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17.11.2016 | Autor/in: Markus Lembeck
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Einstiegsgehälter: Nur Londoner Kanzleien zahlen mehr als die Deutschen

Ein internationaler Vergleich der durchschnittlichen Einstiegsgehälter für Juristen zeigt, dass in London die höchsten Beträge gezahlt werden. An zweiter Stelle liegt Deutschland. Der zuletzt erneut aufgeflammte Wettstreit um die höchsten Gehälter für Berufsanfänger belegt, welches Gewicht deutsche Kanzleien dem Geld als Recruitmentfaktor zumessen.

Das ‚JUVE Magazin für Wirtschaftsjuristen in Österreich‘ hat in seiner Ausgabe November/Dezember 2016 bedeutende Unterschiede zwischen europäischen Ländern ermittelt. Zwar ist die Spannbreite in Deutschland groß – in manchen Regionen liegt das Einstiegsgehalt unter dem, was junge Juristen in Brüssel, Paris oder Amsterdam auf jeden Fall verdienen. Doch außer in London gibt es nur in Deutschland Anwaltsmetropolen wie Frankfurt oder München, wo viele Berufseinsteiger schon zu Beginn ein sechsstelliges Jahresgehalt beziehen.

Ganz anders Österreich. Tatsächlich rangiert Wien mit dem höchstmöglichen Einstiegsgehalt am Markt in Höhe von 49.000 Euro, das Freshfields Bruckhaus Deringer für einen kleinen Teil der sogenannten Konzipienten im ersten Berufsjahr zahlt, weit abgeschlagen hinter den meisten anderen wichtigen westeuropäischen Jurisdiktionen.

Niedriglohnsektor

Allerdings lassen sich Konzipientenvergütung und Associategehälter etwa in Deutschland nicht 1:1 vergleichen. Der Weg zum Anwaltsberuf dauert in Österreich länger und schließt eine explizite Anwaltsprüfung ein. Während für deutsche Juristen die beiden Staatsprüfungen und das dazwischen liegende Referendariat die entscheidenden Hürden darstellen, müssen sich die Österreicher in einer fünfjährigen Praxisphase als Konzipienten bewähren. Zu Beginn ihres Referendariats sind deutsche Absolventen besser ausgebildet und älter als Österreicher zu Beginn der „Rechtsanwaltsanwärterschaft“, wie der Konzipientenstatus offiziell heißt.

In anderer Hinsicht ist es in Österreich wie in jedem anderen westeuropäischen Anwaltsmarkt: In der Metropole Wien liegen die Konzipientengehälter höher als in den regionalen Märkten, und die Großkanzleien zahlen mehr als die kleineren Wettbewerber, wenn auch in sehr überschaubarem Rahmen.

Groß schlägt klein

Das österreichische System bietet nicht nur den Kanzleien Vorteile. Man könnte auch argumentieren, dass Rechtsanwaltsanwärter von den recht geringen Unterschieden bei ihren Gehältern profitieren. Der Neidfaktor innerhalb der Konzipientenriege hält sich so in engen Grenzen – jedenfalls innerhalb Österreichs. Wie Freshfields- oder Baker-Konzipienten den Vergleich zu deutschen Berufsanfängern beurteilen, steht auf einem anderen Blatt. (Claudia Otto, Jörn Poppelbaum, Markus Lembeck)

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