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01.06.2017 | Autor/in: Martin Ströder

Honorarargestaltung für Anfänger: Der Preis ist heiß

AZ01/17

Ein Beitrag aus azur 1/2017.

Zu lernen, wie Anwälte abrechnen, ist noch längst nicht Teil einer jeden Associateausbildung. Allerdings verändert sich die Praxis gerade. Was Bewerber zum Thema Pricing wissen müssen.

Von Martin Ströder

Peter Huber ist seit Anfang 2017 Partner bei Hogan Lovells in München. Etwas weniger als sechs Jahre hat der 37-Jährige dafür gebraucht. Was es bedeutet, Rechnungen zu stellen, die Ökonomie einer Kanzlei zu verstehen, das hat er Stück für Stück in der M&A-Praxis gelernt. „In das Thema wächst man in der Großkanzlei hinein“, ist er überzeugt. Im Lauf der Karriere gewinne Pricing an Relevanz und werde professionell über Fortbildungen vermittelt.

Dr. Alexa Ningelgen hat ihre Karriere ebenfalls bei Hogan Lovells begonnen – als Öffentlichrechtlerin in Düsseldorf. Seit März ist die 35-Jährige Partnerin bei McDermott Will & Emery in Düsseldorf. „Pricing wird nach meiner Erfahrung bislang stärker durch Learning-by-doing vermittelt.“ In der öffentlich-rechtlichen Praxisgruppe, aus der sie komme, habe sie den Preisbildungsprozess aber von Beginn an beobachten können. „Wie gut dies im Einzelfall gelingen kann, hängt natürlich von der Größe der Teams und der Mandantenstruktur ab“, sagt sie.

Für Dr. Friedrich Blase, ehemals Anwalt und mittlerweile Kanzleiberater mit Sitz in Toronto, reicht diese Art der Ausbildung nicht mehr aus. „Die juristische Dienstleistung der Zukunft ist effizient, digital und gemanagt“, meint er. Weil Kanzleien überdenken müssten, wie und was sie abrechnen, bräuchten sie in Zukunft innovatives, in Sachen Preisbildung geschultes Personal. Pricing sei ein Zukunftsthema. „Wer sich als Bewerber bereits mit dem Thema gedanklich oder gar praktisch auseinandergesetzt hat, der verbessert seine Chancen auf dem Arbeitsmarkt deutlich.“

Arbeitszeit und Arbeitswert

Für gewöhnlich kommen Anwälte frühestens nach drei Berufsjahren mit dem Thema in Kontakt. Allerdings sind sie da noch weit von einem vollständigen Bild der herrschenden Abrechnungspraxis entfernt. Zumeist beschränken sich ihre Kenntnisse auf Begriffe wie Billable Hours und Stundensätze.

Billable Hours sind die im Rahmen der Arbeit für einen Mandaten nach Stundensatz abzurechnenden Stunden. Der Associate notiert die Billables, reicht sie seinem Partner weiter – und denkt am Anfang typischerweise, der Zeitaufwand werde genauso in Rechnung gestellt. Regelmäßig verhält sich die Sache allerdings so, dass die Billables weder identisch sind mit den Billed Hours, also den in Rechnung gestellten, noch mit den Collected Hours, also den vom Mandanten bezahlten Stunden.

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