Magazin-Artikel
15.05.2018 | Autor/in: Eva Lienemann

„Mach doch einfach!“

Kanzleien jeder Größenordnung buhlen um hochqualifizierten Nachwuchs. Aber worauf achten junge Juristen wirklich bei der Wahl ihres Arbeitgebers? Auf diese Frage haben Großkanzleien andere Antworten als mittelständische Einheiten. Wir baten zwei ihrer Repräsentanten zum Schlagabtausch: Kristina Klaaßen-Kaiser, Partnerin bei Linklaters, und Dr. Stefan Mager, Managing-Partner von Aulinger, streiten sich darüber, wo Associates glücklicher werden.

Mager_Stefan

Dr. Stefan Mager (41)
ist seit Januar 2016 Managing-Partner bei Aulinger in Essen. Er leitet dort den Bereich Vergaberecht. Zu seinen Mandanten zählen die RAG und Evonik.

Mager kennt die Kanzlei seit den Anfangstagen seiner Karriere und startete seine Laufbahn bereits in der Vorgängerkanzlei Menold & Aulinger. Er trägt zusammen mit Arbeitsrechtler Dr. Achim Tempelmann die Managementverantwortung für 42 Berufsträger.

Klaaßen-Kaiser_Kristina

Kristina Klaaßen-Kaiser (40)
ist Partnerin im M&A und Gesellschaftsrecht bei Linklaters in Düsseldorf. Zu ihren bekannten Mandanten gehören Thyssenkrupp und Bayer.

Klaaßen-Kaiser ist Mitglied eines Kommittees, das sich mit standortübergreifenden mitarbeiterbezogenen Fragen befasst, und Personalpartnerin des Düsseldorfer Büros. Bevor sie zu Linklaters kam, war sie Associate bei Hoffmann Liebs Fritsch & Partner in Düsseldorf.

azur: Frau Klaaßen-Kaiser, Herr Mager, Sie suchen den perfekten Associate: Welche Eigenschaften sollte er haben?

Kristina Klaaßen-Kaiser: Die berufliche Qualifikation muss natürlich stimmen. Wir suchen Kollegen, die als Typ zu uns passen und eine sehr starke internationale Ausrichtung haben. Sie müssen sich für die wirtschaftlichen Aspekte erwärmen können, die in unserer täglichen Arbeit ein integraler Bestandteil sind.

Stefan Mager: Den Typen, den wir suchen, kann man beschreiben mit: fachlich hervorragend, begeistert für den Anwaltsberuf, unternehmerisch denkend. Ich habe den Begriff Internationalität bewusst nicht verwendet. Wir brauchen nicht den weit gereisten, mit ausländischen Titeln dekorierten jungen Kollegen. Aber: Er muss Anwalt werden wollen. Ihm darf die Extrameile nichts ausmachen.

Und, lassen sich Ihre Anforderungen an die Bewerber so durchsetzen?

Mager: Da sind wir bei einem wichtigen Punkt. Wir arbeiten für ganz unterschiedliche Mandanten: Da sind Großkonzerne, der Bund oder das Land dabei. Wenn wir Gewehr bei Fuß stehen müssen, dann machen wir das. Diese selbstverständliche Dienstleistungsbereitschaft ist den Jüngeren stärker zu vermitteln. Es gibt Phasen im Job, in denen Zeit für die Ausbildung ist. Es gibt aber auch solche, in denen kommt der Anruf des Mandanten – und dann muss die Fortbildung eben ausfallen.

Klaaßen-Kaiser: Dass es eine geringere Leistungsbereitschaft gibt, würde ich so nicht unterschreiben. Ich habe den Eindruck, dass die jungen Kollegen viel stärker hinterfragen: Wofür tue ich das, und wie hilft mir diese Aufgabe in meiner weiteren Ausbildung? Hier sind klare Kommunikation und gute Einbindung entscheidend. Wir sehen, dass die Leistungsbereitschaft dann nach wie vor sehr hoch ist. Die Kollegen brennen genauso für die Aufgabe, sie wollen nur genau wissen: Wozu trage ich bei, wenn ich sie erfülle? Das finde ich richtig, denn für uns alle verändert sich das Arbeitsumfeld. Abläufe zu organisieren und Teams zusammenzustellen wird immer wichtiger. Beispiel: Projektmanagement. Das ist etwas, was früher auf Partnerseite mitgemacht wurde. Mittlerweile haben wir nicht-juristische Kollegen, die sich nur damit befassen. Sie kommen heute als Associate bei uns in ein viel bunteres Team: Das besteht nicht mehr nur aus Anwälten, sondern aus einer Fülle von unterschiedlich qualifizierten Teammitgliedern.

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