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01.06.2017 | Autor/in: Norbert Parzinger
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JUVE Insider: Mutiger Vorstoß

AZ01/17

Ein Beitrag aus azur 1/2017.

Ein Kommentar von Norbert Parzinger

Endlich traut sich jemand – die 35-Stunden-Woche für Anwälte wird Realität. Bisher mussten Juristen, die geregelte Arbeitszeiten wollten, in den öffentlichen Dienst gehen oder eine ruhige, kleine Rechtsabteilung finden. In Wirtschaftskanzleien aber ist der Elf-Stunden-Tag die Regel, wie die azur-Associateumfrage zeigt.

Den etalbierten Teilzeitmöglichkeiten haftet meist das Image der Notlösung an: kein voller Einsatz, keine realen Karrierechancen – und oft genug nicht mal echte Entlastung, denn wenn spätabends der Mandant anruft, kann das auch ein Teilzeit-Associate nicht einfach ignorieren. Feste Arbeitszeiten? Undenkbar, unbezahlbar, tödlich für die Kanzleikultur, hieß es immer.

Das könnte sich bald ändern. Ausgerechnet die transaktionslastigen Kanzleien Linklaters und McDermott Will & Emery haben alternative Karrieremodelle eingeführt, Baker & McKenzie bietet eine solche Option schon länger. Die Associates können sich für eine 35- bis 40-Stunden-Woche mit pünktlichem Feierabend entscheiden, bei kräftig reduziertem Gehalt. Der Aufstieg in die Partnerschaft ist dabei teils gar nicht mehr vorgesehen.

Eine klare Alternative

Trotzdem beteuern die Kanzleien, dass diese Anwälte absolut gleichwertige Kollegen sein sollen. Das ist die eigentliche Neuigkeit: ein klares Entweder-Oder. Bei dem einvernehmlichen Tausch wissen beide Seiten, woran sie sind, und niemand muss sich entschuldigen.

Natürlich ist nicht gesagt, dass sich die neuen Arbeitszeitmodelle problemlos umsetzen lassen. Manche Anwälte sehen schon die Arbeitsschutzbehörden aufmarschieren, die jetzt per Dreisatz ausrechnen könnten, wie viele Stunden ein Associate für 120.000 Euro bringen muss. Andere warnen vor einer Zweiklassengesellschaft: A-Associates auf Partnertrack, die erst recht keine Work-Life-Balance mehr erwarten dürfen, und B-Associates, die nach ein paar entspannten Jahren Dienst nach Vorschrift machen.

Diese Risiken sind durchaus real. Darum kommt es jetzt darauf an, ob die Kanzleien die neuen Modelle auch im hektischen Mandatsalltag durchsetzen. Wenn feste Arbeitszeiten bei einer Top-Adresse wie Linklaters funktionieren, werden mehr Kanzleien diese Option anbieten müssen. Wenn nicht, ist immerhin klar, wo die Grenzen der Work-Life-Balance in Kanzleien liegen.<<

Norbert Parzinger schreibt für die azur-Redaktion. Lesen Sie auch seinen Beitrag „Der 35-Stunden-Associate“ auf Seite 12.