Magazin-Artikel
15.05.2018 | Autor/in: Eva Flick

Familienbande

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Dafür, dass der Generationswechsel in dieser Konstellation so gut funktionierte, gibt es mehrere Gründe. Einer ist sicherlich, dass Wilhelm Nordemann seinen Kindern freie Hand ließ – und zwar mehr, als es ihnen anfangs lieb war. Prof. Jan Bernd Nordemann erinnert sich: „In meiner ersten mündlichen Verhandlung musste ich gleich das Außenministerium vertreten.“ Vater Nordemann war nicht dabei. Der ließ auch seinen Söhnen den Vortritt, als sie eine einstweilige Verfügung für den damaligen Ministerpräsidenten Manfred Stolpe wegen des Vorwurfs seiner Stasi-Verstrickungen erwirken mussten. Vater Wilhelm vertraute seinen Kindern – genauso wie die Mandanten. „Die Mandanten haben es eher als Ehre empfunden, dass sie nun auch von seinen Kindern beraten wurden“, erzählt Prof. Axel Nordemann. Beschwert habe sich nie jemand. Im Gegenteil. Jeder Nordemann berät heute noch Mandanten, oder auch die Kinder der Mandanten, die schon beim Vater ein- und ausgingen.

Avocado Rechtsanwälte

Einer für den anderen: Jan Voß (li.) und Jörg Voß von Avocado in Frankfurt pflegen keine Rivalität ganz im Gegenteil, sie vertreten sich gegenseitig.

Auch der Vater von Dr. Jörg Michael Voß (50) und Jan Peter Voß (43) hat seinen Teil dazu beigetragen, dass zwei seiner drei Söhne Anwälte wurden. „Ursprünglich hatte ich überlegt, Journalist zu werden“, erzählt Jan Voß, heute Partner bei Avocado im Frankfurter Büro. Und damit wäre er wie die Nordemann-Geschwister seinem Vater in Sachen Berufswahl gefolgt. Denn sein Vater Peter war damals in Deutschland ein bekanntes Fernsehgesicht, moderierte beim ZDF das Heute Journal und war später Gründungsintendant des SWR. Der riet allerding unmissverständlich ab: „Studier erst mal was Anständiges. Journalist werden kannst du immer noch.“ Und so schnupperte Jan Voß zwar als Praktikant Senderluft auf dem Mainzer Lerchenberg, war aber eher abgeschreckt durch die dort gerne gestellte Frage: „Bist du Koki oder Poki?“ – also Kollegenkind oder Politikerkind. Dann doch lieber Anwalt. Er studierte Jura und eröffnete 1998 zusammen mit dem Gesellschaftsrechtler Christian Berger das Frankfurter Büro von Avocado, wo er heute noch arbeitet. Zunächst stärker im Gesellschaftsrecht verhaftet, konzentrierte er sich schnell auf IT-Recht bzw. EDV-Recht, wie es damals noch hieß.

Einsteigen als ‚Bruder von‘?

Ein Jahr später machte sein Bruder Jörg das erste Staatsexamen und suchte eine Stelle als Referendar. „Janni“, so nennt er seinen Bruder, „machte mir ein Angebot.“ Und Jörg Voß griff zu. Auch nach dem zweiten Staatsexamen, das – wie sein Bruder ihn aufzieht – „überraschend“ gut ausfiel. IT-Recht interessierte auch den Jüngeren der beiden besonders. „Dass mein älterer Bruder bereits hier war, war am Anfang für mich aber eher ein kritischer Punkt“, erzählt er. Er habe schließlich nicht als „Bruder von“ auftreten wollen. Doch Avocado war damals noch deutlich kleiner, schnell lernte er die Kollegen kennen und die Kollegen ihn. Die Verwandtschaft zu Jan rückte bei der täglichen Arbeit schnell in den Hintergrund.

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