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01.06.2017 | Autor/in: Stephan Mittelhäuser

Karriereperspektiven: (K)eine Frage des Standorts

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Keine Partnerernennung – kein Standing

Der Standort kann auch die Karrierechancen junger Anwälte beeinflussen: Denn ob und wo Partner ernannt werden, hängt zum einen von der langfristigen Planung der Kanzlei ab, zum anderen von der Stärke der Praxisgruppe am Standort, so die Einschätzung eines Associates, der namentlich nicht genannt werden will. Die Partner vor Ort müssten stark genug sein, um den Nachwuchs zu fördern. „Wenn in einem Zeitraum von mehreren Jahren nur ein oder zwei Partner ernannt werden, lässt sich absehen, dass der Standort innerhalb der Kanzlei über kein besonderes Standing verfügt”, meint er. Wer Karriere machen, sprich Partner werden will, sollte sich besser anderweitig umschauen.

Angesprochen auf die Flexibilität der Kanzleien, auf Standortwünsche einzugehen, sagt er: „Generell gilt: Je größer die Kanzlei, desto flexibler ist sie.” Umgedreht haben es Associates mit einer breiten Aufstellung leichter, den Standort zu wechseln als stark spezialisierte. Jemand, der im Gesellschaftsrecht beheimatet ist, wechselt leichter als beispielsweise ein Patentrechtler.

Privates Umfeld muss stimmen

Wo Associates arbeiten wollen, hängt aber nicht nur von Karrierechancen oder fachlichen Schwerpunkten ab: Auch weiche Faktoren wie der Ort des Referendariats, der Wohnort des Partners oder der Familie spielen eine wichtige Rolle. Sprich: Das private Umfeld muss stimmen. Das bestätigt auch der ungenannte Associate: Nachdem seine ehemalige Kanzlei das Büro schloss, in dem er tätig war, entschied er sich zum Arbeitgeber- und nicht zum Standortwechsel. Denn wenn er bei seiner ehemaligen Sozietät geblieben wäre, hätte er pendeln müssen – wenn auch eine vergleichsweise kurze Strecke. Doch das war für ihn keine Option, genauso wenig wie ein Umzug. „Dafür hänge ich, wie viele Kollegen auch, zu sehr an meiner Heimatstadt”, räumt er ein.

Eine Kanzlei, die genau auf diese Bedürfnisse im Frühjahr 2017 reagierte, ist McDermott Will & Emery. Obwohl sie bereits ein Büro in Düsseldorf unterhält, verkündete sie die Eröffnung eines Kölner Büros zum Juli. Damit will die US-Kanzlei ausdrücklich Anwälte ansprechen, die ihren Lebensmittelpunkt in der Region Köln-Bonn haben und nicht gewillt sind, den täglichen Stau oder das Pendeln mit öffentlichen Verkehrsmitteln auf sich zu nehmen. Eine Maßnahme, mit der sie sich deutlich vom Markt abhebt. <<

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