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16.08.2018 | Autor/in: Norbert Parzinger

Analyse: Was haben die höheren Associategehälter gebracht?

Immer höhere Gehälter sind die Allzweckwaffe der Kanzleien im Wettbewerb um die besten Associates. Vor zwei Jahren begann eine Bieterschlacht, in deren Genuss inzwischen die zweite Bewerberrunde gekommen ist. Aber haben sich die Investitionen überhaupt gelohnt? Sind Junganwälte nun wirklich zufriedener? Wie die azur-Associate-Umfrage zeigt, zahlen sich Gehaltssteigerungen nur aus, wenn sie besonders hoch ausfallen.

Der ganz große Wurf bei den Gehaltssteigerungen liegt zwar schon zwei Jahre zurück, aber auch 2018 haben einige US-Kanzleien ihre Associategehälter wieder erhöht. Richtig tief in die Tasche greift allerdings eine Münchner Boutique. GLNS bietet seit Juli 120.000 statt vorher 90.000 Euro für Berufsanfänger und spielt damit in einer Liga mit Großkanzleien wie Clifford Chance und Latham & Watkins.

Mit dem Zuschlag von 30.000 Euro kann sich die Kanzlei auch recht sicher sein, dass das neue Gehalt auf positive Resonanz bei Associates stößt. Kanzleien, die deutlich weniger Geld in die Hand nehmen, haben dagegen oft das Nachsehen. Dies geht aus mehreren Analysen hervor, für die die azur-Redaktion die Ergebnisse der vergangenen beiden azur-Associate-Umfragen verglichen hat.

Unter 10.000 Euro Plus ist kontraproduktiv

Gegenübergestellt wurden dafür vier Gruppen von Kanzleien, die nach eigenen Angaben zwischen Sommer 2016 und Sommer 2017 das Gehalt für Berufseinsteiger um unterschiedliche Beträge erhöht haben: um weniger als 10.000 Euro, um 10.000 bis 15.000 Euro, um mehr als 15.000 Euro oder gar nicht. Für alle vier Gruppen wurde die Zufriedenheit von Associates, die sich im Som­mer 2017 zwischen dem ersten und dritten Berufsjahr befanden, mit den Werten der selben Senioritätsstufe aus dem Jahr 2016 verglichen.

Nur viel hilft viel

Dabei zeichnen sich bereits die ersten Verlierer im Gehaltskampf ab: Kanzleien, die die Be­zahlung um weniger als 10.000 Euro erhöht haben. Trotz der Mehrausgaben ist die Zufriedenheit der jungen Associates dort von 2016 auf 2017 keineswegs gestiegen, sondern gesunken. Dies betrifft nicht nur die Zufriedenheit speziell mit der Bezahlung, sondern auch die Gesamtzufriedenheit der jungen Anwälte mit ihrem Arbeitgeber.

Zuverlässige Wirkung erst ab 15.000 Euro Zuschlag

Um nachhaltige Begeisterung bei den eigenen Associates zu stiften, müssen Kanzleien deutlich tiefer in die Tasche greifen. Junge Associates in Kanzleien, die zwischen 10.000 und 15.000 Euro draufgelegt haben, waren 2017 zwar mit ihrer Bezahlung deutlich zufriedener als 2016. Ihr Gesamturteil über ihren Arbeitgeber blieb aber unverändert. Lediglich in den Kanzleien, die das First-Year-Gehalt um mehr als 15.000 Euro erhöhten, lagen beide Zufriedenheitsnoten 2017 deutlich über dem Vorjahresergebnis.

Noch deutlicher fällt das Resultat bei zwei weiteren Fragen aus. Der Anteil junger Anwälte, die in fünf Jahren noch bei ihrem derzeitigen Arbeitgeber arbeiten wollen, stieg zwischen 2016 und 2017 lediglich bei den Kanzleien, die über 15.000 Euro mehr zahlten. 69,2 Prozent der dort tätigen Junior Associates beantworteten die Frage 2017 mit „Ja“. In den Kanzleien, die am Gehalt gar nichts verändert hatten, waren es mit 67,7 Prozent allerdings kaum weniger. In den anderen Kanzleigruppen ging der Anteil der bleibewilligen Associates gegenüber dem Vorjahr trotz Gehaltserhöhung deutlich zurück.

Maßvolle Erhöhungen bewegen niemanden zum Bleiben

Auch bei der Frage, ob die Umfrageteilnehmer in den ersten drei Berufsjahren ihren derzeitigen Arbeitgeber auch Bewerbern empfehlen würden, verbesserte sich das Ergebnis erst ab 15.000 Euro Gehaltsplus. In allen anderen Kanzleigruppen war die Weiterempfehlungsbereitschaft rückläufig. Die Erwartungen der Bewerber an die Bezahlung in Kanzleien steigen unterdessen langsam, aber sicher, wie eine weitere azur-Umfrage zeigt.

An den azur-Associate-Umfragen nahmen 2016 und 2017 jeweils über 3.000 junge Juristen aus Kanzleien, Rechtsabteilungen, Beratungsgesellschaften und Behörden teil. Die azur-Associate-Umfrage 2018 fand zwischen Mai und Juli dieses Jahres statt und wird derzeit ausgewertet. Die Ergebnisse fließen unter anderem in die kommende Ausgabe von azur100 – Top-Arbeitgeber für Juristen ein. (Anika Verfürth, Norbert Parzinger)

Wie viel Associates und Referendare in mehreren Hundert Wirtschaftskanzleien, Rechtsabteilungen, Beratungsgesellschaften und Behörden in Deutschland verdienen können, lesen Sie unter www.azur-online.de/geld.