Magazin-Artikel
15.05.2018 | Autor/in: Raphael Arnold

Die Welle reiten

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Eine offenere Struktur bringt jedoch viele Vorteile. Die Arbeit ist interaktiver, die Kommunikation direkter und: „Zu Hause zu arbeiten, ist bei Fintechs viel leichter möglich als anderswo, einfach weil die technische Ausstattung da ist“, so der General Counsel von Raisin. Dass der Heimarbeitsplatz zum Rückzugsraum wird, um sich mehrere Stunden zu konzentrieren und ein Dokument in Ruhe durchzuarbeiten, ist die Kehrseite des Arbeitens im Großraumbüro.

Attraktives Gehalt

Finanziell sind die Stellen bei den Nachwuchsfirmen durchaus attraktiv, gerade im Vergleich zu Behörden wie der BaFin. Dort verdienen nach Tarif bezahlte Berufseinsteiger knapp unter 50.000 Euro im Jahr. Bei Start-ups dagegen sind neben dem Grundgehalt oft Vergütungsanteile vorgesehen, die über Finanzierungsrunden ordentlich an Wert gewinnen können. An die Einkünfte von angestellten Inhousejuristen bei Banken oder von Anwälten in Kanzleien reicht die Bezahlung in den Rechtsabteilungen bei Fintechs jedoch häufig nicht heran.

Wer dennoch inhouse bei Start-ups im Finanzbereich arbeiten möchte, kommt um den Standort Berlin (…und dann fiel die Mauer, Seite 38) kaum herum. Von 699 Neugründungen in der Finanzbranche sitzen derzeit 228 in Berlin, so die Fintech-Hub-Rankings von Comdirect im November 2017: Bei der Anzahl der Start-ups lagen Frankfurt und München weit abgeschlagen hinter Berlin (Gründerzeit in der Hauptstadt, Seite 35). Bei den Venture-Capital-Investments rangierte die Stadt ebenfalls auf dem ersten Platz, gefolgt von Hamburg mit 213 Millionen Euro (Wo Geld fließt). Marc Roberts erklärt das damit, dass die Bundeshauptstadt für IT- und Computerspezialisten im internationalen Vergleich ein attraktiver Standort ist. Das gilt für andere deutsche Städte viel weniger.

Die Höhe der Investitionen in Hamburg erklärt sich unter anderem damit, dass dort einige sehr große, erfolgreiche Start-ups beheimatet sind. Darunter Kreditech, ein Spezialist für Verbraucherkredite, in den vor einem Jahr PayU 110 Millionen Euro investierte. Dieser Zahlungsdienstleister ist vor allem in Asien, Osteuropa, dem Nahen Osten und Afrika aktiv und gehört zum südafrikanischen Medienkonzern Naspers. Der avancierte inzwischen auch zum größten Einzelaktionär bei Delivery Hero.

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