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07.06.2017 | Autor/in: Norbert Parzinger
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Compliance: Bayer schult 100.000 Mitarbeiter mit eigenem Videospiel

Compliance ist eine ernste Sache, aber am besten lernt der Mensch im Spiel. Bei Bayer verbindet man nun das Notwendige mit dem Angenehmen: Mitarbeiter erlernen Compliance-Regeln in einem eigens programmierten Videospiel.

Thomas Pfennig

Thomas Pfennig

Kommunikation ist die größte Herausforderung für Compliance-Verantwortliche. Denn es stellt sich immer wieder die Frage: Wie sollen sie ihre Botschaften an die Mitarbeiter bringen? Inzwischen bieten unzählige Dienstleiter E-Learning-Programme an. Allerdings sind diese, so heißt es, nicht immer gelungen und passen nur selten zur spezifischen Situation der Unternehmen.

Bei Bayer beschloss das Compliance-Team deshalb, selbst aktiv zu werden. „Wir haben den Anspruch, Compliance, Innovation und Emotion effektiv zu verknüpfen“, sagt Bayer-Compliance-Chef Thomas Pfennig. Die Lösung: ein Videospiel. „Es bietet didaktisch völlig neue Möglichkeiten und präsentiert Compliance bei Bayer in einem positiven, leicht zugänglichen Format.“ Unter der Federführung der beiden Compliance-Spezialistinnen Hélène Arnaud und Sandra Kurth ging es vor etwa einem Jahr ans Werk.

Bayer-Mitarbeiter aus 20 Ländern treten in Compliance-Videos auf

Nach einer Ausschreibung erhielt den Auftrag für die Videofrequenzen die Firma Fabula Film, die wiederum den Tüv Rheinland für die Entwicklung und Programmierung ins Boot holte. Statt Schauspielern spielen Bayer-Mitarbeiter aus 20 Ländern in den Videos mit. In aus der Ego-Perspektive gedrehten Sequenzen stellen sie typische Dilemmasituationen dar, der Spieler bekommt mehrere Lösungsmöglichkeiten angeboten.

Ein Beispiel: Frank erhält eine SMS mit vertraulichen Preisinformationen eines Wettbewerbers. Was tun? Sollte er diese spannenden Insiderinformationen den Kollegen im Marketing weiterleiten, einfach nichts tun oder doch eher mit einem Vorgesetzten sprechen, um zu klären, wie er reagieren soll?

Über zehn Level arbeitet sich der Mitarbeiter so durch die Verhaltensgrundsätze des Leverkusener Konzerns. Abgedeckt werden unter anderem Kartellrecht, Anti-Korruption, Außenhandel, Fairness am Arbeitsplatz und Datenschutz. Gespielt werden kann auf dem Rechner oder dem Smartphone, entweder allein oder in der Gruppe und in verschiedenen Sprachen.

100.000 Mitarbeiter sollen alle Levels meistern

Für die Organisatoren brachte das Projekt eher ungewöhnliche Aufgaben mit sich: Skripts mussten geschrieben, Sets gefunden und Mitarbeiter gecastet werden. Die Schauspieler sollten möglichst aus allen Sparten des Konzerns und aus unterschiedlichen Ländern kommen. Auch sollten sie letztlich einen Querschnitt der Bayer-Belegschaft abbilden, sei es hinsichtlich ethnischer Herkunft, Alter oder Geschlecht. Gedreht wurde schließlich an jeweils vier Tagen im vergangenen November und Januar. 

Schon während der Produktionsphase testete das Regieteam einzelne Sequenzen mit realen Mitarbeitern aus dem operativen Geschäft. Das Feedback war laut Pfennig positiv: „Alle waren überrascht, wie sich ein vermeintlich trockenes Thema so unterhaltsam vermitteln lässt.“ Einige Management-Teams durften sich inzwischen schon durch alle Levels arbeiten.

In diesen Tagen steht der weltweite Roll-out für 105.000 Mitarbeiter an, begleitet von einer Kommunikationskampagne und, so Pfennig, einem „hochemotionalen Making-of-Video“. (Astrid Jatzkowski)