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24.02.2017 | Autor/in: Anika Verfürth

Kommentar: Außer Geld fällt den Kanzleien wenig ein im Kampf um die Besten

Wenn Einstiegsgehälter für Top-Jura-Absolventen sich weiter und weiter nach oben schrauben, zeigt das vor allem eins: die Verzweiflung im Wettbewerb um die Besten. Der Grund für die exorbitanten Summen? Die Kanzleien brauchen guten Nachwuchs, der das Zeug hat, die nächste Partnergeneration zu prägen. Und dafür sind sie bereit zu zahlen – auch, weil keiner von der Konkurrenz abgehängt werden will.

Der Top-Absolvent kennt seinen Marktwert – und dass die Kanzleien ihn umwerben und verhätscheln, lässt das Selbstbewusstsein nicht gerade schrumpfen. Die Erwartungen sind also hoch. Das hohe Einstiegsgehalt sorgt da nur kurzfristig für Zufriedenheit. Bald will die auserwählte Elite dahin, wo sie die Kanzleien mit ihren künstlich hochgefahrenen Angeboten hinlocken: in die Partnerschaft.

Doch das Sieb ist feiner als gedacht. Für die Berufung in den erlauchten Kreis braucht es am Ende mehr als nur ein Doppel-VB.
Zum Beispiel wahren Unternehmergeist. Etwas, das nicht auf dem Lehrplan der Rechtswissenschaften steht. Typsache eben. Aber der Suche nach echten Typen verschließen sich die Kanzleien und halten den Pool an Bewerbern künstlich klein, indem sie sich an das Dogma des VB-Examens klammern.

Ein Auswahlprozess, etwa in Form eines Assessmentcenters, würde sicher den ein oder anderen akquisestarken Partner hervorbringen, der nicht zu den Besten seines Jahrgangs zählte. Die Chance wird leichtfertig vertan.

Lieber kratzen die Kanzleien mit Mühe und Not – und viel Geld – ihre Associates aus den Top-Absolventen zusammen, scharen ihre junge Elite um sich, schüren die Erwartungen der Associates – und verlieren sie am Ende doch. Ein ressourcenfressender Prozess, der seinesgleichen sucht. Statt immer weiter an der Gehälterschraube zu drehen, hilft ein Blick über den Tellerrand des künstlich kleingehaltenen Bewerberpools. Das wäre zwar ein längerfristiges Investment. Aber schließlich hat es noch nie geschadet, den Horizont zu erweitern. (Anika Verfürth)

Wie viel Associates in den rund 300 Wirtschaftskanzleien in Deutschland verdienen, finden Sie in den aktuellen azur-Gehältertabellen unter www.azur-online.de/geld.

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