Magazin-Artikel
15.05.2018 | Autor/in: Laura Bartels

Viele Wege führen nach Rom

Ursprünglich wollte Natalie von Rom gleich nach dem Examen die Laufbahn zur Notarassessorin einschlagen. Doch dabei hatte sie die Rechnung ohne ihren Mann und das Anwaltsnotariat gemacht.

Von Laura Bartels

Rom_Natalie_vonNatalie von Rom wusste schon immer, was sie wollte: Notarin werden. Schon während der Wahlstation im Referendariat arbeitete sie im angesehenen Düsseldorfer Notariat Zimmermann Hauschild und hätte sich eine Karriere als Nur-Notarin gut vorstellen können. Doch dann kam alles anders als geplant. „Mein Mann musste aus beruflichen Gründen nach Frankfurt und da bin ich natürlich mitgegangen“, sagt von Rom. Neben einer neuen Stadt erwartete sie dort auch eine andere Form des Notariats. „Das Anwaltsnotariat war mir bis dahin eher unbekannt. Auch aus meinen Studienorten kannte ich es nicht“, erzählt sie. Von Rom hat in München und Freiburg studiert, nach dem Ersten Examen verbrachte sie einige Zeit an der Sorbonne und arbeitete nebenbei im Pariser Büro von Willkie Farr & Gallagher. Ihr Referendariat hat sie dann in ihrer Heimatstadt Düsseldorf absolviert. Während in München, Düsseldorf und Freiburg lediglich das Nur-Notariat gilt, halten die Franzosen übrigens gar nichts von gesellschaftsrechtlichen Beurkundungen.

Zwischenstation Anwaltschaft

Um ihr Berufsziel auch in Frankfurt verwirklichen zu können, musste sie nach damals geltender Notarordnung zunächst fünf Jahre als Anwältin arbeiten. Die bloße Zulassung reicht nicht mehr aus, seit sich die Eintrittsvoraussetzungen in das Amt des Notars zum Herbst 2010 geändert haben. Bereut hat sie den „Umweg“ nicht. „Anwältin zu sein, war auf keinen Fall verkehrt“, sagt sie. „Man hat dadurch einfach auch mal die Perspektive derjenigen eingenommen, mit denen man heute bei einer Beurkundung an einem Tisch sitzt.“

Begonnen hat sie ihre Karriere in der Mittelstandskanzlei Göhmann, einige Jahre später wechselte sie zur interdisziplinären Einheit GGV Grützmacher Gravert Viegener. An ihrem ursprünglichen Berufswunsch änderte sich dadurch nichts. „Mir hat es schon immer gefallen, verschiedene Interessen miteinander in Einklang zu bringen“, sagt sie. Zwar besteht der überwiegende Teil ihrer Mandantschaft aus Unternehmen, Privatleute zählen aber auch dazu. „Im Zweifel ist der private Wohnungskauf sehr viel beratungsintensiver als der große M&A-Deal“, sagt die 46-Jährige.

Von Rom war eine der ersten, die die notarielle Fachprüfung abgelegt haben. Abgeschreckt hat sie nach zwei Staatsexamina eine weitere Prüfung nicht. Im Gegenteil: „Es war sogar sehr gut, sich noch einmal mit dem Stoff auseinanderzusetzen.“ Und es macht nostalgisch. Als sie mit ihrem Rollkoffer voller Gesetzestexte zur Prüfung ging und der Schönfelder auf unerlaubte Anmerkungen geprüft wurde, fühlte sie sich noch einmal in die Examenszeit zurückversetzt.

2014 wurde sie schließlich zur Notarin bestellt, seit 2017 ist sie in eigenem Notariat selbstständig und auch fast ausschließlich in diesem Bereich tätig. „Die notarielle Arbeit lässt sich sehr gut koordinieren. Nebenbei auch laufende Mandate als Anwältin zu bearbeiten, kann ich mir nicht so recht vorstellen”, sagt sie. Die These, das Notariat mache generell weniger Arbeit und sei daher für Frauen mit Familienwunsch eine prima Alternative zur anwaltlichen Karriere, würde sie aber nicht unterstreichen. „Ich arbeite nicht weniger als früher. Nur weil das Notariat mehr Planung ermöglicht, heißt das nicht, dass es weniger Arbeit macht.”

Mandanten legten in erster Linie Wert auf Servicebereitschaft, Präzision und Schnelligkeit. „Und Frauen sind nun einmal Perfektionisten”, sagt sie. Den Familienwunsch hat sie sich außerdem längst erfüllt. Von Rom hat drei Töchter im Alter zwischen zehn und 15 Jahren. Ob die mal in Mamas Fußstapfen treten werden, ist noch nicht geklärt. Überraschend käme es zumindest nicht. Von Rom stammt auch aus einer Juristenfamilie: Vater, Ehemann und Schwager – alle sind oder waren für Großkanzleien tätig (Familienbande, Seite 118). Ihre Berufswahl jedoch gründete auf ihrer ureigenen Überzeugung.

Lernen, worauf es ankommt

Nur wenige Bewerber haben nach dem Zweiten Staatsexamen eine so klare Vorstellung vom Notariat und einen so fokussierten Berufswunsch wie sie. Die meisten schlagen zunächst eine Anwaltskarriere ein und kommen erst im Laufe ihres Berufsalltags mit Amtsträgern in Berührung. Um Nachwuchsjuristen möglichst früh einen Einblick in die Tätigkeit zu verschaffen, beschäftigt von Rom notarielle Fachkräfte, Referendare und wissenschaftliche Mitarbeiter. Und die sollen nach Möglichkeit nicht nur Akten kopieren und Kaffee kochen, sondern eigenständige Aufgaben wahrnehmen, um zu lernen, worauf es ankommt. Sollte diese Strategie nicht aufgehen, bleibt immer noch die Familie. Vielleicht kommt eine ihrer drei Töchter früher oder später ja auf den Geschmack.