Magazin-Artikel
08.11.2017 | Autor/in: Laura Bartels

Der Vernetzte: Jacob von Andreae im Porträt

AZ02/17

Ein Beitrag aus azur 2/2017.

Jacob von Andreae liebt die Herausforderung. Das Öffentliche Recht hält reichlich davon bereit. Ständig neue Gesetze werfen bei seinen Mandanten regelmäßig neue Fragen auf. Weil es dabei längst nicht immer um Regulierung geht, ist eine enge Zusammenarbeit mit Kollegen anderer Praxisgruppen das Gebot der Stunde.

Von Laura Bartels

Dr. Jacob von Andreae blickt gern über den Tellerrand hinaus. Keine schlechte Eigenschaft für einen Großkanzlei-Partner im Öffentlichen Recht in Tagen wie diesen. Mit rein regulatorischer Kompetenz kommt man in den großen Einheiten nicht mehr besonders weit. Wie gut, dass er sich schon früh in seiner Karriere mit Bereichen rechts und links des klassischen Öffentlichen Rechts auseinandergesetzt hat. Denn heute ist er in der deutschen Großkanzlei Gleiss Lutz einer der zentralen Partner, die daran mitwirken, dem Öffentlichen Recht innerhalb der Gesamtsozietät einen höheren Stellenwert einzuräumen

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Jacob von Andreae

Die Arbeit in der öffentlich-rechtlichen Praxis von Gleiss war viele Jahre geprägt durch rein ­öffentlich-rechtliche Beratungsmandate und Gerichtsverfahren. Die jüngere Partnergeneration, zu der auch der 41-Jährige gehört, sucht dagegen vermehrt den Schulterschluss mit anderen Praxisgruppen. „Das öffentliche Recht ist sehr dynamisch, befindet sich in einem ständigen Wandel. Deshalb ist es wichtig, sich auch als Öffentlichrechtler neuen Themen zu öffnen, die es erst ermöglichen, die aktuellen Beratungstrends abbilden zu können“, sagt von Andreae.

Einmal England und zurück

Er selbst hat früh damit begonnen, sich neu zu orientieren. Mit 15 verließ er sein Elternhaus in Aachen, um in Winchester, im Süden Englands, die Schule abzuschließen. Es gefiel ihm so gut, dass er sich mit 17 entschloss, zunächst dort Jura zu studieren. „Das Verhältnis von Wirtschaft und Staat und die Frage, wie ein Gemeinwesen funktioniert, haben mich schon damals sehr fasziniert“ erinnert er sich. So sehr, dass er gleich noch ein deutsches Jurastudium an der Universität Mannheim hinterherschickte. Nach Dissertation und Zweitem Staatsexamen folgte der erste Job in einer Großkanzlei in Düsseldorf. Dort bearbeitete von Andreae klassische Themen wie Bauplanungs- und Umweltrecht.

Doch schon zu Beginn seiner Laufbahn spürte er, dass es sich lohnt, auch jenseits davon Kompetenzen zu ent­wickeln. Diesen Weg ist er bei Gleiss weitergegangen, wo er seit 2010 arbeitet. Anfang 2016 wurde er Partner und steht heute vor allem für die Beratung an der Schnittstelle zum Energie-, Kartell- und Außenwirtschaftsrecht. Ausgezahlt hat sich außerdem die Auseinandersetzung mit regulatorischer Compliance, ein Bereich, der nicht erst seit dem Dieselskandal immer mehr an Bedeutung gewinnt.

Substanzielle Rolle

Doch natürlich kämpft auch von Andreae mit dem Vorurteil, sein Fachgebiet sei in erster Linie dazu da, andere – im Zweifel wichtigere, weil profitablere Praxisgruppen – zu unterstützen. Das sieht er natürlich anders. Häufig spiele das Öffentliche Recht eine substanzielle Rolle. Was aber nicht unbedingt offensichtlich sei. „Die Compliance-Beratung umfasst natürlich auch wichtige öffentlich-rechtliche Themen, wie etwa Produktregulierung, Exportkontrolle und Umwelt“, sagt er. Zudem spiele das Öffentliche Recht in vielen M&A-Transaktionen eine wichtige Rolle. „Beispielsweise bekommen viele Unternehmen öffentliche Fördermittel. Soll dann ein solches gefördertes Unternehmen verkauft werden, können sich komplexe, zum Beispiel förder- und beihilferechtliche Fragen stellen“, erklärt er.

Hinzu komme, dass die Rundum-Beratung, die Gleiss anbiete, keine Einbahnstraße sei. „Ich empfinde die Arbeit in einer Einheit wie Gleiss als Luxus. Denn auch ich habe in meinen öffentlich-rechtlichen Mandaten die Möglichkeiten Spezialisten aus anderen Bereichen hinzuzuziehen“, sagt er. Und genau darum geht es: vorhandene Kompetenzen zu bündeln und dem Mandanten zur Verfügung zu stellen, ohne dass er auf weitere externe Berater zurückgreifen muss. „Natürlich ist es dabei auch unser Anspruch als Öffentlichrechtler, die Mandate, in denen es auch wesentlich auf regulatorische Aspekte ankommt, aktiv mitzugestalten“, sagt er. Deshalb sei es so wichtig, das Denken in den klassischen Rechtsgebietskategorien beiseitezulegen.

Regulierung als Chance

Die steigende Regulierungsdichte spielt den ­Öffentlichrechtlern, gerade den jungen, in die Hände und bietet die große Chance, ihre Kompetenzen innerhalb einer Kanzlei entsprechend auszuspielen. Gerade die große Dynamik in regulatorischen Themen ist es, die den Beruf des Öffentlichrechtlers in seinen Augen so interessant macht. „Manche Gesetze werden gefühlt alle zwei Jahre neu geschrieben. Das bedeutet immer auch neue rechtliche Rahmenbedingungen für die Mandanten. Und darin liegt der Reiz und die Herausforderung für Juristen“, sagt von Andreae.

Auch ihn packt der Reiz des Neuen immer wieder – nicht nur beruflich. Die nächste Herausforderung muss aber wahrscheinlich noch etwas warten. Denn für das Vorhaben, Segeln zu lernen, braucht es ein wenig Zeit. Vielleicht wenn seine drei Töchter im richtigen Alter sind. Dann könnten sie es gemeinsam lernen. Denn der Teamgedanke ist ein Grund, warum von Andreae diesen Sport so mag. „Mir gefällt dieses Gefühl von Freiheit, das man auf dem Wasser hat. Außerdem muss man sich immer wieder auf neue Situationen und Herausforderungen einlassen“, sagt er. Wer hätte gedacht, dass Öffentliches Recht und Segeln so viel gemeinsam haben. <<<