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29.08.2017 | Autor/in: Markus Lembeck
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Strafrecht im Transitionsprozess: Fritz-Bauer-Preis für Frankfurter Rechtswissenschaftlerin

Dr. Franceline Delgado Ariza, Rechtswissenschaftlerin an der Frankfurter Goethe-Universität, ist für ihre Dissertation mit dem ‚Fritz Bauer Studienpreis für Menschenrechte und juristische Zeitgeschichte‘ geehrt worden. Ariza hat sich darin mit der Rolle des Strafrechts im Transitionsprozess ihrer Heimat Kolumbien befasst.

Der Frankfurter Fachbereich Rechtswissenschaft hatte die von Prof. Dr. Cornelius Prittwitz betreute Dissertation mit der Note summa cum laude bewertet. „Die Arbeit stellt eine bemerkenswerte Darstellung und Analyse der komplexen Friedensbemühungen Kolumbiens dar, die sowohl den zeitgeschichtlichen Kontext als auch die schwierige Rolle des Strafrechts in diesem Transitionsprozess umfasst“, so Prittwitz.

„Die Rolle des Strafrechts in Übergangsprozessen ohne Übergang. Überlegung anhand des Falles Kolumbien“ lautet der Titel der Dissertation, für die Franceline Delgado Ariza jetzt von Bundesjustizminister Heiko Maas als eine von drei Nachwuchsjuristen ausgezeichnet wurde. Ihre Arbeit schlägt eine Brücke von Fritz Bauers Anstrengungen, die nationalsozialistischen Verbrechen zu ahnden, zum aktuellen Friedensprozess in Kolumbien und die dortigen Versuche, das vergangene Unrecht rechtlich zu bewältigen.

Der Fritz-Bauer-Studienpreis wurde in diesem Jahr zum zweiten Mal verliehen und ist mit einem Preisgeld in Höhe von 5.000 Euro dotiert. Neben Delgado Arizas Dissertation über Kolumbien wurden die Arbeiten von Dr. Katharina Krämer und Dr. Christoph Thiele prämiert. Krämer von der Universität Jena erhielt die Ehrung für ihre Doktorarbeit mit dem Titel „Individuelle und kollektive Zurechnung im Strafrecht“. Sie geht der Frage nach, wie Straftaten, die im arbeitsteiligen Zusammenwirken begangen werden, geahndet werden können. Thiele, der an der Universität Greifswald promoviert hat, wurde für seine Doktorarbeit über „Ehe- und Familienschutz im Strafvollzug“ ausgezeichnet.

Fritz Bauer, einstiger Generalstaatsanwalt von Hessen, ist vor allem als Initiator des Auschwitz-Prozesses von 1963 bis 1965 in Frankfurt bekannt. Bauer war Kind jüdischer Eltern, wurde 1933 aus dem Richteramt vertrieben und überlebte in der Emigration. 1949 kehrte er nach Deutschland zurück, ab 1956 setzte er sich als Generalstaatsanwalt gegen große Widerstände in der Nachkriegsjustiz für die Strafverfolgung der NS-Täter ein. Bewerbungen für die nächste Preisvergabe 2019 können bis Ende 2018 beim Bundesjustizministerium eingereicht werden. (Markus Lembeck)

http://www.bmjv.de/DE/Themen/ProjekteUndFoerderung/FritzBauer/FritzBauer_node.html