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25.06.2018 | Autor/in: Norbert Parzinger
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Stundenlöhne in Wirtschaftskanzleien: Mehrarbeit in Private Equity und Compliance lohnt sich

Zwischen 34,19 und 48,80 Euro verdienen deutsche Associates je nach Fachbereich in der Stunde. Das zeigte die azur-Associate-Umfrage 2017, an der insgesamt über 3.007 junge Juristen teilnahmen. Über alle Rechtsgebiete hinweg stieg der durchschnittliche Stundenlohn auf 42,57 Euro, das sind rund 4,5 Prozent mehr als 2016.

Ein zentrales Ergebnis der Vorjahre bestätigte die azur-Umfrage 2017 ein weiteres Mal: Wer besonders viel arbeitet, verdient damit oft so viel mehr, dass auch der Stundenlohn besonders hoch liegt. Anders formuliert: Laue Jobs lohnen sich finanziell auch dann nicht, wenn man den niedrigeren Zeitaufwand einpreist. Am meisten bekommen deutsche Associates pro Stunde in Private Equity/Venture Capital, M&A und im Kartellrecht sowie bei Compliance- und Konfliktlösungsmandaten. In den meisten dieser Bereiche liegen auch die Wochenarbeitszeiten deutlich über dem Marktdurchschnitt, besonders bei M&A- und Private-Equity-Transaktionen (56,4 bzw. 55,3 durchschnittliche Wochenstunden). Das mittlere Wochenpensum blieb laut azur-Umfrage mit 54 Stunden praktisch konstant.

Private Equity und Compliance-Beratung ziehen an die Spitze

Pro Stunde verdienen Associates in den Private-Equity-/Venture-Capital-Praxen laut azur-Umfrage im Mittel 48,80 Euro, satte 13,5 Prozent mehr als im Vorjahr. Kräftig aufwärts entwickelte sich der durchschnittliche Stundenlohn auch in der Compliance-Beratung: 48,35 Euro Bruttolohn bekommen Associates hier für eine Stunde am Schreibtisch, eine Steigerung gegenüber dem Vorjahr von 7,2 Prozent. M&A-Associates verdienen mit 46,14 Euro pro Stunde etwas weniger. Diese Zahl liegt 4,2 Prozent höher als im Vorjahr, das entspricht in etwa der Gesamtmarktentwicklung.

Damit unterstreichen die Ergebnisse der azur-Umfrage einen allgemeinen Markttrend: An den Umsatzsteigerungen der vergangenen Jahre in vielen Kanzleien, die dem zunehmenden Fokus auf hochwertiges Projektgeschäft zu verdanken sind, partizipieren gerade die Associates, die in den besonders einträglichen Praxen angestellt sind – zum Beispiel in der Transaktionsbegleitung oder Compliance-Beratung. Mit wenigen Ausnahmen ist der rechnerische Associate-Stundenlohn aber auch in den meisten anderen Praxisbereichen gestiegen. Im Öffentlichen Wirtschaftsrecht beträgt das Plus gute 8 Prozent, im Steuer- und Arbeitsrecht immerhin 6 Prozent.

Gehaltssteigerungen gehen an manchen Praxen vorbei

Diese Entwicklung zeigt recht deutlich, dass die – teils massiven – Gehaltssteigerungen der vergangenen Jahre in vielen Praxen nicht durch Mehrarbeit aufgewogen werden. Allerdings gibt es auch Bereiche, die von den höheren Gehältern nicht profitieren: Associates im Energiewirtschaftsrecht, Immobilien- und Baurecht sowie Restrukturierung und Insolvenz werden pro Stunde etwa auf dem gleichen Niveau bezahlt wie im Vorjahr – relativ gesehen ein Rückschritt. Die Arbeitsbelastung liegt in diesen Praxen mit jeweils rund 53 Wochenstunden etwas unter dem Marktdurchschnitt. Im Strafrecht gaben die Umfrageteilnehmer sogar einen deutlich niedrigeren Stundenlohn an als im Vorjahr.

Stundenlohn Associates 2018

Auch regional gibt es weiterhin große Unterschiede (siehe Grafik). Hier zerfällt der Markt wie schon im Vorjahr in mehrere Gruppen: Fast gleichauf an der Spitze stehen mit Frankfurt, Düsseldorf und München die drei wichtigsten Standorte der großen Wirtschaftskanzleien (42,37 bis 43,46 Euro). Leicht unter dem Bundesdurchschnitt liegen dagegen Berlin, Hamburg und Köln (38,95 bis 40,41 Euro). Mit deutlichem Abstand folgen Stuttgart und die regionalen Märkte in Süd- und Westdeutschland (33,73 bis 36,32 Euro). Schlusslichter sind die Regionen Norden und Osten, wo Associates unter 30 Euro pro Stunde verdienen, bei einer durchschnittlichen Wochenarbeitszeit von rund 49 bzw. 45 Stunden.

Um den Stundenlohn zu ermitteln, stützte sich die azur-Redaktion auf zwei Angaben aus der Associate-Umfrage: die durchschnittliche Arbeitszeit in Wochenstunden, die auf das ganze Jahr hochgerechnet wurde, und das Bruttojahresfestgehalt. Bonuszahlungen und Nebenleistungen blieben unberücksichtigt. Angenommen wurden 28 voll genutzte Tage Jahresurlaub. (Martin Ströder, Norbert Parzinger)

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