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01.06.2017 | Autor/in: Konstanze Richter

Diversity in Kanzleien: Die Glücksfänger

AZ01/17

Ein Beitrag aus azur 1/2017.

Viel Geld, viel Arbeit, viel Renommee – aber Glück? Das verbinden die Wenigsten mit dem Beruf des Juristen. Doch das Recht auf Glückseligkeit steht nicht nur in der Verfassung der USA, sondern auch im Gründungsmanifest von Pusch Wahlig. Die Kanzlei tut einiges dafür, und erhielt so den azur-Award für Diversity.

von Konstanze Richter

„Wir wollen eine Kanzlei, in der jeder, der hier arbeitet, glücklich sein kann“, sagt Dr. Tobias Pusch (46), Gründer der Arbeitsrechtsboutique Pusch Wahlig. Er selbst war jahrelang bei einer Großkanzlei und machte sich 2006 mit einer eigenen Kanzlei in Berlin selbstständig. Heute arbeiten 24 Berufsträger an drei Standorten für die Sozietät, davon acht Partner. „Wer die Branche kennt, weiß: Juristen gehören zwar zu den am besten verdienenden Berufsgruppen – aber auch zu den unglücklichsten“, betont er. Die Gründe hierfür sind bekannt: hohe Arbeitsbelastung, starker Leistungsdruck, wenig Zeit für Familie und Privates. Wer Wirtschaftsanwalt werden will – so die weit verbreitete Meinung –, sollte sich besser nebenbei nichts anderes vornehmen. Pusch Wahlig will beweisen, dass es auch anders geht.

So bietet die Sozietät ihren Anwälten die Möglichkeit, Beruf und Familie besser miteinander zu verbinden. 7 von 14 Associates und 2 von 9 Partnern arbeiten in Teilzeit. Oder zumindest in einem Umfang, der unter Wirtschaftsanwälten als solche gilt. Eine Vollpartnerin etwa hat ihre Arbeitszeit um 15 Prozent reduziert. „Teilzeitanwälte arbeiten ja nicht wie in anderen Branchen nur halbtags oder an zwei, drei Tagen in der Woche. Im Wirtschaftsrecht liegt die reduzierte Arbeitszeit üblicherweise bei rund 80 Prozent“, räumt Pusch ein. „Aber genau diese 20 Prozent weniger bringen den Betroffenen die notwendige Flexibilität für private Verpflichtungen.“

Lange Arbeitstage trotz Flexibilität

Die reine Arbeitszeit bleibt damit aber immer noch knackig: Legt man die durchschnittlichen 54 Stunden pro Woche zugrunde, die Associates üblicherweise laut aktueller azur-Associateumfrage arbeiten, bedeutet das im Fall einer Reduzierung von 15 Prozent immer noch Arbeitstage von mehr als neun Stunden. Bei Partnern dürfte der Wert sogar noch deutlich höher ausfallen.

Doch daraus macht Pusch Wahlig auch keinen Hehl. Laut kanzleieigener Beschreibung sieht sie bei Teilzeitbeschäftigung immer noch eine „vollzeitnahe Ausgestaltung“ der Arbeit vor. Kern des Modells ist vielmehr eine bessere Planbarkeit der Arbeitszeiten. Diese soll es Mitarbeitern ermöglichen, das Büro garantiert pünktlich zu verlassen, beispielsweise um ihre Kinder zuverlässig von der Kita abzuholen.

Pusch Wahlig

Vorbild in der Kanzleiwelt: Mit kultureller Vielfalt, einem hohen Frauenanteil und verschiedenen Teilzeitmodellen versucht das Team von Pusch Wahlig, alternative Wege zu gehen. Im Bild (v.l.n.r.): Kara Preedy, Tobias Pusch, Holger Faust, Britta Alscher und Iva Martchev.

Managing Associate Anika Müller (34) beispielsweise nutzt die Regelung, um regelmäßig gemeinsam mit ihrer Familie zu Abend zu essen und ihr Kind ins Bett zu bringen. „Für meine Tochter ist es prima, dass ich fast immer nach Hause komme, bevor sie schlafen geht“, sagt sie. Keine Selbstverständlichkeit, denn bei wichtigen Mandaten können auch hier die Arbeitstage schon mal bis in die Nacht hinein dauern.

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