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01.06.2017 | Autor/in: Stephan Mittelhäuser

Karriereperspektiven: (K)eine Frage des Standorts

AZ01/17

Ein Beitrag aus azur 1/2017.

Viele Bewerber wissen genau, in welcher Stadt sie ihre Karriere starten wollen. Die Kanzleien reagieren darauf theoretisch flexibel, praktisch hängen Karriereperspektiven aber fast immer davon ab, wo die starken Partner arbeiten.

von Stephan Mittelhäuser

Berlin bleibt sexy. Prognosen des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) zufolge wird die Hauptstadt allein in den kommenden 20 Jahren 500.000 neue Bürger hinzugewinnen – darunter auch zahlreiche Nachwuchsjuristen. Junge Anwälte für Berlin zu begeistern, ist ein Kinderspiel. Das berichten Personalverantwortliche von Kanzleien schon lange. Aber auch in anderen Großstädten wird es eng: Frankfurt und München sollen laut IW ebenfalls weiter wachsen.

Während die Anziehungskraft bestimmter Städte auf junge Juristen wirkt, steht bei den Kanzleien die Frage des Standorts für ihre Rekrutierungspolitik nicht unbedingt an erster Stelle. „Unsere Einstellungspraxis hat weniger mit den Standorten, als vielmehr häufig mit Personen zu tun. Die entscheidende Frage bei der Auswahl lautet regelmäßig: Welche Partner haben Bedarf, und wo lohnt es sich, das Geschäft auf- oder auszubauen?”, erläutert Marian Niestedt, personalverantwortlicher Partner bei Graf von Westphalen.

Wo die erfolgreichen Partner sind

Entscheidend sei die Partner- und Teambindung, ergänzt er, sowie die Anknüpfung an die Praxisgruppe. Das habe letztlich auch viel mit dem Geschäftserfolg der Sozietät zu tun. Denn häufig bilden sich die Teams genau dort, wo die besonders erfolgreichen Partner beheimatet sind.

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Bindung zur Praxisgruppe entscheidet: Marian Niestedt von Graf von Westphalen plädiert für eine starke Partner- und Teambindung.

Doch danach richten sich die Bewerber nicht unbedingt. Bei ihnen beobachtet Niestedt eine eher gering ausgeprägte Mobilität, Initiativbewerbungen sind häufig an eine Stadt gebunden. Angesichts der Tatsache, dass die Generation Y bei den Arbeitszeiten Wert auf Flexibilität legt, mag dies überraschen. „Dies hat natürlich immer etwas mit der individuellen Lebensplanung der Bewerber zu tun”, so Niestedt.

Flexibilität in Maßen

Dabei ist die Wahl eines Standorts keine Entscheidung auf Lebenszeit. Wenn junge Juristen erste Berufserfahrung gesammelt haben, zeigen viele Kanzleien eine gewisse Flexibilität: „Wenn ein Associate beispielsweise zwei Tage in Düsseldorf und drei Tage in Frankfurt arbeiten will, ist es keinesfalls ausgeschlossen, darauf einzugehen, und kann im Einzelfall aus Sicht der Sozietät sogar sinnvoll sein”, erläutert Niestedt die Sicht bei Graf von Westphalen. Ein vorläufiger oder zeitlich befristeter Ortswechsel sei eigentlich immer umsetzbar. Für einen dauerhaften Wechsel sei es jedoch – auch im Hinblick auf den Karriereweg eines Associates – unabdingbar, dass in dem entsprechenden Rechtsgebiet ausreichend Geschäft vorhanden ist.

Nach Niestedts Einschätzung sind Hamburg, Berlin, Düsseldorf, Köln, Frankfurt und München besonders populär bei Bewerbern. Kein Wunder, in den Metropolen findet sich eine große Bandbreite an Rechtsgebieten, in denen Kanzleien beraten – für viele junge Juristen ein entscheidender Faktor, wenn sie sich für einen Arbeitgeber entscheiden. Aber nicht nur das: „Einige Städte punkten bei den Bewerbern mit ihrer hohen Lebensqualität. Hamburg oder München beispielsweise können ihre Stärken im Kulturleben durchaus ausspielen.”

Standort Frankfurt

Frankfurt hat es da deutlich schwerer. Dabei verfolgt Graf von Westphalen gerade hier ambitionierte Rekrutierungsziele: „Über den Ersatzbedarf hinaus wollen wir mindestens sechs neue Stellen mit jungen Associates besetzen. Vor allem für den Standort Frankfurt sind wir auf der Suche”, erläutert Niestedt. Mit diesem Vorhaben steht die Sozietät nicht alleine da. Für die Mainmetropole suchen nahezu alle dort vertretenen Kanzleien gute Nachwuchsjuristen – ein Zustand, der Bewerbern in die Karten spielt.

Fortsetzung

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