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15.05.2018 | Autor/in: Laura Bartels
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Der Beckenbauer des Notariats

Souverän, präzise und pragmatisch: Anwälte anderer Kanzleien loben Klaus Minuth von Clifford Chance in den höchsten Tönen. Seit mehr als 30 Jahren prägt er die Immobilienszene mit – zuerst als Anwalt, heute als Notar. Und hält den Ball dabei selbst lieber flach.

Von Laura Bartels

Minuth_KlausAnwälte reden gern. Am liebsten über sich selbst – oder über Dr. Klaus Minuth von Clifford Chance. Kein Wunder. Über ihn gibt es jede Menge zu sagen. Er zählte lange Zeit zu den renommiertesten Immobilienpartnern im deutschen Anwaltsmarkt. Und heute ist er einer der bekanntesten Notare in der Branche. Wettbewerber wie Wegbegleiter schätzen seine „hohe Professionalität“ und sein „außergewöhnliches Fingerspitzengefühl“. Ein Mandant findet sogar, Minuth sei der „Franz Beckenbauer des Notariats“. Ein Kompliment, das der 60-Jährige sicher gerne hört. Denn Minuth ist leidenschaftlicher Fußballfan, hat früher selbst für Germania Dörnigheim bis zur Landesliga – der heutigen Verbandsliga – gespielt. Das war damals immerhin die vierthöchste Spielklasse. „Mit meinem Berufseinstieg blieb dann leider nur noch wenig Zeit zum Kicken“, sagt er.

Flach spielen, hoch gewinnen

Als Immobilienanwalt hat es Minuth bis in die Champions League geschafft. Seit 1984 arbeitet er bei Clifford, zunächst als Referendar, dann als Associate – immer im Immobilienrecht, immer in derselben Kanzlei. So eine Stabilität ist in heutigen Zeiten, in denen sich die Wechselbewegungen im Kanzleimarkt mit dem Transferticker der Bundesliga messen können, selten. Doch für Minuth gab es keinen Grund, sich nach einer anderen Kanzlei umzusehen. Und das, obwohl er im Laufe seiner Karriere viele Veränderungen durchlebt hat – kanzleiintern, aber auch in der Immobilienbranche.

1990 wurde Minuth Partner, 2001 übernahm er die Leitung der Immobiliengruppe. Seit 2012 widmet er sich ausschließlich dem Notariat. Unkenrufe, das notarielle Geschäft sei für eine internationale Großkanzlei nicht profitabel und der Notarberuf eine Art Ersatzbank für nicht hinreichend performende Anwälte, kann er nicht nachvollziehen. „Wenn man es richtig angeht, kann das Notariat sehr lukrativ sein“, sagt er. Der Trick lautet: „Klasse statt Masse“. Nicht die Menge der Beurkundungen ist entscheidend, sondern die Art und letztlich das Volumen. Denn je höher das Volumen, desto höher die Gebühren. Minuth beurkundete zum Beispiel den Kauf der Karstadt-Luxuskaufhäuser durch die österreichische Signa-Gruppe und den Neubau der Axel-Springer-Zentrale in Berlin.

So lukrative Transaktionen landen bei Minuth, weil er einen großen Erfahrungsschatz hat. Kein Wunder. Im Immobiliengeschäft hat er alles gesehen, was die Branche hergibt. „Immobilienrecht beschränkte sich zu meiner Anfangszeit noch auf Grundstücke und Bauverträge“, erinnert er sich. Dann kam der Wandel zum Immobilienwirtschaftsrecht, das sich primär um Transaktionen dreht, vor allem aber nicht nur auf das Asset Immobilie schaut, sondern auch gesellschafts- und steuerrechtliche Implikationen hat, oder Erfahrung mit Fondstrukturen verlangt. Er hat die Boomzeiten erlebt, genauso wie zwei große Immobilienkrisen. „Mich überrascht heute eigentlich nur noch sehr wenig, wenn ich in einen Vertrag schaue“, sagt er. Transaktionsanwälte sehen das genauso: „Zu Herrn Minuth gehen wir, wenn eine Transaktion besonders komplex ist. Er macht jeden Deal möglich.“

Verhandlungen am seidenen Faden

Doch nur mit fachlicher Exzellenz kommt ein Notar nicht weit. Er muss auch menschlich überzeugen. Schließlich hängen Verhandlungen nicht immer wegen rechtlicher Fragen am seidenen Faden. Auch Missstimmung unter den Parteien kann einen Deal noch in letzter Sekunde zum Scheitern bringen. Dann muss der Notar eingreifen und versuchen, die Beteiligten doch noch auf einen Nenner zu bringen. „Ich bemühe mich immer um einen unangestrengten Ton“, sagt er. „Und ich behandele jeden am Tisch gleich, egal wie alt oder wie verhandlungserfahren er ist.“ Auch das schätzen Mandanten wie Anwälte. „Er denkt einfach wahnsinnig schnell, hat sofort einen Lösungsvorschlag parat“, sagt eine ehemalige Weggefährtin. „Da haben die anderen noch nicht einmal das Problem erfasst.“ Die Kunst sei aber, sie das nicht spüren zu lassen. „Beim Klaus“ gehe niemand aus einer Beurkundung mit dem Gefühl, bloßgestellt worden zu sein.

Bei aller Liebe zur Diplomatie: Minuth kann auch anders – wenn er muss. Noch heute erzählt man sich bei Clifford auf dem Flur die Geschichte von einer Beurkundung in der Schweiz, in der Minuth – damals noch als Anwalts-Associate – seinen damaligen Partner vertrat. Zu vorgerückter Stunde verließ die Mandanten allmählich die Lust und sie beharrten auf einem schnellen Vollzug. Doch Minuth bestand darauf, sämtliche Dokumente einzubeziehen, da der Deal sonst unwirksam sei. Als die Mandanten weiterhin stur blieben, drohte Minuth, den Verhandlungstisch zu verlassen. Und bekam am Ende, was er wollte. Am nächsten Morgen in Frankfurt fing ihn sein Partner noch in der Tiefgarage ab und fragte, ob denn auch alle Dokumente beurkundet worden seien. „Er hätte mich wahrscheinlich sofort entlassen, wenn ich in dem Moment ,nein‘ gesagt hätte“, sagt Minuth.

Neben Durchsetzungsvermögen und Professionalität schätzen Mandanten und Anwälte vor allem eines bei Notaren: ein hohes Maß an Servicebewusstsein. „Ich habe auch schon um vier Uhr mit einer Beurkundung begonnen“, sagt er. Auch das gehört zum Spiel. Und das dauert manchmal deutlich länger als 90 Minuten. „Meine längste Beurkundung hat vier Tage gedauert“, erinnert er sich. Doch solche Extremfälle sind eher die Ausnahme. Insgesamt sei das Leben als Notar planbarer als früher zu Anwaltszeiten. Auch ein Grund, warum Minuth sich 2008 vorstellen konnte, ein Amt anzutreten, das er bis zu seinem 70. Lebensjahr ausüben darf. Ob er tatsächlich so lange arbeiten wird, hat er noch nicht entschieden. Doch wenn er es tut, dann auf jeden Fall bei Clifford.