Magazin-Artikel
10.11.2017 | Autor/in: Anika Verfürth
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Ob du wirklich richtig stehst: Juristenkarriere und politische Einstellung

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Klinger gehört zwar auch keiner Partei an. Zu verstehen, wie Politik funktioniert, hält er jedoch für wichtig. „Gewisse politische Grundkoordinaten sollte man schon haben, allein um zu verstehen, warum Politik wann und wie agiert. In vielen Rechtsgebieten ist dies unerlässlich, in anderen, wie dem Erbrecht, eher weniger“, sagt Klinger. „In meiner täglichen Arbeit sehe ich eine starke politische Komponente“, ergänzt er und erklärt dies am Beispiel der Tageszeitung: Seite eins schreibt über den Abgasskandal, Seite zwei über den Eierskandal und Seite drei an diesem Tag über die Textilindustrie und die verletzten Menschenrechte: „Wenn man in solche Verfahren involviert ist, ist es essenziell zu wissen, wie die politischen Zusammenhänge funktionieren.“

Überzeugung zählt …

Es steht also weniger eine konkrete politische Position im Vordergrund. Vielmehr geht es bei der Arbeit von Juristen neben dem politischen Grundwissen häufiger um die innere Überzeugung. Steht man auf der richtigen Seite? Kann man diese vollwertig vertreten? Typisch für eine Seitenzuweisung ist allerdings das Arbeitsrecht, in dem die meisten Anwälte auf Arbeitgeber- oder Arbeitnehmerseite positioniert sind.

Klinger_Remo

Täglich in der Zeitung: Remo Klinger, Kanzlei Geulen & Klinger, sieht in seiner Arbeit eine klare politische Komponente.

Auch im Umweltrecht ist es möglich, aber nicht zwingend, Stellung zu beziehen. Wenn diese innere Überzeugung nicht vorhanden ist, liegt es nahe, dass es vor allem in Prozessen schwierig wird, sich erfolgreich durchzusetzen. „Wenn Sie Prozessvertreter von E.on in den Atomausstiegs­verfahren sind, werden Sie es schwerer haben, leidenschaftlich für Ihren Mandanten zu kämpfen, wenn Sie sich früher in Gorleben an die Gleise gekettet haben“, sagt auch Klinger. „Ebenso für ausgeschlossen halte ich es, dass Sie als AfD-Mitglied ein großartiger Asylrechtsanwalt oder Europarechtler werden“, ergänzt er. Zum Grundverständnis anwaltlicher Tätigkeit gehöre, dass die Begeisterung dem Mandat gelte, nicht dem Mandanten, aus welcher politischen Richtung er auch komme.

… Unabhängigkeit auch

Politisches Grundverständnis. Innere Überzeugung. Die richtige Seite wählen. Das alles aber ohne die konkrete Zugehörigkeit zu einer politischen Partei. Kann es sogar schädlich sein, wenn sich ein Jurist gezielt und öffentlich parteipoltisch engagiert? „In den meisten Fällen steht der politische Hintergrund eines Juristen dem Zugang zu bestimmten Mandaten nicht entgegen, Qualifikation und Ausstrahlung sind entscheidender“, sagt Klinger. „Problematisch wird es jedoch, wenn ein Anwalt öffentlich in einer Partei tätig ist.“

Dass zwischen der Politik, der Gesetzesentwicklung und den Anwälten oft enge Verbindungen bestehen, ist keine Neuigkeit. Gerade Juristen, die als Spezialisten gelten, werden häufig im Rahmen von Gesetzgebungsverfahren als Sachverständiger berufen und spielen so im politischen Umfeld eine nicht unwesentliche Rolle. Auch Gaßner trat schon als Sachverständiger im Bundestag auf und war Mitglied der Kommission zur Überprüfung der Finanzierung des Kernenergieausstiegs, wo zuletzt die Bundesregierung mit den Energieversorgern einen Atomfonds in Höhe von 24 Milliarden Euro besiegelte. „In der Regel geht bei der Berufung zum Sachverständigen in Ausschüsse des Bundestages für Außenstehende nicht einmal hervor, welche Partei mich konkret benannt hat“, sagt Gaßner. Auch Klinger betont in seiner Rolle als Sachverständiger die parteipolitische Unabhängigkeit: „Wenn ich berufen werde, gebe ich meine juristische Einschätzung so ab, wie ich sie für richtig halte.“

Das Ideal vor Augen

Es liegt in der Natur der Sache, dass bei Juristen eine bestimmte Denkweise mit der Arbeit einhergehen muss. Doch das ist keine neue Entwicklung. „Dass sich diese idealistische Grundhaltung unter jungen Juristen in den letzten 30 Jahren verstärkt hat, kann ich nicht erkennen, sie ist aber auch nicht geringer geworden“, berichtet Klinger auch aus seiner Erfahrung als Honorarprofessor an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung in Eberswalde. Natürlich gäbe es immer mal wieder Trendthemen, die den Nachwuchs vermehrt ansprächen. „Aktuell interessieren sich angehende Juristen zum Beispiel sehr für Menschenrechte“, erzählt er.

Dass die Beratung im Umfeld von effektiven Energiekonzepten nicht nur ein Trendthema ist, sondern auch in Zukunft noch zahlreiche Anschlussgebiete, etwa im Bereich von Elektromobilität, bietet, davon sind auch die Anwälte von vBVH überzeugt. Das Solarzellenmodul erzeugt übrigens etwa 150 KW/h und lässt sich an die Steckdose anschließen. Das ist gar kein schlechter Anfang, sagt Herz: „An sonnigen Tagen würde es fast reichen, den gesamten Strombedarf unserer Kanzlei zu decken.“ <<<

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