Magazin-Artikel
15.05.2018 | Autor/in: Raphael Arnold

Die Welle reiten

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Abseits von Berlin bieten Frankfurt und München Chancen für Juristen mit einem Faible für Fintech-Themen. Auf der Suche nach Spezialisten sind in der Mainmetropole allerdings weniger hippe Start-ups, sondern die etablierten Arbeitgeber: Banken, Behörden und Kanzleien mit ihren traditionelleren Strukturen. Den Münchner Markt dominieren eher Anbieter von Bezahlkarten und Zahlungsdienstleister.

Herzstück Berlin

Weil Berlin bei IT-Spezialisten unverändert attraktiv ist, bleibt die Stadt der Fintech-Standort Nummer eins in Deutschland. Und von dieser Klientel hängt letztlich der ganze Rest ab: Marketing, Verkauf, Finanzierung und eben auch Recht. Dass die Branche auf Spezialisten aus aller Herren Länder angewiesen ist, zeigt sich bei Raisin: die insgesamt 120 Mitarbeiter kommen mittlerweile aus fast 30 Nationen. Unternehmenssprache ist Englisch, und das ist ebenso wichtig für die Zusammenarbeit mit den 40 europäischen Partnerbanken.

Sehr gute Englischkenntnisse sind folglich ein wichtiges Kriterium bei Fintech-Unternehmen, die Sprache bildet den Kommunikationsstandard innerhalb der Firmen. Daneben betont Lea Siering von Taylor Wessing eine schnelle Auffassungsgabe und einen Zugang zu IT-Themen: „Man muss die Grundzüge verstehen und vermitteln können“, sagt die ehemalige Crosslend-Juristin. Bei einem Start-up komme es darauf an, schnell zu reagieren: „Da darf man kein Hinterzimmerjurist sein.“ Das führt Marc Nathmann von Aderhold zu Selbstversuchen: „Ich muss neue Apps selbst ausprobieren. Nur so kann ich wissen, wie sie für Kunden aussehen und wo die kritischen Punkte lauern.“ Darauf muss man sich einlassen.

Wo der externe Berater sitzt, ist in der Fintech-Branche dagegen total egal. Davon ist die Berliner Aderhold-Partnerin Susanne Grohé überzeugt: „Wir bekämen die Mandate auch ohne den Standort hier.“ Es sei eher eine Frage des Reisepensums, das etwa Frank Müller von München aus absolvierte. Ihn ernannte die Kanzlei zum 1. Januar zusammen mit Dr. Matthäus Schindele (42) zum Equity-Partner und verdoppelte so in München ihre Riege auf vier Vollpartner. Die Kanzlei bietet also Karrierechancen für Berater, die sich der Digitalisierung in der Finanzbranche widmen. Und sie hat das nächste Thema fest im Blick: die rechtlichen Fragen rund um digitale Identitäten und darauf basierende Zahlungssysteme.

Was ist Fintech?
Der Begriff ,Fintech‘ ist die Kurzform für ,Financial Technology‘ und umfasst technologisch getriebene, neue Finanzinstrumente, -dienstleistungen oder -anbieter. Bei den Produkten kann es sich um Lösungen für Privat- oder Firmenkunden handeln, um interne Anwendungen oder um alternative Lösungen für die Kernfunktionen traditioneller Finanzinstitute wie Kreditvergabe, Zahlungsverkehr oder Vermögensverwaltung. Fintech steht häufig auch für Anbieter technologischer Neuerungen, die Teile aus der Wertschöpfungskette von etablierten Geldhäusern herauslösen, automatisieren oder neu kombinieren.

Gründerzeit in der Hauptstadt
Berlin ist unverändert der wichtigste Start-up-Standort.

Wo Geld fließt
Im Venture-Capital-Geschäft dominieren drei Metropolen.

 

 

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