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01.06.2017 | Autor/in: Stephan Mittelhäuser

Karriereperspektiven: (K)eine Frage des Standorts

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Doch nicht nur in Frankfurt, auch deutschlandweit profitieren Bewerber von der aktuellen Marktsituation: In den vergangenen Jahren erreichten im Durchschnitt rund 1.600 Juraabsolventen pro Jahr im zweiten Examen ein Prädikat. Zugleich boten laut einer azur-Erhebung die Kanzleien jährlich rund 2.000 offene Stellen an. Infolge des verschärften Wettbewerbs um den Nachwuchs stiegen die Einstiegsgehälter seit vergangenem Sommer deutlich an. Inzwischen können hochqualifizierte Associates im ersten Berufsjahr 120.000 Euro und mehr verdienen.

Überregionale Suche

Für Latham & Watkins sind bei der Suche nach geeigneten Bewerbern regionale Aspekte zweitrangig. Die Kanzlei, die in Deutschland Standorte in Frankfurt, Hamburg, München und Düsseldorf hat, hält überregional nach Nachwuchsjuristen Ausschau. „Wir suchen die besten nationalen und internationalen Talente, nicht die besten regionalen“, unterstreicht Recruiting-Partner Dr. Marcus Funke (46). Karrierechancen seien klar an die individuelle Performance geknüpft – und nicht an einen Standort. Grundsätzlich müsse die Bewerbung aber zu den vorhandenen Teamstrukturen und Rechtsgebieten vor Ort passen. „Dies stellt in der Regel jedoch kein Problem dar. Die deutschen Büros arbeiten standortübergreifend zusammen und bilden eine Einheit”, betont Funke.

Nach der Ausbildung in den ersten beiden Berufsjahren und mit der entsprechenden Partnerbetreuung vor Ort ist es aus Sicht von Latham meist unerheblich, an welchem Standort die Associates arbeiten. Sich – zumindest zeitlich befristet – flexibel zu zeigen, hat dabei auch für die Kanzlei Vorteil, erläutert Funke: „Mit einem vorübergehenden Standortwechsel bauen sich die jungen Kollegen berufliche und persönliche Netzwerke auf, die ihnen bei ihrer weiteren Karriere langfristig von Nutzen sind.“

„Deutschland als einheitlicher Markt“

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Karriere ist an die Performance geknüpft: Für Marcus Funke von Latham & Watkins spielt der Standort keine große Rolle.

Für K&L Gates steht bei der Nachwuchsrekrutierung ebenfalls nicht der regionale Aspekt, sondern der Fachbereich im Vordergrund. „Generell suchen wir Neueinsteiger für alle Standorte. Bei der Rekrutierung sehen wir Deutschland als einen Markt“, erläutert Dr. Rüdiger von Hülst (47), Partner bei K&L Gates. Die Sozietät hat drei deutsche Büros, in Berlin, Frankfurt und München. Das jüngste in der bayrischen Landeshauptstadt hat sie erst im Juli 2016 eröffnet, es zählt aktuell acht Berufsträger, deutschlandweit kommt die Kanzlei auf 75.

Derzeit arbeitet die Kanzlei an einem Rotationsprogramm für Associates, das sich allerdings intern noch in der Abstimmungsphase befindet. Bis das Programm anläuft, ist die Ausbildung eng an die jeweilige Praxisgruppe gebunden. Doch während der Bereich Gesellschaftsrecht an allen drei Kanzleistandorten zu finden ist, sind andere Praxisgruppen nicht überall vor Ort. „Wir wollen nicht an jedem Standort alle Rechtsgebiete anbieten. Das macht aus unserer Sicht wirtschaftlich keinen Sinn“, so von Hülst. Trotzdem sei man in der Lage, auf Wünsche oder Vorstellungen der Associates im Hinblick auf den Einsatzort einzugehen. „Aus privaten Gründen lässt sich ein Ortswechsel durchaus darstellen“, betont von Hülst.

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