Magazin-Artikel
15.05.2018 | Autor/in: Norbert Parzinger

Alles dynamisch geregelt

Früher galten Regulierungsexperten oft als lästige Bremser. Heute sind sie die zentralen Figuren im Bank- und Finanzrecht. Wer Grundlagenarbeit mit ständig neuen Vorgaben nicht scheut, kann hier schneller aufsteigen als anderswo.

Von Norbert Parzinger

Schnell noch den Schokoriegel an der Kasse mitbezahlen? Geht nicht, da streikt die Tankkarte. Die Deutsche Bank prüft die Abspaltung ihres Investmentbanking-Geschäfts. Wer es mit dem Bitcoin-Handel übertreibt, hat bald den Staatsanwalt im Nacken. Auf den ersten Blick haben diese Sätze rein gar nichts miteinander zu tun. Und doch geht es im Kern um dasselbe: die Arbeit der Regulierungsbehörden im Finanzsektor. Die in der Europäischen Zentralbank (EZB) angesiedelte europäische Bankenaufsicht und nationale Institutionen wie die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) sitzen wie pflichtbewusste, geduldige Spinnen in einem immer dichteren Netz von Vorschriften, deren Einhaltung sie überwachen müssen. Letztlich geht es dabei um nichts weniger als die Zukunft der kapitalistischen Wirtschaftsordnung: Nur wenn Abläufe geregelt, Gesetze eingehalten, Exzesse vermieden werden, kann das System auf Dauer funktionieren.

Freshfields ­Bruckhaus Deringer

Kundenkarten, Blockchain, Bankentestamente: Alicia Hildner und Alexander Glos von Freshfields Bruckhaus Deringer arbeiten im Bankaufsichtsrecht mit immenser Bandbreite.

Auch für die Inhousejuristen der Banken und Finanzdienstleister und für ihre externen Berater bedeutet die zunehmende Regulierung immer mehr Arbeit. Die Bandbreite der Themen ist immens. Kunden-, Geschenk- und Tankkarten etwa fallen unter die 2017 verschärfte Zahlungsdiensterichtlinie PSD 2, deren Einhaltung die BaFin überwacht. Wenn sich die EZB Sorgen um die Deutsche Bank macht, hat sie vor allem die Eigenkapitalausstattung nach den Vorgaben CRD IV und CRR im Auge. Bei Kryptowährungen hingegen ist derzeit noch einiges im Fluss. Alles dreht sich um die Frage, ob die Token als Finanzinstrumente oder Wertpapiere definiert werden und ob die Händler eine erlaubnispflichtige Tätigkeit ausüben. Aber auch damit ist die BaFin befasst, zur Überraschung mancher Start-up-Gründer.

Mandate von existenzieller Bedeutung

Obwohl Anwälte im Bankaufsichtsrecht oft zwei oder drei Teilbereiche besonders intensiv beackern, sind die meisten von ihnen doch in einem Großteil des Spektrums aktiv, das dieses Fachgebiet ausmacht. „Etwa die Hälfte der Mandate, zu denen ich derzeit berate, betreffen im weitesten Sinn Fintech-Fragen. Die Mandanten sind meist größere Unternehmen oder Banken, durchaus aber auch Start-ups. Dabei geht es insbesondere um zahlungsdiensterechtliche Themen wie auch um virtuelle Währungen, Blockchain-Einsatz und Robo-Advice ebenso wie um Lizenzfragen“, sagt Alicia Hildner (29), Associate bei Freshfields Bruckhaus Deringer. „Der andere Teil meiner Mandate ist bunt gemischt und betrifft eher das ‚typische‘ Bankaufsichtsrecht, unter anderem Fragen zur CRR, dem Wertpapier- und Kapitalmarktrecht, Geldwäsche, Abwicklungsthemen aber auch die ein oder andere Transaktion oder Bankenrestrukturierung ist dabei.“ Auch wenn die Freshfields-Praxis als einer der Platzhirsche im Markt ein besonders breites Mandatsportfolio hat, macht die Vielfalt der Themen auch in anderen Kanzleien die Arbeit im Aufsichtsrecht aus.

zur nächsten Seite

Seiten: 1234