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07.03.2017 | Autor/in: Eva Lienemann
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Nach Insolvenz: Hauptinvestor Legalzoom sichert sich Legalbase komplett

Der Hauptinvestor ist nun Eigentümer: Das US-Unternehmen Legalzoom hat JUVE-Informationen zufolge zum März die Geschäfte des Start-Ups Legalbase übernommen. Das Berliner Unternehmen war zahlungsunfähig geworden, weil eine als sicher geltende zweite Finanzierungsrunde geplatzt war. Nun übernimmt der Amerikaner Peter Oey, CFO von Legalzoom, die Geschäftsführung. Mitgründer Daniel Biene ist nicht mehr an Bord.

Daniel Biene und Christoph Jenke hatten Legalbase vor einem guten Jahr gegründet. Jenke wird das operative Geschäft weiterführen, während Legalzoom-CFO Peter Oey die Geschäftsführung der neu gegründeten Legalzoom Deutschland übernimmt. Das Geschäftsmodell, das sich stark an dem US-Unternehmen Legalzoom orientiert, bleibt bestehen: Legalbase will Anwälte und Mandanten über eine Vermittlungsplattform im Internet zusammenbringen.

Seit dem Start von Legalbase Anfang 2016 hatten sich die Geschäfte JUVE-Informationen zufolge nach Plan entwickelt. Vor allem Markenanmeldungen und Geschäftsgründungen durch Kleinunternehmer seien profitabel gewesen. Dennoch sei dann im Spätherbst, als die geplante zweite Finanzierungsrunde angestanden habe, Hauptinvestor Legalzoom abgesprungen.

Gründer, Aufsichtsratsmitglieder und Berater verlassen Legalbase

Dies setzte eine ungünstige Entwicklung in Gang: Obwohl das Unternehmen erfolgreicher wurde, fehlten nach der Absage von Legalzoom zahlungswillige Investoren. Ende des Jahres war Legalbase schließlich zahlungsunfähig, versuchte aber zunächst, das Unternehmen in Eigenverwaltung zu sanieren und in einem Bieterverfahren Investoren zu finden. Bis kurz vor Schließung dieses Bieterverfahrens sei der Ausgang offen gewesen, und es habe Gespräche mit mehreren möglichen Investoren gegeben, wie JUVE erfuhr. Ende Februar sei dann klar gewesen, dass Legalzoom Legalbase aus der Insolvenz heraus übernehmen werde.

Legalzoom selbst ist seit 2001 am Markt und in den USA mit der digitalen Vermittlung von Rechtsdienstleistung ein Branchenstar. 2014 stieg das Londoner Private-Equity-Haus Permira bei Legalzoom ein und ist seitdem Mehrheitseigner. 2015 dehnte das Unternehmen die Geschäfte nach Europa aus: Legalzoom kaufte die Kanzlei Beaumont Legal aus West Yorkshire.

Neben Gründer Biene mussten auch einige Mitarbeiter das Unternehmen verlassen, so dass Legalbase die Geschäfte derzeit mit elf Festangestellten weiterführt. Ebenfalls mit der Insolvenz haben die früheren Mitglieder des Aufsichtsrates und des Advisory Boards ihre Ämter abgegeben. Zu diesen zählten unter anderem Markus Hartung, Direktor des Bucerius Center for the Legal Profession und Dr. Friedrich Blase, Direktor der ‚Un-Firm of the Future‘. In Deutschland hatte Legalbase-Gründer Biene zuvor schon Smartlaw ins Leben gerufen und 2014 an den Verlag Wolters Kluwer verkauft. (Eva Lienemann)

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