Magazin-Artikel
08.11.2017 | Autor/in: Laura Bartels

Qualität hat seinen Preis: Benedikt Wolfers im Porträt

AZ02/17

Ein Beitrag aus azur 2/2017.

Finanzkrise, Energiewende, Dieselskandal: Jedes Mal wurde die deutsche Wirtschaft durchgerüttelt. Und ein Name taucht immer wieder auf: Benedikt Wolfers. Der Partner von Freshfields Bruckhaus Deringer hat wie kaum ein anderer Öffentlichrechtler das Bild der staatlichen Regulierung mitgeprägt.

Von Laura Bartels

Dr. Benedikt Wolfers ist teuer. So teuer, dass sein Honorar zuweilen Streit entfacht. So geschehen zwischen der CDU-Fraktion im Rat der Stadt Düsseldorf und deren Oberbürgermeister. Die Fraktion war der Ansicht, die Stadt habe Wolfers im legendären Düsseldorfer Sparkassen-Streit zu viel für seine Beratungsleistung gezahlt. Darüber kann der Partner der internationalen Großkanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer nur schmunzeln. „Top-Beratung hat halt ihren Preis“, sagt er. Und den zahlen seine Mandanten.

Wolfers_Benedikt

Benedikt Wolfers

Kein Wunder, gehört Wolfers doch zu den Top-Öffentlichrechtlern des Landes. Finanzkrise, Energiewende, Dieselskandal: Bei allen Ereignissen, die der staatlichen Regulierung in den vergangenen Jahren einen kräftigen Schub verliehen, war der 52-Jährige beteiligt. Große Aufmerksamkeit erfuhr er erstmals, als er nach der Finanzkrise maßgeblich an der Sanierung des Bankensektors mitwirkte und im Auftrag des Bundes hinter den Kulissen am Finanzmarktstabilisierungsgesetz mitschrieb. Im Zusammenhang mit dem Atomausstieg vertrat Wolfers unter anderem RWE in den Verfassungsbeschwerden und verhandelte für alle vier betroffenen Energiekonzerne mit der Bundesregierung über eine vertragliche Regelung der Atommüllkosten. Als im September 2015 der Anruf eines großen Automobilkonzerns kam, fuhr Wolfers über die A2 nach Wolfsburg und legte sich zunächst mal unter einen Volkswagen, um den Sachverhalt um die manipulierte Abgas-Software auch von der technischen Seite zu verstehen, bevor er sich den juristischen Aspekten widmete.

Politisch heikel, juristisch anspruchsvoll

„Komplexe Regulierungsfälle, die politisch und wirtschaftlich spannend sind, haben mich schon immer interessiert“, sagt er. Dass er sich ihrer mal als Anwalt annimmt, war allerdings nicht von vornherein klar. Im Gegenteil: Zu Schulzeiten schreckte ihn das Praktikum in einer Familienrechtskanzlei eher ab. Um seinem Interesse an Politik und Staat auf den Grund gehen zu können, studierte Wolfers zunächst Geschichte, Politik und Philosophie in Freiburg und befasste sich mit Themen wie dem Preußischen Verfassungskonflikt. Als sich einer seiner Professoren den Hinweis erlaubte, sofern er nicht nur wissen wolle, wie es war, sondern wie es heute ist, empfehle er ein Jurastudium, schrieb sich Wolfers zusätzlich noch für Rechtswissenschaften ein.

Nach Abschluss des Doppelstudiums zog es ihn mit seiner Frau nach Berlin. „Wir spürten den Geist der Wiedervereinigung. Deutschland stand damals vor einem Neuanfang. Da wollten wir nah dran sein“, sagt er. Um die Wiedervereingung drehte sich auch seine Promotion an der Humboldt-Universität in Berlin. Seine Aversion gegen Anwaltskanzleien legte er während des Referendariats ab und begann seine Laufbahn 1996 schließlich in der Freshfields-Vorgängerkanzlei Bruckhaus Westrick Stegemann. 2001 wurde er schließlich Partner – mit gerade einmal 36 Jahren.

Auszeit genutzt

Viel Zeit für Hobbies, Frau und Kinder bleibt oft nicht. Doch für seine große Leidenschaft, den Gesang, versucht Wolfers sich auch im stressigen Großkanzleialltag immer wieder Zeit zu nehmen. Und auch Freshfields selbst achtet darauf, dass ihre Partner mal eine Verschnaufpause einlegen – ein sogenanntes Sabbatjahr, das zugegebenermaßen selten die Zwölf-Monats-Marke erreicht, die Anwälte aber immerhin mehrere Wochen am Stück vom Schreibtisch fernhält. Wolfers hat diese Auszeit genutzt, um in sein Geburtsland Tansania zu reisen. Dort wurde er im Winter 1964 geboren, während sein Vater ein Krankenhaus für einen Benediktinerorden aufbaute. Womit sich auch Wolfers Vorname von selbst erklärt.

Weniger selbsterklärend ist sein beruflicher Erfolg. Seine hohe fachliche Qualifikation resultierend aus Doppelstudium, Promotion, Oxford-Aufenthalt und den obligatorischen Top-Noten sind keine Selbstverständlichkeit in der Juristerei, in führenden Wirtschaftskanzleien aber auch nicht ungewöhnlich.

Zeichen der Zeit erkannt

Doch Wolfers Erfolg hat noch einen anderen Grund: Er hat die zunehmende Bedeutung des Öffentlichen Rechts im wirtschaftlichen Gesamtkontext sehr früh erkannt und seine Beratung dementsprechend ausgerichtet. Bankenkrise, Energiewende und Dieselskandal haben dazu geführt, dass die staatliche Regulierung deutlich verstärkt wurde. „Wer diesen Trend nicht sieht, verpasst die erforderliche Modernisierung im Öffentlichen Wirtschaftsrecht“, sagt er.

Denn längst reichen für solche Mandate wie eben die Dieselaffäre reine Regulierungsteams nicht mehr aus. „Entscheidend ist, seine Beratung so aufzusetzen, dass man stets team- und anschlussfähig bleibt und dementsprechend erfahren ist, mit anderen Praxisgruppen zusammenzuarbeiten“, sagt er. Diesen Anschluss haben nicht alle Partner bei Freshfields gefunden. Einige Anwälte, Partner wie Associates, haben die Kanzlei verlassen und in anderen Einheiten und Strukturen weitergemacht. Das eigene Beratungsgeschäft ließ sich nicht mehr mit den Ansprüchen der Sozietät in Einklang bringen. Auch die steigenden Profitabilitätsanforderungen dürften eine Rolle gespielt haben. Für Wolfers gab es keinen Anlass zu wechseln. Wohl auch, weil er für seine Top-Beratung eben einen Top-Stundensatz verlangen kann. <<<