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28.08.2018 | Autor/in: Norbert Parzinger

Interview mit Sidley Austin: „Wir brauchen mindestens ein Dutzend gute Associates“

Im Frühjahr 2016 eröffnete Sidley Austin ein Büro in Deutschland. Es ist allerdings der zweite Versuch der Kanzlei, im deutschen Markt Fuß zu fassen. 2014 hatte die US-Einheit ihr Frankfurter Büro nach gut acht Jahren wieder geschlossen. Jetzt ist Sidley Austin von München aus aktiv, nach Frankfurt die wichtigste Anwaltsmetropole Deutschlands. In München tummeln sich viele Großkonzerne, außerdem haben dort zahlreiche Private-Equity-Fonds ihren Sitz. Auch für Start-ups und Venture-Capital-Investoren is die Bayernmetropole ein Magnet. JUVE sprach mit Managing-Partner Erik Dahl darüber, was Sidley beim zweiten Anlauf anders macht.

Der erste Auftritt von Sidley Austin im deutschen Markt ging nach ein paar Jahren recht unauffällig zu Ende. Engagiert sich die Kanzlei in Deutschland auf Dauer?

Dahl_ErikErik Dahl: Mit wem ich auch rede, das ist immer die erste Frage… [lacht]. In Frankfurt ging es um strukturierte Finanzierung – ein Bereich, der schon seit 2007 weltweit in Schwierigkeiten steckte und aus dem sich die Kanzlei bald ein Stück weit zurückzog. Nun geht es um Transaktionen und um Restrukturierungen. Beides gehört bei Sidley zum Kern der internationalen Strategie.

Damit ausgerechnet in Deutschland zu starten, war allerdings mutig.
Deutschland ist die größte europäische Volkswirtschaft. Wer im europäischen und globalen Transaktionsgeschäft vorne sein möchte, der sollte in diesem Land präsent sein. Den Anstoß habe ich vermutlich selbst gegeben. Ich bin vor Kurzem 50 Jahre alt geworden und wollte noch einmal etwas Neues machen. Der Wechsel zu Sidley gab mir Gelegenheit, beim Aufbau einer weltweiten Private Equity-Praxis mitzuwirken. Nachdem ich schon ein halbes Jahr bei Sidley war, sprach ich mit Volker Kullmann, meinem früheren Kollegen. Ich fragte ihn, ob er Lust auf ein neues Projekt hätte. Er sagte ja. Das war der Startschuss. Damals habe ich auch Kolja von Bismarck an Bord geholt, um die Restrukturierungs-Praxis auszubauen. Ihn wollte ich schon immer in unserem Team haben, auch in meiner früheren Kanzlei.

Sie sind in München direkt mit einer breiten Mannschaft angetreten. Werden Sie noch weiter ausbauen?
Wir wollten ein Team haben, das sofort loslegen kann. Darum war die Aufstellung von vornherein so geplant, wie sie heute ist. Besonders angenehm war, dass ich ein Team aus Freunden und ehemaligen Kollegen zusammenstellen durfte, die ich in diesem Markt über 14 Jahre hinweg kennen und schätzen gelernt habe. Wir decken die zentralen Bereiche ab, die man im Transaktionsgeschäft braucht: Corporate, Steuern, Finanzierung. Mehr ist momentan nicht angedacht. Aber wenn sich die Gelegenheit ergibt, sind wir offen für Ergänzungen. Unsere Münchener Partner haben seit unserer Büroeröffnung bereits mehr als 30 Mandanten beraten, Unternehmen ebenso wie Finanzdienstleister, wobei viele von Sidley-Anwälten in mehreren Büros gleichzeitig betreut werden.

Andere Kanzleien, die sehr ähnlich aufgestellt sind, haben gezielt aktienrechtliches Know-how für öffentliche Übernahmen dazu geholt…
Auch wenn unser Mandant im vergangenen Jahr bei Stada nicht zum Zug kam, haben wir doch gezeigt, dass unsere jetzige Mannschaft Übernahmen dieser Größenordnung begleiten kann.

Warum setzen Sie auf den – derzeit schwierigen – Restrukturierungsmarkt?
Unsere Restrukturierungsanwälte sind auf komplexe Finanzierungslösungen spezialisiert. Früher oder später wird die nächste Wirtschaftskrise kommen, und dafür wollen wir nachhaltig aufgestellt sein.

Was ist der nächste Schritt?
Wir müssen den Unter- und Mittelbau verbreitern. Dafür brauchen wir mindestens ein Dutzend gute Associates. Das ist in München nicht einfach, aber wir pflegen eine exzellente Unternehmenskultur, und dies spricht sich herum. So kommt es, dass sich unser Name unter Studenten und Referendaren immer stärker verbreitet.

Das Gespräch führte Norbert Parzinger.