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28.05.2018

Umfrage: Junge Inhousejuristen müssen mehr arbeiten

In den Wirtschaftskanzleien hat sich die durchschnittliche Arbeitszeit eines Associates auf rund 54 Wochenstunden eingependelt. Inhouse hat die Arbeitsbelastung jedoch im vergangenen Jahr etwas angezogen. Sie stieg von 45,6 Stunden pro Woche auf 47 Stunden. Das ist eines der Ergebnisse der azur-Associate-Umfrage 2017 unter rund 3.000 jungen Anwälten.

In den Kanzleien hat sich der Mittelwert von 54 Stunden in der Wochenarbeitszeit in den vergangenen Jahren kaum verändert. Die längerfristige Tendenz ist aber klar rückläufig. Lag der Durchschnittswert 2012 noch bei fast 56 Stunden (55,8), so hat er sich seither fast konstant verringert auf nun glatt 54 Stunden im vergangenen Umfragezeitraum.

Unter den jungen Juristen in Rechtsabteilungen zeigt sich ein umgekehrter Trend. Dort ist die eher gleichbleibende Arbeitsbelastung der vergangenen Jahre nach einem Minimum 2016 (45,6 Stunden) in der jüngsten azur-Umfrage deutlicher angestiegen und liegt mit 47,1 Stunden wieder auf dem Niveau von 2012.

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Was sich bei beiden Gruppen kaum unterscheidet, ist die Zufriedenheit der Befragten mit ihrer Arbeitsbelastung: Im 1. Jahr nach dem Berufseinstieg ist die Euphorie über den neuen Job noch groß, und das Arbeitspensum macht sich kaum negativ bemerkbar. Die First-Years geben ihren Kanzleien für Arbeitspensum und Work-Life-Balance mehrheitlich gute Noten. Das ändert sich schlagartig im zweiten Jahr und sinkt auf ein Minimum bei den Anwälten im vierten Jahr. Das dürfte auch mit der durchschnittlichen Wochenarbeitszeit der Junior Associates zu tun haben. Die Juristen im ersten Jahr kommen auf eine Durchnittswochenarbeitszeit von 52,6 Stunden, der Anwalt im vierten Jahr verbringt schon 54,7 Wochenstunden im Büro. Dass manche Kanzleien inzwischen alternative Karrieremodelle mit geringerem Pensum und festem Feierabend, aber deutlich reduziertem Gehalt eingeführt haben, ist in der letztjährigen Associate-Umfrage noch nicht abgebildet.

Große Unterschiede gibt es auch in den einzelnen Fachbereichen: Regelmäßig müssen die Anwälte der M&A-, Private Equity- und Bank- und Finanzrechtspraxen ein größeres Wochenpensum hinnehmen und arbeiten bis zu 56 Wochenstunden. Aber auch Kartellrechtler und Anwälte aus der Konfliktlösung verbringen mehr Zeit in der Kanzlei als der Durchschnittsassociate. Trotz boomender Praxen sind Compliance-Anwälte, IT-Rechtler und Immobilienexperten noch mit eher unterdurchnittlichen Arbeitszeiten vertreten.

Hingegen führen aber die Compliance-Praxen bei den Billable-Hours-Vorgaben die Tabelle an (1.809, Durchschnitt 1.646). Und auch mit Steuerrecht und Nachfolgeberatung finden sich Rechtsgebiete im überdurchschnittlichen Bereich wieder, die bei der Anzahl der Wochenarbeitszeiten eher in der unteren Hälfte rangieren. (Christiane Schiffer)