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25.09.2018

Gehälterlücke: Chefjuristinnen verdienen deutlich weniger als männliche General Counsel

Wie viel Unternehmensjuristen verdienen, variiert weltweit nicht nur je nach Branche oder Land. Entscheidend ist auch, ob es sich um Männer oder Frauen handelt. Das ist das Ergebnis des jüngsten Global Compensation Report der Association of Corporate Counsel (ACC). Demnach ist die Gehaltslücke zwischen Männern und Frauen auf der höchsten Führungsebene der Rechtsabteilung, also bei den General Counsel und Chefjuristen, am größten. Bei den Berufseinsteigern spielt das Geschlecht beim Gehalt hingegen die kleinste Rolle. Der Studie liegen die Antworten von 5.000 Unternehmensjuristen aus 65 Ländern und 39 verschiedenen Branchen zugrunde.

Der Median der Vergütung beträgt bei Chefjuristinnen umgerechnet 180.000 Euro, während Männer in der gleichen Position 230.000 Euro verdienen – das sind rund 28 Prozent mehr. Dabei umfasst die Vergütung das Grundgehalt ebenso wie Boni und andere Zuwendungen. Bei den Berufseinsteigern ist das Gefälle viel kleiner: Hier verdienen die Frauen nur neun Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen.

Spielfigur

Für Deutschland liegen JUVE keine geschlechterspezifischen Daten vor. Die JUVE-Inhouse-Umfrage 2017 ergab, dass General Counsel hierzulande durchschnittlich ein Grundgehalt von 138.000 Euro erhalten, während sich die Zusatzleistungen auf 35.000 Euro belaufen. Berufseinsteiger verdienen im Mittel 75.000 Euro und erhalten 10.000 Euro an Zusatzleistungen.

Die Gender Pay Gap, die die Studie der ACC offenlegt, besteht in allen Alterskohorten – also unabhängig davon, wann die entsprechenden Führungskräfte ihr Jurastudium abgeschlossen haben. Allerdings schrumpft die Vergütungslücke: Die Differenz des Medians zwischen Männern und Frauen, die ihren Abschluss nach 2010 erlangt haben, ist nur halb so groß wie die Differenz der Personengruppen, die vor 2000 die Universität beendet haben.

Compliance-Abteilungen zahlen gerechter

Für andere Positionen außerhalb der reinen Rechtsfunktion besteht bei der Vergütung eine größere Gleichheit zwischen den Geschlechtern: Weibliche Directors of Compliance etwa verdienen 95 Prozent des Gehalts ihrer männlichen Kollegen, bei den Heads of Legal Operations entfällt die Gehaltslücke sogar vollständig. Allerdings nahmen auch mehr weibliche als männliche Leiter von Legal Operations an der Umfrage teil. Der Median liegt hier umgerechnet bei etwa 161.000 Euro.

Weltweit bestehen die größten Gender Pay Gaps in Lateinamerika, im Mittleren Osten und Afrika, wo die Unternehmensjuristinnen nur zwischen 38 bis 45 Prozent des Gehalts ihrer Kollegen verdienen. In den USA, Kanada und Australien sind die Gehaltslücken hingegen am kleinsten (85, 83 und 81 Prozent).

Wie hoch die Vergütung eines Unternehmensjuristen ausfällt, ist neben seinem Geschlecht auch davon abhängig, seit wann er in einer Rechtsabteilung arbeitet. Nur 15 Prozent der befragten Inhouse Counsel begannen ihre Karriere in einem Unternehmen. Diese Gruppe verdient laut der ACC-Studie weniger als diejenigen, die erst im zweiten Schritt in einer Rechtsabteilung tätig wurden, also vorher etwa in einer Kanzlei oder beim Staat gearbeitet hatten. Wer nur zwei Jahre an externer Erfahrung mitbringt, verdient bereits mehr als sein Kollege, der nach dem Studium direkt in einer Rechtsabteilung einstieg.

Am meisten verdienen General Counsel laut ACC-Studie übrigens in der Biotechnologie-/Life-Science-Branche (umgerechnet rund 295.000 Euro) sowie im Sektor Technische Forschung und Entwicklung (umgerechnet rund 226.000 Euro). (Christin Stender)