Magazin-Artikel
15.05.2018 | Autor/in: Norbert Parzinger

„Der Job ist ein Teil von mir“

Als Spezialistin für Fonds ist Sonya Pauls international angesehen. Ihre Arbeit ist Teil einer feinen Choreografie, bei der ihre Kinder und die Mandanten die Schritte vorgeben. Oder doch sie selbst?

Von Norbert Parzinger

Pauls_SonyaSonya Pauls ist aus dem Takt geraten. Die Verspätung von anderthalb Minuten ist ihr sichtlich unangenehm, als sie den Konferenzraum von Clifford Chance in München betritt. Dabei kann sie selbst nichts dafür, dass dieser Vormittag einfach zu kurz ist. Sammy, ihrem Australian Shepherd, ging es in der Nacht zuvor so schlecht, dass die Anwältin kaum geschlafen hat. Doch die Müdigkeit ist ihr nicht anzumerken. Über ihre Arbeit spricht sie mit einer Begeisterung, die ansteckt.

Die 46-Jährige strukturiert Fonds. Ihre Hauptmandanten sind Private-Equity-Gesellschaften, die in Unternehmen der Realwirtschaft investieren wollen oder als Kreditgeber auftreten. Dabei geht es zunächst um die steuerliche Struktur, dann um die Einhaltung der aufsichtsrechtlichen Vorgaben und schließlich auch darum, Anlegergelder einzusammeln. „Wir sind das Fegefeuer, durch das die Mandanten müssen, bevor sie investieren können“, sagt Paul. Und strahlt.

Was ist so aufregend daran, Investitionsvehikel zu bauen und zu beladen? Für Pauls kommt die interessanteste Phase mit dem Fundraising, bei dem die Initiatoren und ihre Anwälte 50 oder mehr Investoren kontaktieren. Was sich nach Klinkenputzen anhört, ist eher eine Art Ballett, bei dem jede Drehung, jede Geste genau stimmen muss. „Bei der Ansprache ist der richtige Moment und der richtige Tonfall unheimlich wichtig. Es geht ja nicht darum, mal eben etwas zu verkaufen. Die Beziehung, die hier geknüpft wird, soll zehn Jahre halten und funktionieren“, erklärt sie. „Dafür muss zunächst einmal ein guter Start gelingen.“

Dazu kommt das Timing. Ähnlich wie bei einem Börsengang ist es zentral, bestimmte Ankerinvestoren früh an Bord zu holen und die Anleger genau dann zu kontaktieren, wenn sie ein offenes Ohr und genug freie Mittel haben. Jeder Investor verfolgt seine eigene Strategie, jeder will auf seine Weise überzeugt werden. „Auf den richtigen Rhythmus kommt es an“, sagt Pauls. „Man muss Druck aufbauen, aber elegant, und man darf nie den Schwung verlieren.“ Bei normaler Auslastung begleitet ihr Team eine mittlere zweistellige Zahl von Fundraisings parallel. Das bedeutet neben der juristisch-technischen Arbeit hunderte Investorengespräche, die getaktet sein wollen.

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