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22.03.2018

Gläserne Decke in Kanzleien: Nur jeder zehnte Vollpartner ist eine Frau

Der Frauenanteil in Kanzleien bewegt sich langsam aufwärts, nur in den Partnerschaften bleibt alles beim Alten: Ziehen beim Berufseinstieg noch rund 42 Prozent Frauen in die Kanzleien ein, sinkt ihr Anteil an den Berufsträgern bis zur Vollpartnerschaft auf rund zehn Prozent. Diese Zahl hat sich über die letzten zehn Jahre nur marginal verändert.

Wie eine aktuelle azur-Erhebung bei rund 200 Wirtschaftskanzleien in Deutschland zeigt, liegt der Frauenanteil auf den meisten Karrierestufen etwas höher als noch vor wenigen Jahren. Unter den Associates sind derzeit rund 43 Prozent weiblich, eine leichte Steigerung gegenüber den Vorjahren.

Auf Counsel-Level sind rund 31 Prozent Frauen tätig. Auf der Ebene der angestellten Partner (Salary Partner beziehungsweise Non-Equity-Partner, also Partner ohne Gesellschafterstatus) sind es gut 27 Prozent – vor wenigen Jahren lag diese Zahl noch bei nur rund 20 Prozent. Hier macht sich zum einen die gezielte Förderung weiblicher Talente in etlichen Kanzleien bemerkbar. Zum anderen stellten die Kanzleien 2017 anteilig auch wieder mehr Frauen ein als in den Vorjahren, was für die Zukunft weiter steigende Frauenquoten auf den mittleren Karrierestufen erwarten lässt.

 

Frauenquote

Quelle: azur-Erhebung 2017 bei rund 200 Wirtschaftskanzleien in Deutschland

 

Allerdings hat der Fortschritt genau dort ein Ende, wo eigentlich der entscheidende Karriereschritt jeder klassischen Anwaltslaufbahn erfolgen würde: beim Aufstieg in die Vollpartnerschaft. Wie schon vor zehn Jahren liegt der Frauenanteil in den Equity-Partnerriegen bei rund zehn Prozent. Neupartnerinnen waren in den meisten Kanzleien auch in den letzten Jahren eine Seltenheit, allen Förderprogrammen zum Trotz.

Ausnahmen bestätigen die Regel: So waren etwa bei Hengeler Mueller innerhalb der vergangenen vier Jahre fünf von elf Neupartnern weiblich. Damit steigerte die Kanzlei ihren Partnerinnenanteil in kurzer Zeit von mageren drei auf knapp zehn Prozent und schloss immerhin fast bis zum – niedrigen – Marktdurchschnitt auf. Ähnlich agierte zuletzt die Düsseldorfer Kanzlei Orth Kluth.

Den höchsten Partnerinnenanteil unter den größeren Sozietäten im deutschen Markt halten mit Abstand schon seit Jahren Jones Day (24,4 Prozent) und Norton Rose Fulbright (17,5 Prozent). (Norbert Parzinger)