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27.03.2018

Promotion oder LL.M.: Wirtschaftskanzleien bevorzugen den Master

Lange gehörte der Doktortitel in vielen Kanzleien zum Standardrüstzeug. Doch das ändert sich zunehmend. Kanzleien achten heute schon stärker auf einen LL.M.-Titel – denn der gilt als Garant für gute Englischkenntnisse und Soft Skills. Das geht aus der Recherche für die jüngst erschienene Ausgabe von ‚azur100 – Top-Arbeitgeber für Juristen‘ hervor.

Als Zusatzqualifikation hat der ‚Master of Laws‘ den Doktortitel bei vielen Wirtschaftskanzleien ins Abseits gedrängt. Und auch die Anzahl an Juristen, die promovieren, sinkt seit einigen Jahren stetig: 2016 gab es laut Statistischem Bundesamt rund 28 Prozent weniger abgeschlossene Promotionsverfahren als noch 2005.

Immer wichtiger sind für Kanzleien die oft schwer messbaren weichen Faktoren und gute Englischkenntnisse. Dafür ist der LL.M als Indikator greifbarer als ein Doktortitel. „An einem Auslands-LL.M. sehe ich, ob der Horizont des Bewerbers mehr als nur juristische Fragen umfasst“, sagt der Personalverantwortliche einer Großkanzlei. Darum ist es auch zweitrangig, ob der LL.M. eine bestimmte fachliche Spezialisierung verfolgt. „Wenn sich jemand für Luft- und Raumfahrtrecht interessiert und daraus ein LL.M.-Projekt in den USA macht, warum nicht“, so der HR-Spezialist weiter. „Dass man dabei gutes Englisch lernt und weiß, wie man mit Kollegen und Mandanten anderer Nationalität umgeht, ist so oder so ein Gewinn.“

Finanzielle Anreize

Das der LL.M. an Relevanz gewinnt, zeigen auch die Zusatzvergütungen und Maßnahmen von Kanzleien: Einige fördern LL.M.-Vorhaben finanziell – entweder berufsbegleitend oder mit speziellen Stipendien für Studenten und Referendare, wie Gleiss Lutz und GSK Stockmann. Hengeler Mueller zahlt Berufsanfängern mit LL.M. pauschal 10.000 Euro mehr im ersten Berufsjahr. Für einen Doktortitel, den ein großer Teil der Hengeler-Anwälte ohnehin mitbringt, gibt es dagegen keinen Zuschlag. Bei Arqis und Gleiss beispielsweise werden beide Zusatzqualifikationen mit je 5.000 Euro zusätzlich honoriert.

Nur noch wenige Einheiten kommunizieren klar, dass der Doktor obligatorisch ist, etwa Glade Michel Wirtz oder Flick Gocke Schaumburg. Bei Letzterer steht ein Doktortitel sogar deutlich höher im Kurs als ein LL.M. Der ist für Flick Gocke eher irrelevant, denn der Hauptfokus der Kanzlei ist deutsches Steuerrecht. Ansonsten heißt es fast überall: Im Zweifel lieber LL.M. als Doktor. (Helena Hauser, Norbert Parzinger)