzählt, bricht die Begeisterung für die Stadt immer noch aus ihm heraus. Die politische Geschichte, der Spirit, der die Stadt nach der Wende prägte, zogen ihn in den Bann. Er ging an die Leipziger Pressekammer, absolvierte ein integriertes verwaltungswissenschaftliches Ergänzungsstudium und verbrachte die Verwaltungsstation beim MDR – ein wahrlich sächsisches Referendariat.

Aber vor allem sticht die Leidenschaft für Kommunikation und Medien heraus. „Eine meiner prägnantesten Stationen war die Wahlstation bei Hogan Lovells“, erinnert sich Assion. Beim renommierten Medienrechtler Dr. Christoph Wagner – heute für Morrison & Foerster in Berlin tätig – schnupperte er Großkanzleiluft. „Ich habe sehr viel gelernt. Über die Branche, aber auch darüber, was dazu gehört, als Großkanzleianwalt wirtschaftlich erfolgreich zu sein“, sagt Assion.

Nach einem Jahr Wissenschaftliche Mitarbeit bei Hogan Lovells und der Promotion kam der Anruf vom MDR: eine freie Referentenstelle in Leipzig. „Zu dieser Zeit lag beim MDR die ARD-weite Federführung für die Verbreitung in Kabelnetzen. Und wissen Sie, was zu der Zeit für ein Streit lief? Der Kabelstreit! Diese Einladung konnte ich nicht ausschlagen“, strahlt Assion und seine Begeisterung flammt wieder auf. Und so stritt er über drei Jahre lang fleißig mit. In einer der für die Branche wichtigsten Auseinandersetzungen zwischen dem öffentlich-rechtlichen und dem privaten Rundfunk der vergangenen Jahrzehnte, bei der es um die Zahlung von Einspeiseentgelten an die Kabelnetzbetreiber ging.

Im Blog austoben.

Was ihn immer begleitete, war die Arbeit für Telemedicus. Das ist auch heute noch so, obwohl er bei Bird & Bird arbeitet und mit seiner Familie in Mainz lebt. „Ich fühle mich weiterhin als Journalist, und wenn ich die Zeit finde, tobe ich mich in einem Blogbeitrag aus“, sagt er.

„Ein gutes Netzwerk ist sehr wichtig, gerade für die Karriere“, erläutert Assion. „Aber es geht vor allem darum, Dinge zu tun, die man spannend findet.“ Heute ist sein Steckenpferd der Datenschutz und die Telekommunikationsüberwachung.

Dass er in seinen jungen Anwaltsjahren schon so tief in der Branche vernetzt ist, ist nur ein Nebeneffekt seiner Leidenschaft, sich der Welt mitzuteilen. Und so ist sein Abschlusswort: „Ein Netzwerk entsteht nicht, wenn man sagt: ‚ich netzwerke jetzt‘. Es geht darum, spannende Dinge zu tun und nett zu seinen Mitmenschen zu sein. Der Rest passiert dann von alleine.“ Beim Verabschieden stellt er nochmal sicher, dass dieser Satz auch wirklich notiert wurde. So wie gute Juristen und Journalisten es eben machen.