Magazin-Artikel
15.05.2018 | Autor/in: Laura Bartels

Die Gretchenfrage

zurück

Galla_Stefan

Wurde gleichzeitig Partner und Notar: Stefan Galla von Luther.

Ein Weg, um schneller an die gewünschte Equity-Partnerschaft zu kommen, ist das Notariat in den meisten Fällen nicht. Denn letztlich führt der Weg immer auch übers Geld. Wer also nicht den entsprechenden Umsatz beisteuert, hat auch durch die Notarzulassung keine Chance, das auszugleichen. Bei Stefan Galla, Partner und Notar bei Luther in Essen, fielen Notarbestellung und Partnerstatus 2010 zusammen. Luther gehört zu den Wirtschaftskanzleien, die sich ein großes Notariat leisten. Sozietätsweit hat die Kanzlei zehn Amtsträger, die Hälfte davon allein im Essener Büro. Weitere Kandidaten, die die Prüfung bereits abgelegt haben oder sich darauf vorbereiten, stehen schon in den Startlöchern.

Dass es gerade in Essen bei Luther so viele Amtsträger gibt, hat historische Gründe. „Luther hatte an diesem Standort schon immer einen hochkarätigen Mandantenstamm aus Großkonzernen und mittelständischen Unternehmen, der regelmäßig notarielle Beratung in Anspruch nahm. Dieses Geschäft wird respektive von Notargeneration zu Notargeneration weitergegeben“, erklärt Galla. Zugute kommt ihnen dabei auch, dass das Notariat in der Regel von sehr langen, etablierten Beziehungen lebt. „Denn den Notar wechseln Mandanten bei Weitem nicht so häufig wie den Anwalt. Auch andere Kanzleien im Ruhrgebiet und Ostwestfalen – wie Kümmerlein, Aulinger oder Streitbörger Speckmann – haben große Notariate mit bis zu 20 Amtsträgern und unterhalten etablierte Beziehungen zum regionalen Mittelstand und zu großen Konzernen wie E.on, Thyssenkrupp oder Oetker.

Position mit Potenzial

Kein Wunder, dass diese Kanzleien im Notariat ein Modell mit Zukunft sehen. „Wir unterstützen unsere jungen Kollegen, die sich eine Laufbahn als Anwaltsnotar vorstellen können, weil das Notariat für uns als Gesamtkanzlei ein wichtiger Beratungszweig ist“, sagt Galla. Wer zum Beispiel als Associate die Prüfung besteht und zum Notar bestellt wird, aber noch nicht den entsprechenden Mandantenstamm und Umsatz vorweisen kann, wird bei Luther zunächst of Counsel, wodurch er den Status eines Angestellten verliert. Auf dieser Position hat er dann die Möglichkeit, sein Geschäft auszubauen. Das ist gar nicht so einfach, wie es klingt. Denn anders als ein Anwalt, kann ein Notar nicht ganz so offensiv an die Mandantenakquise herangehen. „Notare unterliegen als Träger eines öffentlichen Amtes sehr restriktiven Bestimmungen, was die Eigenwerbung betrifft“, sagt Galla. Anzeigen mit dem eigenen Konterfei und einer langen Liste an Kompetenzen sind für Notare also ebenso gestrichen wie das Basecap oder den Regenschirm mit dem Namen des Notariats durch die Stadt zu tragen. Letztlich kommt es nur auf Kontaktpflege an.

Das vermeintliche Problem mit der Eigenwerbung kennen die sogenannten Nur-Notare auch. Mit Statusproblemen innerhalb einer Sozietät müssen sie sich allerdings nicht beschäftigen. Denn, wie der Name schon sagt, ist es ihnen nicht erlaubt, gleichzeitig als Notar und als Anwalt zu arbeiten. Sie sind selbstständig und dürfen sich nur mit anderen Notaren zu einer Sozietät zusammenschließen. Auch hier gibt es regionale Unterschiede. Während sich in den meisten Bundesländern nur maximal zwei Amtsträger zu einer Sozietät zusammenschließen dürfen, gibt es in Hamburg noch einige Großnotariate. Bis vor einigen Jahren unterlag Hamburg als Stadtstaat
keinerlei Beschränkungen, was die Größe seiner Notariate betraf. Im Zuge der Novelle der Notarordnung wurde die Größe der Notariate schließlich auf fünf Amtsträger reglementiert.

Der Anwärterdienst für hauptberufliche Notare verläuft ähnlich wie das Referendariat vor dem Zweiten Staatsexamen. Nur-Notare absolvieren mehrmonatige Stationen bei Notaren, denen sie durch die Notarkammer zugeordnet werden. Einige Stationen können die Assessoren auch frei wählen. Maßgeblich für die Aufnahme in den Anwärterdienst sind vor allem gute Examensnoten. Auch die persönliche Eignung zählt, zum Beispiel soziale Kompetenz, Unparteilichkeit und Redlichkeit. Nach drei Jahren können sich Notarassessoren auf freie Stellen bewerben. Neben der Eignung spielt auch das Dienstalter eine Rolle. Notarassessoren, deren Anwärterdienst am längsten zurückliegt, kommen zuerst an die Reihe. Ewig lange Wartezeiten müssen Bewerber aber nicht befürchten. Denn grundsätzlich nimmt die Kammer nur so viele Bewerber in den Anwärterdienst auf, wie voraussichtlich zum Notar bestellt werden können. Der Bedarf richtet sich nach der Zahl der Urkunden und dem Rechtsschutzbedürfnis der Bevölkerung.

Neben den fachlichen Qualifikationen müssen alle Amtsträger aber auch den Praxistest bestehen. „Ein guter Notar muss vor allem im Alltag überzeugen. Dazu gehören ein hohes Maß an Servicebereitschaft aber auch interne Aufgaben wie Personalführung“, sagt Dr. Florian Möhrle vom Hamburger Notariat am Ballindamm.

Sein Team besteht aus rund 20 Mitarbeitern, das er kontinuierlich mit Arbeit versorgen muss. Denn ein guter Mitarbeiterstamm ist das Kapital jedes Notars. Vieles in der Vor- und Nachbereitung einer Beurkundung läuft über den Tisch der Notariatsfachangestellten. Und Mandanten schauen bei der Wahl ihres Notars vor allem auf Schnelligkeit, Gründlichkeit und Dienstleistungsbereitschaft. „Wir versuchen eigentlich immer, alles möglich zu machen, egal wie kurzfristig ein Termin hereinkommt oder verschoben werden muss“, sagt Möhrle. Das sei der Vorteil einer größeren Einheit, weil man im Zweifelsfall auch auf seine Amtskollegen zurückgreifen könne, beziehungsweise bei sehr großen Transaktionen auch parallel beurkunden kann. „Notare konkurrieren nicht über den Preis miteinander, sondern beim Service“, sagt Möhrle.

zur nächsten Seite

Seiten:  1234