Magazin-Artikel
15.05.2018 | Autor/in: Eva Flick

Familienbande

Jura studieren, weil der Vater Jurist ist? Okay. Und sich später mit ihm oder dem Bruder fachlich austauschen? Auch okay. Aber mit dem Vater oder den Geschwistern in einer Kanzlei arbeiten? Kann das gut gehen? Es kann. Und wie.

Von Eva Flick

Die roten Rosen kamen per Boten. Anbei eine Glückwunschkarte, die heute, wenn sie zum Verkauf stünde, alleine wegen der Absenderin die Kasse klingeln lassen würde. „Für Wilhelm von Marlene“ stand darauf. Filmdiva Marlene Dietrich, damals bereits 82 Jahre alt und schon lange vor den Augen der Öffentlichkeit ins Pariser Exil abgetaucht, gratulierte Prof. Wilhelm Nordemann, dem Anwalt ihres Vertrauens, zum 50. Geburtstag. Wilhelm Nordemann, zuletzt bei Boehmert & Boehmert und von Kollegen oft geschmückt mit dem Zusatz „Urheberrechtspapst“, ist heute selbst über 80. Sein anwaltliches Erbe weiß er in vielen guten Händen: bei seinem ältesten Sohn Axel, seinem Zweitältesten Jan und bei seiner Tochter Anke. Alle drei sind auf ihre Art in seine Fußstapfen getreten. Und konnten irgendwie auch nicht anders.

Denn der Beruf des Vaters war selbstverständlicher Teil ihrer Kindheit, die Mandanten häufig zu Besuch im Elternhaus in Kladow, dem südlichsten Zipfel des Berliner Bezirks Spandau. Die insgesamt fünf Geschwister fanden die Gäste aus Film, Musik und Kultur spannend, auch wenn die Jüngeren die Mitglieder des Komponistenverbands anfangs für den Kommunistenverband hielten und sich kaum vorstellen konnten, dass der regelmäßige Gast Hans Rosenthal – in den Siebzigerjahren einer der bekanntesten Moderatoren überhaupt – tatsächlich im Fernsehen auftrat.

Boehmert & Boehmert

Alle im Urheberrecht: Jan (li.), Anke und Axel Nordemann folgten ihrem Vater Wilhelm ins Potsdamer Büro von Boehmert & Boehmert.

Der Vater war damals noch Namenspartner der Berliner Kanzlei Nordemann Vinck Hertin, die als Trio das Standardwerk zum Urheberrecht herausbrachten. 1990 beschloss man, sich zu trennen. Nordemann fusionierte mit Boehmert & Boehmert, einer angesehenen Einheit für Geistiges Eigentum. Dass sein Sohn Axel, heute 54 Jahre alt, fachlich in seine Richtung ging, stand da bereits fest: Das Jurastudium in Göttingen hatte er beendet, die Promotion über das Urheberrecht an Fotografien in der Tasche. So lag es 1993 nahe, ebenfalls bei Boehmert & Boehmert einzusteigen. Sein Bruder Jan (52) folgte vier Jahre später, obwohl er extra nicht in Berlin studiert hatte, weil „unseren Vater an der FU Berlin jeder kannte“, wie er heute sagt. „Ich bin deswegen nach Göttingen gegangen und habe mich auf Kartellrecht spezialisiert.“ Das spielt heute für ihn zwar in seiner anwaltlichen Beratung noch immer eine Rolle – allerdings eher als Schnittstellenthema zum Urheberrecht.

Potsdam provinziell?

Die jüngere Schwester Dr. Anke Nordemann-Schiffel (48) zog es gleich ins Ausland. Zunächst nach Paris, sie promovierte in London und „hielt uns deswegen für etwas provinziell“, wie ihr Bruder Axel ihr heute noch mit einem Lachen vorhält. Das gibt sie durchaus zu. „Ich hab eigentlich erst als Referendarin wirklich begriffen, was alles thematisch dahinterstand und wie interessant das war“, sagt sie. Fortan konzentrierte auch sie sich auf IP-Fragen, speziell auf das Marken- und Wettbewerbsrecht. Sie folgte dem Vater und den beiden Brüdern zu Boehmert & Boehmert. Die Kanzlei wuchs kontinuierlich weiter, heute sind die Nordemanns drei Partner von insgesamt 38.

zur nächsten Seite

Seiten: 1234