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27.03.2017 | Autor/in: Norbert Parzinger

Partner in Teilzeit: Kanzleien tun sich weiterhin schwer

Die deutschen Wirtschaftskanzleien haben in den vergangenen Jahren einiges getan, um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu verbessern – für Associates. Auf Partnerebene sieht das ganz anders aus: Da dümpelt der Anteil an Teilzeitpartnern nach wie vor im niedrigen einstelligen Bereich vor sich hin. In vielen Sozietäten geht die Angst um, Mandanten könnten sich von einem Teilzeitpartner womöglich nicht ausreichend umsorgt fühlen. 

Martina Hidalgo

Martina Hidalgo

Reduzierte Arbeitszeit – das hört sich besser an als Teilzeit. Andererseits klingt es auch besser als die Realität aussieht. In Wirklichkeit bleibt nämlich unter dem Strich von der Reduktion oft nicht mehr viel übrig. „Meine reinen Arbeitsstunden kann man keinem außerhalb der Kanzleiwelt als Teilzeit verkaufen“, sagt Martina Hidalgo, Equity-Partnerin bei CMS Hasche Sigle in München und Mutter von vier Kindern im Alter von sieben bis zwölf Jahren. „Als die Kinder noch klein waren, hatte ich meine Arbeitszeit auf 65 Prozent reduziert und bin zu Beginn zwei Tage in der Woche zu Hause geblieben.“ Heute arbeitet die Arbeitsrechtlerin circa 80 Prozent, bei Bedarf häufig auch mehr.

Der Begriff Teilzeit ist in der Anwaltswelt dehnbar. So bezeichnet der Pressesprecher einer Sozietät gar einen Arbeitsanteil von 90 Prozent noch als Teilzeit. Das gilt in anderen Berufen als vollzeitnahe Beschäftigung. Manch einer will über den konkreten Anteil der Reduzierung gar nicht erst reden. Einige Kanzleien möchten auf die Frage nach Vollpartnern in Teilzeit keine Namen nennen. Dahinter steckt die Angst, dass Mandanten das Vertrauen verlieren könnten, wenn sie erfahren, dass der Partner nicht rund um die Uhr zur Verfügung steht.

In absoluten Zahlen sind Gleiss und CMS Spitzenreiter bei Teilzeitpartnern

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Annette Feißel

Eine Reduktion der Arbeitszeit um 20 Prozent scheint für viele Vollpartner deshalb das höchste der Gefühle zu sein. Mehr sei nicht drin, wenn man gleichzeitig noch erfolgreich mit Mandanten arbeiten will, so die vorherrschende Meinung. „Keiner unter den Equity-Partnern in Teilzeit arbeitet 60 Prozent oder weniger. Bei den meisten beläuft sich der Anteil auf rund 80 Prozent“, sagt Annette Feißel, Equity-Partnerin bei Raue in Berlin.

Während die Kanzleien für ihre Associates bereits verschiedene Konzepte und Programme zur Teilzeit entwickelt haben, hapert es vielfach noch an der Akzeptanz, wenn ein Anwalt, der gleichzeitig unternehmerische Verantwortung trägt, die Arbeitszeit reduzieren will. Um auch in Zukunft gute Juristen in die Partnerriege zu locken, müssen sich die Kanzleien bewegen.

Bei Hengeler Mueller beschloss die Partnerversammlung erstmals 2008, Teilzeit auf höchster Partnerebene möglich zu machen. Zuletzt kündigte Beiten Burkhardt im Herbst 2016 an, Teilzeit auch für Equity-Partner anzubieten und CMS hat zu Anfang 2017 mit Dr. Christiane Kappes eine Vollpartnerin in Teilzeit ernannt, die im Bereich Umwelt- und Planungsrecht in Hamburg tätig ist.

Insgesamt aber bleibt der Anteil an Vollpartnern, die ihre Arbeitszeit reduzieren, seit Jahren auf konstant niedrigem Niveau. Seit 2011 pendelt er um den Wert von 2,5 Prozent herum. Das ergibt eine JUVE-Auswertung von Zahlen aus 78 Kanzleien, darunter 65 der 100 umsatzstärksten Einheiten in Deutschland. Spitzenreiter bei den Equity-Partnern in Teilzeit sind demnach mit jeweils zehn Anwälten Gleiss Lutz und CMS Hasche Sigle. (Konstanze Richter)

Mehr zum Thema Teilzeitpartnerschaft in deutschen Kanzleien Sie in der aktuellen Ausgabe des JUVE Rechtsmarkt 04/2017.