Magazin-Artikel
27.10.2017 | Autor/in: Markus Lembeck

Das Millionendorf: Münchner Kanzleien als Arbeitgeber für Juristen

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Aber es gab schon damals nicht nur die kleinen Einheiten. Als Platzhirsch unter den Top-Adressen – allein wegen der Größe – galt seinerzeit Noerr, die noch unter der Firmierung ‚Nörr Stiefenhofer Lutz‘ auftrat. Grund genug für Prof. Dr. Peter Bräutigam (52) sich dort 1994 als Referendar zu bewerben. „Ich wollte in München bleiben und zum Marktführer gehen. Da gab es keinen anderen“, sagt er. Damals war auch das Geschäft von Noerr noch stark durch mittelständische Unternehmen geprägt, gleichzeitig durch die Beratung von Adelsfamilien oder einzelnen besonders vermögenden Mandanten.

Mandantschaft hat sich gewandelt

Bräutigam_Peter

Peter Bräutigam von Noerr

Das hat sich gewandelt: Zwar findet sich heute diese Klientel noch immer bei Noerr an der Brienner Straße ein, der Fokus hat sich aber stark erweitert. Bräutigam, Partner und auf IT-Recht spezialisiert: „Die wesentlichen Mandanten sind heute internationale und Dax-Konzerne sowie großer Mittelstand, im IT-Recht vor allem auch Technologieunternehmen. Die sind zwar zum Teil hier beheimatet, aber unser Standort spielt dafür überhaupt keine Rolle mehr.“

Auch Stefan Groß, Partner bei Peters Schönberger & Partner (PSP), hat sich München mit Haut und Haaren verschrieben. Aufgewachsen in Garmisch-Partenkirchen, ging es für ihn zum Studium an die Ludwig-Maximilians-Universität. Anschließend landete der 49-Jährige zunächst bei Haarmann Hemmelrath, einer damals sehr angesehenen Einheit, die später in mehreren anderen Kanzleien aufging. Vor allem Kanzleigründer Prof. Dr. Wilhelm Haarmann war spätestens einer breiten Öffentlichkeit bekannt geworden, als er an der Seite von Vodafone bei der Übernahme von Mannesmann stand.

Attraktiv für Amerikaner

Doch Groß, der sich auf Steuerberatung und Wirtschaftsprüfung gleichermaßen fokussieren wollte, ging dann zu PSP – vis-à-vis der Universität. Nächstes Jahr ist er 20 Jahre dort und hat gelernt, wie sich Kanzleien heute klar positionieren müssen, um ihre Wettbewerbsfähigkeit im Markt zu bewahren.

PSP ist von damals 50 Mitarbeitern auf inzwischen 120 gewachsen. „Wir waren früher viel stärker Generalisten“, erzählt er. Als Allrounder ist die MDP-Kanzlei mit integrierter Rechts- und Steuerberatung sowie Wirtschaftsprüfung immer noch unterwegs, hat sich aber viel stärker auf einzelne Spezialgebiete konzentriert, wie etwa Immobilienrecht, Umsatzsteuerrecht und den Bereich Family Office.

 Kanzleien mussten sich auch deswegen bewusst ihren Platz im Markt suchen, weil sich München innerhalb der vergangenen 20 Jahre deutlich ­internationalisierte. „Die Stadt hat sich Frankfurt im positiven Sinn immer mehr angenähert“, beschreibt Dr. Philipp Süss (50), Partner bei Reed Smith, die Entwicklung. Die US-Kanzlei ­eröffnete – wie Gibson Dunn & Crutcher – ihr erstes deutsches Büro in München und nicht etwa in Frankfurt.

Neue, internationale Player

Allein zwischen 2001 und 2002 zog es eine Reihe internationaler Kanzleien an die Isar, darunter so bekannte Namen wie ­Ashurst, Jones Day, McDermott Will & Emery, Norton Rose Fulbright und Shearman & ­Sterling. Von den damals 20 größten Kanzleien fehlten lediglich Hengeler Mueller und White & Case. Hengeler zog 2006 nach, genauso wie Latham & Watkins, DLA Piper und Skadden Arps Slate Meagher & Flom.

Der Zuzug der internationalen Player dauert bis heute an: Erst im vergangenen Jahr eröffnete Dentons mit einem Team von Norton Rose Fulbright in München. Nach zwei Jahren Abwesenheit in Deutschland kehrte 2016 auch Sidley Austin zurück und rekrutierte dafür vor allem Anwälte von US-Wettbewerber Kirkland & Ellis. K&L Gates kam mit einem Team von King & Wood, Smith Gambrell & Russel mit Partnern von SSP Schiessl.

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