© JUVE GmbH Köln
24.01.2018

Großbritannien: Kanzleien offenbaren Gehaltsunterschiede zwischen Männern und Frauen

Seit 2017 müssen alle britischen Unternehmen mit mindestens 250 Angestellten Angaben zu Gehaltsunterschieden zwischen Mann und Frau (Gender Pay Gap) veröffentlichen. Das betrifft auch einige Großkanzleien. Herbert Smith Freehills veröffentlicht als eine der ersten Kanzleien ihre Daten. Diese zeigen: Frauen verdienen dort durchschnittlich 19 Prozent weniger pro Arbeitsstunde.

Neben Herbert Smith haben auch schon CMS Cameron McKenna Nabarro Olswang und Shoosmiths ihre Daten zum Gender Pay Gap offengelegt. Mit ähnlichen Ergebnissen: Bei CMS liegt der durchschnittliche Gehaltsunterschied zwischen Frauen und Männern bei 17,3 Prozent, bei Shoosmiths beträgt die Lücke 15,4 Prozent. Damit liegen die Kanzleien in der Nähe des allgemeinen britischen Gender Pay Gap, der im vergangenen Jahr bei 18 Prozent lag. Im Rechtsbereich liegt der Gender Pay Gap sogar bei 24 Prozent.

Bahnsteig

Die Pflicht zur Erhebung und Offenlegung der Zahlen geht auf ein Gesetz zurück, das die Transparenz am Arbeitsplatz durchsetzen soll. Bis zum 5. April haben die Unternehmen Zeit, ihre Daten zu veröffentlichen. Die Veröffentlichung muss unter anderem auf den Webseiten der Unternehmen erfolgen.

Geringe Aussagekraft?

Die allgemeine Aussagekraft der Kanzlei-Zahlen zum Gehaltsunterschied ist dann aber geringer, als sie auf den ersten Blick erscheint. So wird nicht unterschieden, in welcher Position und für welche Arbeit das Geld gezahlt wird. In den Vergleich fließen etwa die Sekretariate ein, wo überwiegend Frauen tätig sind, die weniger verdienen als ein Anwalt derselben Kanzlei.

In ihrem Gender-Pay-Gap-Report schreibt Herbert Smith etwa, man sei zuversichtlich, dass Frauen und Männer für gleichwertige Arbeit und Tätigkeiten auch gleich bezahlt werden. Das Lohngefälle bestehe hauptsächlich wegen der unterschiedlichen Rollen, die Männer und Frauen innerhalb der Kanzlei einnehmen.

Zwar gibt es in Deutschland keine Pflicht, die Gehaltsunterschiede im Detail auf der Webseite zu veröffentlichen. Über das Entgelttransparenzgesetz besteht aber seit Januar 2018 die Möglichkeit zu erfahren, was die Kollegen verdienen, wenn das Unternehmen mehr als 200 Mitarbeiter hat. Ein weiteres Instrument des Entgelttransparenzgesetzes ist der Gleichstellungsbericht, in dem Unternehmen ab 500 Mitarbeitern darlegen müssen, wie sie Entgeltgleichheit fördern. Mit der Berichtspflicht in Großbritannien sei das deutsche Gesetz jedoch nicht vergleichbar, meinen Arbeitsrechtler.

Deutscher Pay Gap

Auch zwischen den Gehältern deutscher Anwältinnen und Anwälte klafft eine Lücke. Laut azur-Associateumfrage werden Frauen in den ersten Associatejahren nach wie vor deutlich schlechter bezahlt als Männer. 2016 lag der Durchschnittsverdienst weiblicher Berufseinsteiger in Kanzleien bei rund 87.000 Euro. Männer verdienten im ersten Jahr dagegen durchschnittlich 91.000 Euro, gut fünf Prozent mehr.

Im zweiten und dritten Berufsjahr wird der Gender Pay Gap laut azur-Umfrage dann noch größer: 2016 verdienen Männer in diesem Dienstalter rund 12 Prozent mehr als Frauen. Die Gehaltslücke hängt dabei stark von der jeweiligen Kanzleiart ab. Bei kleinen Kanzleien ist der Gehaltsunterschied besonders groß.

Im Hinblick darauf, dass fast alle großen Wirtschaftskanzleien klare Einstiegsgehälter für Associates in den ersten Berufsjahren veröffentlichen, bleibt die künftige Entwicklung des Gender Pay Gaps hier besonders spannend. Zumindest in den ersten Berufsjahren dürfte es nicht so einfach sein, Gehaltsunterschiede bei Männern und Frauen zu machen. (Helena Hauser)