Magazin-Artikel
15.05.2018 | Autor/in: Eva Flick

Familienbande

zurück

Fachlich konzentrierten sich die Brüder aber schnell auf unterschiedliche Schwerpunkte: Während Jan Heerma vor allem im Gesellschaftsrecht unterwegs war, zunächst für SJ Berwin, nach der Fusion für King & Wood Mallesons, fokussierte sich der jüngere Bruder stärker auf Insolvenzrecht. Seine Tätigkeit als Anwalt und Insolvenzverwalter bei Fink Rinckens Heerma in Hamburg ist auch heute noch stark kaufmännisch geprägt, in einer eher national tätigen Kanzlei mit klaren Hierarchien, während die Berliner Anwälte von Vogel Heerma Waitz Wert legen auf flache Strukturen und oft international aktive Mandanten beraten.

Doch trotz dieser Unterschiede stehen beide in regelmäßigem fachlichen Austausch. „Wir rufen uns oft zwischendurch an, um die Meinung des anderen zu einem Thema zu hören“, sagt Jan Heerma. Dabei kann es um ganz verschiedene Fragen gehen, manchmal um grundsätzliche Managementangelegenheiten oder auch um ein Urteil, das der eine abwegig findet, der andere aber ganz und gar nicht. „Über solche Diskussionen sind schon am Ende Aufsätze entstanden, die wir dann gemeinsam veröffentlicht haben“, erzählt Hendrik Heerma. Auch vielversprechende Bewerber, die er in seiner Tätigkeit als Dozent in Hamburg kennenlernt und die für ihn nicht in Frage kommen, schickt er zu seinem Bruder nach Berlin.

Irgendwann unter gemeinsamer Flagge tätig zu sein, stand nie zur Debatte. Dagegen sprachen immer die unterschiedlichen Schwerpunkte und die Lebensmittelpunkte in Hamburg und Berlin. Ihre Kanzleikonzepte sind aufgegangen: Beide Einheiten wachsen und der Platz in den jeweiligen Kanzleiräumen wird knapp. „Vielleicht schließe ich bald einen Mietvertrag ab in Hamburg über 20 Jahre. Dann habe ich meine Ruhe mit dem Thema“, überlegt Hendrik Heerma. Für den Älteren der beiden ist das keine Option. „20 Jahre fix? Auf keinen Fall“, sagt er.

Wer weiß, was in 20 Jahren ist. Die Kinder der Heermas sind noch zu klein bzw. haben sich noch nicht entschieden, ob sie in die Juristen-Fußstapfen des Großvaters oder Vaters treten. Anders bei Familie Voß: Greta, Tochter von Jörg Voß und stolze drei Jahre alt verkündete erst neulich – festgehalten auf Video – dass sie später in Papas Büro arbeiten möchte. Und bei den Nordemanns? Anke Nordemanns mittlerer Sohn findet Marken- und Wettbewerbsrecht toll, die Älteste von Jan Nordemann studiert lieber Medizin, die zwei anderen wissen es noch nicht. Brandaktuell ist das Thema gerade bei Axel Nordemann: Seine beiden Kinder haben bereits das erste Staatsexamen in der Tasche. Die Chancen, dass Boehmert & Boehmert noch die dritte Anwaltsgeneration der Familie erlebt, stehen also durchaus gut. Auf jeden Fall höher als die Chancen, dass im Hause Nordemann die Glückwunschkarte von Marlene Dietrich noch mal auftaucht. Die ist nämlich verschwunden. Schade.

Seiten:  1234