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01.06.2017 | Autor/in: Martin Ströder

Wissenschaftliche Mitarbeiter in Kanzleien: Von Anfang an im Bild

AZ01/17

Ein Beitrag aus azur 1/2017.

Als wissenschaftliche Mitarbeiter lernen junge Juristen Kanzleien auf vielfältige Weise kennen. Nicht nur, dass der Job einen Blick hinter die Kulissen interessanter Arbeitgeber erlaubt. Man kann auch gutes Geld verdienen – und vor allem richtig viel lernen.

von Martin Ströder

Kanzleien suchen händeringend Nachwuchsjuristen – und liefern sich schlagzeilenträchtige Bieterschlachten um die besten Berufseinsteiger. Doch ein Blick in die Stellenanzeigen offenbart, dass auch jüngere Juristen bereits begehrt sind. Vor allem große Kanzleien bauen inzwischen ganze Mannschaften von wissenschaftlichen Mitarbeitern auf. Beispiel Linklaters: Hier gehen jährlich rund 80 wissenschaftliche Mitarbeiter in die anwaltliche Grundausbildung. Und Grundausbildung ist durchaus wörtlich zu verstehen. Denn über die aktive Mitarbeit in einer Praxisgruppe findet und wächst der NachWuchs unmittelbar in die Rolle des Wirtschaftsanwalts hinein.

Aber nicht nur die Großen der Branche beschäftigen sie, auch in mittelständischen Kanzleien wie Esche Schümann Commichau in Hamburg arbeiten wissenschaftliche Mitarbeiter in vielen Praxisgruppen mit. Wer sich hier bewährt und gute Noten mitbringt, darf sich fast sicher sein, dass er danach ein Angebot zur Festanstellung bekommt.

Kühn_Philipp

Profitiert von der Flexibilität: Philipp Kühn, wissenschaftlicher Mitarbeiter bei Esche Schümann Commichau, kann seine Arbeitszeit einteilen.

Das zeigt auch die aktuelle azur-Associateumfrage: Knapp 16 Prozent der Teilnehmer haben ihre Kanzlei im Rahmen eines Referendariats kennengelernt. Rund 6 Prozent der Befragten haben sich allein durch die wissenschaftliche Tätigkeit für eine weitergehende Beschäftigung qualifiziert, während rund 5 Prozent ihre wissenschaftliche Tätigkeit gleich mit einem Referendariat bei ihrem heutigen Arbeitgeber kombiniert haben. Bereits als Student die Kanzleikarriere zu starten, ist also nicht die gängigste, aber auch nicht die abwegigste Variante.

Philip Kühn (31) etwa sammelte unmittelbar im Anschluss an sein erstes Staatsexamen als wissenschaftlicher Mitarbeiter Kanzleierfahrung bei Osborne Clarke in der Hamburger Datenschutz-Praxis. Er wollte damit die Zeit bis zum Beginn des Referendariats sinnvoll nutzen.

Keine Großkanzleien in Münster

Auch für Felicitas Kapp (26) war der Einstieg als wissenschaftliche Mitarbeiterin von Beginn an eine Option. Sie studierte in Münster und wollte unbedingt die juristische Arbeit in der Großkanzlei kennenlernen. Davon gibt es im Münsterland allerdings keine, so dass sie einen Bewerbertag nutzte, um einen Fuß in die Welt der Großkanzleien zu bekommen: Linklaters überzeugte sie davon, sich initiativ auf eine Stelle als wissenschaftliche Mitarbeiterin zu bewerben.

Jetzt arbeitet sie in der Frankfurter M&A-Praxis an unterschiedlichen Deal-Projekten, also am Zusammenschluss von ganzen Unternehmen oder Unternehmensteilen, mit. „Direkt mittendrin”, resümiert sie ihre ersten Monate im neuen Berufsleben, in deren Verlauf sie bereits an diversen Transaktionen mitwirken und hierzu Dokumente erstellen durfte – auch auf Englisch.

Fortsetzung

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