azur100
23.02.2018 | Autor/in: azur Redaktion

Hengeler Mueller

Platz 6 – azur100 2018

Treue Praktikanten und Referendare. Mehr als bei vielen anderen Kanzleien bilden bei Hengeler Praktika und ganz besonders das Referendariat die erste Stufe zum Berufseinstieg. Fast zwei Drittel der jungen Juristen haben hier schon vorher eine Ausbildungsstation verbracht. Hengeler gibt sich viel Mühe bei der Auswahl und der Ausbildung. Zweimal jährlich starten mehrwöchige Gruppenpraktika, die Einblicke in die Mandatsarbeit, aber auch englische Rechtssprache und Soft Skills vermitteln. Letztere Punkte sind auch Bestandteil der Referendarsausbildung, die zusätzlich Examenstraining durch den Seminaranbieter Kaiser umfasst. Referendare und wissenschaftliche Mitarbeiter nehmen nun regelmäßig an einem Jour Fixe mit Partner- und Associate-Vertretern teil, bei dem es um Fachliches ebenso wie um karriererelevante Themen geht. Eine Station ist auch an einem Hengeler-Auslandsstandort oder bei einer befreundeten Kanzlei im Ausland möglich. Ehemalige Referendare loben die „juristisch anspruchsvolle Ausbildung“ und die „gute Einbindung“.

azur Urteil Hengeler Mueller
Ausbildung zum Generalisten. Traditionell wechseln die Associates ­regelmäßig die Teams und sogar die Fachbereiche. Dieses sogenannte Rotationsprinzip soll eine breite und vielfältige Ausbildung ermöglichen. Dennoch wählt jeder Associate einen bestimmten Partner als Tutor, der sich um die fachliche und persönliche Weiterentwicklung kümmert und intensives Feedback gibt. Außerdem durchlaufen Associates zweimal jährlich für fünf Tage eine hochkarätige externe Ausbildung: Das mit der Universität St. Gallen entwickelte Curriculum vermittelt etwa betriebs- und volkswirtschaftliche Elemente. Associates, die keinen LL.M. mitbringen, können bis zu zwölf Monate in einem Auslandsbüro oder bei einer Partnerkanzlei arbeiten. In der azur-Umfrage vergeben die Hengeler-Associates für das Thema Ausbildung insgesamt gute Noten.

Hohes Anspruchsniveau. Besonders gute Noten vergeben die Hengeler-Anwälte in der azur-Associate-Umfrage zudem für Betriebsklima, Anspruch und die Internationalität der Arbeit. Insgesamt sind sie mit ihrer Kanzlei recht zufrieden, mit einer großen Ausnahme: Obwohl die Gehälter erst im Vorjahr angehoben wurden und mit an der Marktspitze liegen, blicken die Hengeler-Associates unzufrieden auf ihre Vergütung – nicht nur, weil die Konkurrenz inzwischen oft genauso gut bezahlt und weil sie sich zu wenig an Hengelers Rekordumsätzen der letzten Jahre beteiligt fühlen. Ein Associate spricht in der azur-Umfrage von der „Gehalt-Arbeitszeiten-Verantwortungs-Balance“ und befindet: „passt überhaupt nicht“.

Kritische Work-Life-Balance. Damit spricht er ein heißes Eisen an: die hohe Arbeitslast. In der azur-Umfrage geben die Associates rund 59 Wochenstunden als übliches Pensum an, fünf Stunden mehr als der Marktdurchschnitt. Viele Associates bleiben deshalb skeptisch, was Teilzeitmodelle, flexible Arbeitszeiten oder Homeoffice betrifft. Sie fordern etwa „faire und allgemeine Regelungen zu Wochenend- oder Feiertagsarbeit“. Und „dass auf intensive Zeiten auch mal ruhige folgen, nicht nur weniger intensive“. Andere sprechen von einer „sehr ungleichen Verteilung von Arbeit in den Teams“ und mahnen: „Bei besonders schwarzen Schafen müsste Druck aus dem Partner-Plenum kommen“. Das zeigt, dass die Kanzlei im Verhältnis von Partnern und Associates noch an einigen Schrauben drehen muss. Denn während in der azur-Umfrage das gute Verhältnis der Associates untereinander gelobt wird, gibt es nur sehr mäßige Noten für Personalführung und Kritik an „nicht ausreichend transparenter Kommunikation interner Entscheidungen“.

Frauen an die Macht? Die von Vätern oder Müttern genommene Elternzeit rechnet Hengeler inzwischen mit drei Monaten auf den Partnertrack an, die Integration nach der Elternzeit unterstützt sie durch Homeoffice-Angebote. Das reicht den Associates noch nicht – die Vereinbarkeit von Karriere und Familie beurteilen sie in der azur-Umfrage deutlich unterdurchschnittlich. Immerhin zeigt sich Hengeler an anderer Stelle sehr wandlungsfähig. Nachdem sie lange als angestaubte Männerdomäne galt, ernannte sie in den letzten drei Jahren insgesamt fünf Frauen zu Partnerinnen und steigerte damit ihren Frauenanteil auf Partnerebene auf rund zehn Prozent – das ist immerhin Marktdurchschnitt.

Bewertung und azur-Urteil
Blick hinter die Kulissen
Die Kanzlei auf einen Blick
Vergütung

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