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09.05.2017 | Autor/in: Norbert Parzinger
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Gehälterspirale: Immer mehr Bewerber setzen hohes Einstiegsgehalt einfach voraus

Die immer höheren Gehälter, die vor allem Kanzleien den Berufseinsteigern bieten, zeigen Wirkung: Der Anteil der Nachwuchsjuristen, die ein Anfangsgehalt von wenigstens 75.000 Euro erwarten, hat sich über die letzten Jahre fast verdoppelt. Das zeigt die azur-Bewerberumfrage, an der zuletzt 1.620 Studenten, Referendare, Assessoren und Doktoranden teilnahmen.

Von Jahr zu Jahr stimmen mehr Teilnehmer in der azur-Umfrage diesem Statement zu: „Bringt der Job weniger als 75.000 Euro im Jahr, fange ich gar nicht erst an“. 2010 bejahten knapp 17 Prozent der Teilnehmer diese Aussage, davon 3,3 Prozent sogar mit voller Überzeugung. Über 80 Prozent der Teilnehmer lehnten diesen Satz damals ab.

Inzwischen hat sich die Meinung der Nachwuchsjuristen deutlich verschoben. 2016 erwartete fast ein Drittel ein Startgehalt von mindestens 75.000 Euro. Über zehn Prozent der Teilnehmer stimmen der Aussage „voll und ganz“ zu. Immerhin knapp 20 Prozent erklären allerdings, definitiv kein Gehalt in dieser Größenordnung zu erwarten. Als entscheidenden Punkt bei der Arbeitgeberwahl benennen weit mehr Umfrageteilnehmer ein gutes Betriebsklima und ausreichend Freizeit.

Nachwuchsjuristen hohes Gehalt

Beim Gehalt haben die Bewerber ihre Erwartungen demnach Schritt für Schritt an eine Entwicklung angepasst, die vor allem die größeren Wirtschaftskanzleien losgetreten haben: das Wettbieten um die besten Absolventen. 2011 zahlte die Transaktionskanzlei Milbank Tweed Hadley & McCloy erstmals ein Einstiegsgehalt von 125.000 Euro. Zahlreiche, meist ähnlich fokussierte Wettbewerber zogen im Lauf der Jahre nach und boten ebenfalls Summen weit jenseits von 100.000 Euro. Zugleich entwickelte sich das Gehaltsniveau auch in den mittleren Marktregionen spürbar aufwärts.

120.000 Euro sind Standard im Top-Segment

Im Sommer 2016 setzte Hengeler Mueller mit bis zu 120.000 Euro einen neuen Standard für alle führenden Großkanzleien. Innerhalb weniger Monate schlossen sich die meisten engeren Wettbewerber an, darunter alle Magic Circle-Kanzleien, die deutschen Wettbewerber Gleiss Lutz und Noerr sowie die US-Kanzleien Latham & Watkins und White & Case, die nun alle maximal 120.000 Euro bieten. Milbank und einige kleinere Einheiten haben unterdessen schon wieder draufgelegt: Hier liegen die Spitzengebote bei bis zu 140.000 Euro. (Norbert Parzinger)

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