Magazin-Artikel
27.10.2017 | Autor/in: Helena Hauser

Der Durchbrecher: Sebastian Olk im Porträt

AZ02/17

Ein Beitrag aus azur 2/2017.

Nur keine Langeweile aufkommen lassen. Denn Langeweile bedeutet Stillstand. Und der kommt bei Sebastian Olk nicht infrage. Auf seiner Jagd nach hochkarätigen Mandanten macht er den Münchner Markt zu seiner Spielwiese und reißt auch schon mal Wände ein.

Von Helena Hauser

Der Flur ist dunkel und endet an einer schweren Brandschutztür. Vor Kurzem klaffte hier offenbar noch ein Loch in der Wand. Die neu eingebaute Tür wirkt provisorisch. Der Putz um die Türränder bröckelt und lässt erahnen, wie frisch der Durchbruch in die anliegenden Räume ist. Als Dr. Sebastian Olk (39) vom neuen Büroteil berichtet, den seine Kanzlei Gütt Olk Feldhaus in dem angrenzenden Haus beziehen will, strahlt er wie ein Junge, der von seinem neuen Fahrrad erzählt. „Ich bin stolz auf unsere Erweiterung um eine eigene Konferenzetage und unseren Durchbruch in das Nachbargebäude. Es ist zwar ein großes Investitionsprojekt, aber wir wollten schon seit Längerem expandieren.“

Etwas wagen und Hindernisse überwinden, um zu erobern, was dahinter liegt – für Olk ist das nicht das erste Mal. Um dafür nicht mit dem Kopf durch die Wand zu müssen, reißt er diese schon mal ein. Sein Durchbruch Richtung Private- Equity-Geschäft liegt schon etwas zurück: 2011 gründete er zusammen mit Dr. Heiner Feldhaus und Dr. Tilmann Gütt die auf Gesellschaftsrecht und M&A spezialisierte Kanzlei.

Gründung unter strenger Geheimhaltung

Die drei kennen sich aus ihrer Zeit bei Freshfields Bruckhaus ­Deringer. „Vor unserer Gründung haben wir uns jeden Sonntagvormittag in einer kleinen Schwabinger Kneipe getroffen. Das war alles fast verschwörerisch und fand unter strenger Geheimhaltung statt“, erinnert sich Olk und muss schmunzeln. „Wir wollten die jungen Wilden sein, das war eine aufregende Zeit.“

Vor knapp zehn Jahren tummelten sich auf dem Münchner Anwaltsmarkt zwar viele Großkanzleien, aber kaum solche, die auf das mittlere Marktsegment spezialisiert waren. Die drei ­Gründer sahen eine Lücke für sich. Ihre Idee war es, ­Mandanten die gleiche Qualität zu günstigeren Konditionen anzubieten. Daneben gab es für Olk noch eine weitere bedeutende Motivation für die Selbstständigkeit: „Mir waren die unternehmerische Freiheit und die Abwechslung wichtig. Ich bin nun mal unternehmerisch geprägt“, sagt er.

Nur keine Langeweile

Olk_Sebastian

Sebastian Olk von Gütt Olk Feldhaus.

Die Abwechslung, und vielleicht auch ein bisschen die Angst vor Langeweile, haben sein Interesse für Private Equity und M&A geweckt. „Während meines Studiums habe ich mit dem Gedanken gespielt, später in einem Unternehmen zu arbeiten, weil mich die wirtschaftlichen Zusammenhänge interessierten. Während meiner Praktika habe ich aber schnell festgestellt, dass die Tätigkeit als Anwalt für mich persönlich noch reizvoller ist“, erinnert sich Olk. „Im M&A-Geschäft lernt man immer wieder neue Unternehmen kennen. Man ist nah an der Wirtschaft und in Kontakt mit sehr interessanten und beeindruckenden Personen.“

Auf der Beraterliste steht die Kanzlei bei zahlreichen Konzernen wie Siemens und ZF Friedrichshafen. Zuletzt beschäftigte Gütt Olk Feldhaus ein großer Happen: Für den Münchner Finanzinvestor Perusa kaufte sie die Steakhauskette Maredo. Solche Deals findet Olk spannend. Auch, weil jeder Maredo kennt. Für so einen Erfolg nimmt er gerne in Kauf, auch mal bis in die Nacht zu arbeiten.

Dass im M&A-Geschäft Qualität alleine nicht ausreicht, sondern auch Kontakte und Persönlichkeit eine große Rolle spielen, um erfolgreich zu sein, wird im Gespräch mit Olk deutlich. „Eine gute Vernetzung ist wichtig. Viele Mandanten kommen aufgrund von Empfehlungen zu uns oder haben uns auf der Gegenseite kennengelernt“, erklärt er. Sein Erfolg gehe jedoch nicht alleine auf sein Netzwerk zurück, vielmehr sei es das Zusammenspiel von Qualität, Vernetzung und dem eigenen Auftreten. „Die Mandanten merken, dass wir jung und hungrig sind. Wir wollen die Mandate, wir gehen zusammen jagen und geben alles. Unser Einsatz gefällt ihnen.“

Mandanten um den Finger wickeln

Olk hat den Ruf, mit seiner charmanten, selbstbewussten und manchmal lauten Art, Mandanten auch mal um den Finger zu wickeln. „Ich bin der, der vielleicht etwas advokatorischer und unternehmerischer ist als andere. Zu meinem Job gehört es auch, abends mit Mandanten essen zu gehen. Man muss als guter Anwalt mehr sein, als nur ein guter Jurist.“ Wenn sich ein Mandant für einen Anwalt oder eine Kanzlei entscheide, dann sei das Sache des Mandanten, so Olk. „Und wenn wir das dann sind – umso besser.“

Olk beherrscht aber auch die leisen Töne. Vor allem, wenn er von sich als Teil des Teams spricht. „Wir arbeiten immer zu zweit auf einem Mandat. Dadurch wird die Qualität der Arbeit besser, und man kann sich austauschen. Für eine Ego-Tour ist kein Platz.“ Der Alltag bestehe nicht nur aus Abendessen mit Mandanten, sondern sei oft harte Arbeit – auch wenn die Partner auf die Work-Life-Balance achten. Dauerhaft wenig zu arbeiten, sei im Private-Equity-Geschäft allerdings nicht denkbar. „Da es aber für die eigene Kanzlei und den eigenen Erfolg ist, macht man das gerne.“ Die Befürchtung, dass es ihm langweilig werden könnte, hat er nicht mehr. „Die Abwechslung ist geblieben – unser Spin-off war definitiv der richtige Schritt. Und dass wir von Großkanzleien nicht mehr so viele Verweismandate bekommen, zeigt, dass wir Konkurrenz geworden sind. Was will man mehr?“ <<<