Magazin-Artikel
08.11.2017 | Autor/in: Konstanze Richter

Jenseits von Oxbridge: Zum LL.M.-Studium nach Großbritannien

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Auch wenn hier das letzte Wort noch nicht gesprochen ist, gingen die Zahlen der Bewerber aus dem EU-Ausland seit dem Brexit-Votum im Juni 2016 britischen Presseberichten zufolge um sieben Prozent zurück. Hinzu kommt die Sorge wegen des von Premierministerin Theresa May im Sommer 2017 angekündigten verschärften Zuwanderungsgesetzes, das die Freizügigkeit auch für ausländische Studenten begrenzen soll. Dagegen laufen die Universitäten allerdings Sturm. Schließlich spülen die internationalen Hochschüler knapp ein Drittel der Studiengebühren in ihre Kassen.

Finanzieller Kraftakt

Auch ohne Brexit ist der LL.M. ein finanzieller Kraftakt. Zu den genannten Studiengebühren kommen noch die Lebenshaltungskosten, und die sind in England auch nicht von Pappe. Viele ­Juristen sparen gezielt für das Auslandsjahr, wie DLA-Associate Feldhaus und IP-Rechtlerin Wagner, oder jobben in England neben dem Master-Studium, wie Dahlgaard, die Deutschunterricht gab.

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Chance genutzt: Kurz vor ihrem Einstieg bei ­Harmsen Utescher nutzte Kristina Wagner die ­Gelegenheit zu einem Auslandsaufenthalt.

Andere bewerben sich um Stipendien. Hier sollte man sich möglichst frühzeitig informieren. Dabei rät die GvW-Anwältin, sich nicht nur auf bekannte Anbieter wie den DAAD oder Stiftungen zu konzentrieren: „Es lohnt sich, an der deutschen Uni, an der man eingeschrieben ist, nachzufragen. Auch englische Hochschulen bieten Stipendien für ausländische Studenten.“ Neben Voll- gibt es Teilstipendien und Einmalzahlungen. So können sich junge Juristen etwa bei einigen Kanzleien um einen Zuschuss zu Sach- und Reisekosten bewerben.

Zeit nehmen für den Bewerbungsprozess

Ob mit Stipendium oder ohne, LL.M.-Anwärter müssen sich in jedem Fall auf einen aufwendigen und langwierigen Bewerbungsprozess einstellen. „Am besten, man fängt ein Jahr vor dem geplanten Aufenthalt an, sich zu kümmern“, rät Dahlgaard. Die meisten Jurastudenten wollen nach dem Ersten Staatsexamen ins Ausland. „So stecken sie während der Bewerbung mitten in der Prüfungsphase. Parallel dazu die zahlreichen Unterlagen fertigzustellen und sich auf die Vorstellungsgespräche für ein Stipendium vorzubereiten, ist dann zusätzlicher Stress.“

Finanzierung und Unterkunft sollte vor der Abreise in trockenen Tüchern sein. Alles andere können Studenten laut Dahlgaard am besten vor Ort erledigen. „Die wenigsten werden erst einen Tag vor Kursbeginn anreisen. Es lohnt sich auf jeden Fall, an den Orientierungsprogrammen der Universitäten teilzunehmen.“ Die Zeit könne zudem für Behördengänge genutzt werden, etwa die Einrichtung eines Kontos oder die Regelung der Krankenversicherung sowie die Beantragung einer Sozialversicherungs­nummer für diejenigen, die neben dem Studium jobben wollen.

Der LL.M. zahlt sich aus

So eignen sich die jungen Juristen im Ausland nicht nur die geforderten Sprachkenntnisse an und knüpfen internationale Kontakte, sondern lernen nebenher, sich in einer fremden Umgebung zurechtzufinden. „Ich würde jedem Studenten raten, so ein Auslandsjahr einzulegen – egal ob im Rahmen von Erasmus oder dem LL.M.“, sagt Immobilienrechtler Feldhaus. Zwar bieten vielen Kanzleien ihren Anwälten über Secondments die Möglichkeit, ein paar Monate ins Ausland zu gehen. Doch für viele Juristen wird es mit dem Einstieg ins Berufsleben immer schwieriger, diese Erfahrung nachzuholen.

Welche Hochschule sie dafür wählen, ist eher nebensächlich. „Ob jemand in Oxford oder Liverpool studiert hat, spielt eine eher untergeordnete Rolle“, sagt GvW-Recruiting Partner Niestedt. Die Qualifikation zahlt sich ihm zufolge für die Berufseinsteiger in jedem Fall aus – auch finanziell: „Wie eine Promotion wird auch der LL.M. bei der Vergütung berücksichtigt.“ <<<

 

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