Magazin-Artikel
27.10.2017 | Autor/in: Norbert Parzinger

Großwildjäger: Das Geschäft boomt für Private-Equity-Anwälte in München

AZ02/17

Der Titelbeitrag aus azur 2/2017.

Die Private-Equity-Branche gilt vielen als ­abgehoben und versnobt. Doch im Münchner Markt fühlen sich auch ganz normale Menschen wohl. Der Andrang der Kanzleien ist groß, denn das Geschäft boomt.

Von Norbert Parzinger

Batman, Spiderman, Superman – bei der Tagung im Bayrischen Hof am noblen Münchner Promenadeplatz vor fast 20 Jahren gaben sich die Superhelden noch die Klinke in die Hand. Perfekte Identifikationsfiguren für den Private-Equity-Investor, der damals mit den muskelbepackten Figuren seine Präsentation bebildert hatte, schließlich konnte er selbst vor imaginärer Kraft kaum laufen. „Um die Jahrtausendwende herum war dieses Selbstbild ganz normal“, erinnert sich ein Anwalt, der seinerzeit gerade anfing, Private-Equity-Deals zu begleiten. „Damals sahen sich viele Investoren als ‚Masters of the Universe‘.“

Die Zeiten haben sich geändert. Zwei Wirtschaftskrisen später ist es mit der Selbstherrlichkeit weitestgehend vorbei. „Das Umfeld ist ex­trem professionell und auf Ergebnisse fokussiert“, sagt Burc Hesse (47), Private-Equity-Spezialist im Münchner Büro der US-Kanzlei Latham & Watkins. „Übergroße Egos stören da eher. Denn wenn einzelne Kollegen nicht reibungslos zusammenarbeiten, beeinträchtigt das nicht nur die Stimmung – es hält den Deal auf.“ Im Rampenlicht steht die Private-Equity-, kurz: PE-Branche heute trotzdem. 2017 ging die größte PE-Transaktion in Deutschland seit Langem über die Bühne: die Übernahme des Pharmakonzerns Stada durch die Beteiligungsgesellschaften Bain und Cinven für 5,4 Milliarden Euro – so viel wie die beiden größten Deals des Vorjahres zusammen.

Das Umfeld lockt Investoren

Bei den meisten PE-Transaktionen geht es um deutlich kleinere Summen. Doch gerade im sogenannten Small- und Mid-Cap-Bereich unter 500 Millionen Euro Dealvolumen nimmt die Zahl der Transaktionen in Deutschland seit Jahren zu. Gerade in diesem Segment gibt es hierzulande noch etliche Firmen, deren Übernahme, Umbau und Weiterverkauf für Finanzinvestoren lukrativ sein kann: meist Mittelständler aus wachstumsträchtigen Branchen, mit unterschätzten Produkten, mit organisatorischem Verschlankungspotenzial oder allem zusammen (> So funktioniert ein Private-Equity-Deal). Zudem lockt ein stabiles politisches und wirtschaftliches Umfeld, in dem man für die fünf bis sieben Jahre, die ein PE-Investment üblicherweise dauert, gut kalkulieren kann – anders als derzeit etwa in der klassischen PE-Domäne Großbritannien.

So funktioniert ein Private-Equity-Deal

Private-Equity-Gesellschaften investieren das in ihren Fonds angelegte Geld meist, indem sie sich an dem nicht an öffentlichen Börsen gehandelten (‚Private‘) Eigenkapital (‚Equity‘) von ­Unternehmen beteiligen (‚Buy-out‘).

Ziel ist es, die Beteiligung nach mehreren Jahren mit möglichst hohem Profit weiterzuverkaufen. Dafür greifen die PE-Investoren in die Strukturen und das operative Geschäft ihrer Portfoliounternehmen (‚Target‘) ein und versuchen, deren Umsatz und Gewinn zu steigern.

Bei einer Akquisition bezahlt ein PE-Haus nur einen geringen Teil des Kaufpreises aus eigenen Mitteln. Der Großteil wird von Kreditgebern finanziert (‚Leverage‘). Kreditnehmer ist ein Akquisitions­vehikel (‚Bidco‘), das einer ­Holdinggesellschaft (‚Topco‘) gehört, die wiederum den neuen Eigentümern des Investitionsobjekts gehört. Neben dem PE-Fonds steigt oft auch das Management des betroffenen Unternehmens (‚Management Buy-out‘) mit ein. Nach der Akquisition wird das gekaufte Unternehmen üblicherweise mit dem Vehikel verschmolzen und übernimmt dessen Schulden.

Das Schimpfwort ‚Heuschrecke‘, das mit dem Vorwurf einhergeht, PE-Gesellschaften würden eine Firma nach der anderen ausschlachten und vor Ort nur Schulden und Arbeitslosigkeit hinterlassen, ist längst Vergangenheit. Zwar geht nach wie vor nicht jedes Investment gut. Unternehmen wie der Produzent von Sicherheitstechnik Bartec oder der Outdoorausrüster Jack Wolfskin sind nach diversen Eigentümerwechseln und Restrukturierungsrunden nur noch Schatten ihrer selbst, weil sich Finanzinvestoren und Kreditgeber verkalkuliert hatten. Doch wesentlich mehr Beispiele gibt es derzeit für Unternehmen, die mit Finanzinvestoren im Rücken wachsen und gedeihen.

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