Magazin-Artikel
10.11.2017 | Autor/in: Anika Verfürth
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Ob du wirklich richtig stehst: Juristenkarriere und politische Einstellung

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Für diese Kanzleiausrichtung hat sich Linus Viezens ganz konkret entschieden. Der 36-Jährige ist seit 2011 Associate bei GGSC. Schon während des Studiums interessierte er sich besonders für Öffentliches Recht. Als Anwalt wollte er sich für das Gemeinwohl einsetzen. Aber auch Umweltschutz sollte nicht fehlen. Bei seinem jetzigen Arbeitgeber bewarb er sich initiativ. „Das Spektrum an Kanzleien mit dieser Ausrichtung, die gleichzeitig auch eine gewisse Größe und Struktur aufweisen, war nicht groß“, sagt Viezens. Bei GGSC fand er die richtige Mischung mit der Vertretung von Kommunen und einem Fokus auf Abfallwirtschaftsrecht: „Ich habe oft das Gefühl, auf der richtigen Seite zu arbeiten“, sagt er.

Gaßner Groth Siederer & Coll.

Ökologisch und kommunal: Hartmut Gaßner (li.) und Linus Viezens von Gaßner Groth Siederer & Coll verstehen ihre Arbeit nicht parteipolitisch.

Dass sich Mandanten und Rechtsberater mit den gleichen Vorstellungen zusammenfinden, überrascht genauso wenig wie die Tatsache, dass junge Juristen ihren Arbeitgeber genau danach auswählen. „Unser Ruf ist durch unsere Tätigkeiten ökologisch geprägt und das ist es, was Bewerber wie auch Mandanten zu uns führt“, sagt Gaßner. „Diese gewisse Grundorientierung unserer Anwälte ist wichtig, allerdings nicht aus politischen Gründen, sondern vielmehr damit die Zusammenarbeit funktioniert.“ Dies vorher zu klären, ist im Interesse beider Seiten. So fragen manche Kanzleien ihre Bewerber, ob sie ein Problem damit hätten, einen Atomkraftwerksbetreiber zu vertreten. Eine legitime Frage. Dass sich die Neigungen von Bewerbern mit der Ausrichtung der Kanzlei decken sollten, bestätigt auch Herz von vBVH. „Ein Bewerber, der kein Interesse an der Energiewende hat, wird bei uns keinen Spaß an der Arbeit haben“, sagt er.

Gleich und gleich gesellt sich gern …

Auch bei Mandanten gilt die Regel ‚gleich und gleich gesellt sich gern‘. So wendet sich an GGSC vor allem die öffentliche Hand. „Insbesondere in der Abfallwirtschaft ist unser Profil stark konturiert und wir bekommen keine Mandatsanfragen von privaten Unternehmen“, sagt Viezens. Ein konkretes Mandat ablehnen, weil es nicht mit der Ausrichtung der Kanzlei zusammen passt, müssen sie daher in der Regel gar nicht erst. Allerdings sagt Gaßner auch: „Insbesondere im Baubereich kann es schon mal vorkommen, dass beispielsweise ein Investoreninteresse explizit etwa gegen bestimmte Umweltbestimmungen verstößt. An dieser Stelle würden wir durchaus diskutieren, ob wir ein solches Mandat annehmen wollen.“

Anders setzt sich bei vBVH die Mandatsstruktur zusammen. Ihre Mandanten stammen zwar thematisch aus dem Bereich der erneuerbaren Energien, kommen aber nicht nur von einer Seite.Wichtig sei vielmehr das konkrete Projekt, um das sich das Mandat dreht, wobei Herz betont: „Es gibt für uns bei Mandanten kein Freund-Feind-Schema.“

Parteipolitisch abstinent

Sich auf Mandate einer bestimmten Thematik zu konzentrieren, kennt auch Prof. Dr. Remo Klinger. Der 47-jährige Anwalt der kleinen Berliner Kanzlei Geulen & Klinger, die sich auf Verfahren des Öffentlichen Rechts im Umweltrecht wie auch im Öffentlichen Bau- und Planungsrecht fokussiert, steht mit seinen Mandaten häufig in der Öffentlichkeit. Wie etwa an der Seite der Deutschen Umwelthilfe (DUH) in den Verfahren um die Luftreinhaltepläne, die zuletzt mit den Fahrverboten für Dieselautos Schlagzeilen machten. Er vertritt in der Regel die öffentliche Hand, vor allem Behörden, aber auch Verbände und vereinzelt Unternehmen. Bei seiner anwaltlichen Tätigkeit spielt ein konkreter parteipolitischer Hintergrund keine Rolle. Dass er, wie offenbar die meisten seiner Anwaltskollegen, nicht aktiv in einer konkreten Partei auftritt, fällt ins Auge. Insbesondere weil gerade sie häufig auf höchst politischen Mandaten arbeiten.

„Meine Mandanten mögen sich vielleicht einer bestimmten politischen Richtung zuordnen lassen. Ich selbst gehe dabei aber keine Bindung ein“, betont Klinger. „Ich bin vom Herbst 1989 politisch sozialisiert. Der Grundgedanke der Rechtsstaatlichkeit ist daher für mich der entscheidende Kompass. Wenn ich den Eindruck habe, einem Unternehmen wird Unrecht getan, dann schließe ich eine Mandatierung nicht deshalb aus, weil es nicht die öffentliche Hand ist“, ergänzt er. Das zeigt sich unter anderem in den Verfahren um die Luftreinhaltepläne, in denen Klinger die DUH, also einen Verband, vertritt: Diese Verfahren zielen auf den Umweltschutz und das Gemeinwohl ab und nicht auf das konkrete Wettern gegen die Automobilindustrie. Auch wenn die jüngsten Dieselfahrverbote letztendlich Ergebnisse davon waren.

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