Magazin-Artikel
15.05.2018 | Autor/in: Eva Flick

Familienbande

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Mit dem Bruder in einer Kanzlei zu sein, sehen heute beide als Vorteil. „Wir sind im Büro wie ein altes Ehepaar“, sagt Jörg Voß. „Wir vertrauen uns zu 100 Prozent“, sagt Jan Voß. Rivalität habe es nie gegeben, schon als Kinder nicht. Ist der eine in Urlaub, vertritt ihn der andere. Das ist selbstverständlich für alle Beteiligten – auch für die Mandanten. Es sei denn, Jan und Jörg Voß fahren gemeinsam in die Ferien. Zuletzt ging es zum gemeinsamen Skifahren über Ostern, als Jan Voß seinen 50. Geburtstag feierte. Mit dabei war auch der mittlere Bruder Jens, der, hätte er Jura statt BWL studiert, sicher ebenfalls bei Avocado gelandet wäre. Da sind sich beide Anwaltsbrüder einig. Jens und Jörg Voß sind sich noch in einem anderen Punkt einig: Jan Voß hatte sich von seinen Eltern gewünscht, dass die Namen seiner beiden jüngeren Brüder ebenfalls mit ‚J‘ anfangen mussten. „Dafür könnten wir ihn natürlich heute noch umbringen“, meint Jörg Voß. Und auch für die Doppelnamen Jörg Michael, Jan Peter und Jens Uwe.

Vorfahren auf hoher See

Vogel Heerma Waitz, FRH Fink Rinckens Heerma

Kurzer Draht zwischen Berlin und Hamburg: Jan Heerma, Partner bei Vogel Heerma Waitz (li.) und Hendrik Heerma, Partner bei Fink Rinckens Heerma, tauschen sich häufig aus.

Aber mit Doppelnamen sind ja viele gesegnet. Dr. Per Hendrik Heerma und Dr. Jan Dirk Heerma zum Beispiel. ‚Heerma‘ kommt aus dem Westfriesischen, ihre Vorfahren, blickt man weiter in die Vergangenheit, waren Seefahrer, der Vater Syndikusanwalt. Hendrik (47) und Jan Heerma (51) sind beide Anwälte, beide Namenspartner. Der Jüngere spezialisierte sich auf Insolvenzrecht und gründete 2007 die Hamburg-Düsseldorfer Einheit Fink Rinckens Heerma, der Ältere konzentrierte sich auf Corporate und M&A und hob 2014 die Berliner Boutique Vogel Heerma Waitz aus der Taufe. Wann kamen sie das erste Mal mit Jura in Berührung? So genau wissen es beide nicht. „Aber unser Vater forderte immer von uns, logisch zu argumentieren“, erzählt Hendrik Heerma. „Zum Beispiel, als wir die Beule am Kofferraum hatten.“ Da hielt er ihnen einen Vortrag über Kausalität und Schuld.

Lieber Theater

Zum Jurastudium kamen sie erst über Umwege. Jan Heerma zog es eigentlich auf die Bühne. Trotzdem studierte er Jura, „die ersten vier Semester aber eher so nebenbei“. Dann reifte die Einsicht, „es richtig zu machen“. Aber vom Theater ließ er (noch) nicht: In Passau rief er eine eigene Theatergruppe ins Leben, schrieb und inszenierte Stücke und trat selbst auf.

Der drei Jahre jüngere Bruder schlug ähnliche Wege ein: Er studierte nach der kaufmännischen Lehre Jura in Konstanz und gründete das Improvisationstheater ‚Theater mit beschränkter Hoffnung‘. „Ich habe von deinem Ansatz, zu lernen, profitiert“, sagt er heute zu seinem Bruder. „Du hast mir immer gesagt, ich solle mittags segeln gehen.“ Das habe er auch gemacht, immer wenn es mal Wind in dem Flautenrevier gab, machte er um 13 Uhr auf dem Bodensee das Boot startklar. „Aber wenn ich dann in der Bibliothek saß, habe ich sehr intensiv gelernt.“ Vor allem sei es ihm immer darum gegangen, Jura zu verstehen und nicht bloß auswendig zu lernen. „Auswendig lernen ist Humbug“, pflichtet ihm Jan Heerma bei.

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