Magazin-Artikel
03.11.2016 | Autor/in: Eva Flick

Alles so schön bunt hier

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Referendare genauso wie ausgebildete Juristen müssen in die kunterbunte Google-Welt passen, die so gar nicht schwarz oder weiß ist. Der Hamburger Standort hebt sich zwar von außen mit seiner Front aus viel Glas- und Stahl nicht sonderlich von der Umgebung ab. Innen aber dürfen sich Innenarchitekten regelmäßig nach Herzenslust austoben. Die Einrichtung jeder einzelnen Etage verfolgt konsequent ein Motto wie etwa Sport oder Meer. Auf der Sport-Etage mit grünem Fußball-Fußboden können sich die Google-Mitarbeiter zum Beispiel in einem Raum treffen, der ganz in den Vereinsfarben des HSV in blau, schwarz und weiß eingerichtet ist, inklusive Tor und Fußbällen – sehr zum Ärger von St.-Pauli-Fan Haller.

Besprechung im Schwimmbad

Meetingräume mit Motto: Hier fühlen sich die Google-Juristen wie Nachrichtensprecher.

Meetingräume mit Motto: Hier fühlen sich die Google-Juristen wie Nachrichtensprecher.

Oder sie gehen in einen Meeting­raum, der wie ein kleines Schwimmbad aussieht: Blau gekachelt, statt Stühle stehen dort Start­blöcke, über eine Schwimmbad-Leiter ist ein kleines Schwimmbecken zu erreichen – als Wasserersatz dienen grüne Styropor-Würfel. Ikeas Kinderparadies lässt grüßen. Vor dem großen Konferenzraum – eingerichtet wie das Deck eines Kreuzfahrtschiffes – prangt der Hinweis ‚Frauen und Kinder zuerst’. Ein wichtiges Element jeder Büroetage sind Einzelbüros mit großem Bildschirm und Kamera, um sich mit den weltweit verstreuten Kollegen mit wenigen Klicks per Bild zusammenzuschließen.

Das Netzwerken sollen bereits Referendare üben, wenn auch eher auf Hamburg beschränkt. Dass sie sofort Teil des Teams sind, zeigt alleine die Sitzordnung. Anders als Kanzleijuristen, für die ihre mehr oder weniger repräsentativen Einzelbüros oft ein wichtiges Statussymbol sind, sitzen die Google-Juristen alle in einem Raum, lediglich getrennt durch rote, halbhohe Raumteiler. Die Referendare finden in diesen Reihen ebenfalls ihren Platz.

Große Alumnifamilie

Nach ihrer Stage bleiben sie oft mit dem Unternehmen verbunden. Nicht nur, weil ein Foto von jedem Einzelnen an der Wand zu Arnd ­Hallers Büro klebt. Er ist der einzige aus der Rechtsabteilung, der ein eigenes Büro besitzt. „Ehemalige Referendare gehören zu unserer Alumni-Familie“, erzählt Wahrendorf. Erst neulich hat sie 70 Ehemalige zu einem Treffen eingeladen. Den Begriff Familie benutzt Dennis Kaben ebenfalls gerne. Er ist einer der sechs Juristen aus der Abteilung, die sich um die zahlreichen Verträge kümmern. „Wir beschäftigen uns damit, womit Google Geld verdient“, sagt der 45-Jährige. Er arbeitet eng mit denjenigen zusammen, die neue Produkte kreieren.

Google – das gerät in der täglichen Diskussion oft in Vergessenheit – ist mehr als eine reine Suchmaschine. Bei jeder Produktentwicklung sitzen die Juristen mit im Boot. „Wir überlegen von Beginn an mit, ob und wie wir neue Produkte und Dienste in Deutschland auf den Markt bringen.“ Wenn er darüber spricht, schlägt ein wenig der Vater in ihm durch. „Wir sehen neue Produkte wie Kinder aufwachsen, wir begleiten sie über die Jahre und wenn sie gerichtlich angegriffen werden, dann verteidigen wir sie notfalls.“ Hat er ein Lieblingskind? Allerdings. Besonders begeistert sich Kaben für ‚Google Books‘.

Jenseits der Suchmaschine

Für ‚Google Books‘ digitalisiert der Internetkonzern Bücher mit dem Ziel, die Inhalte per Volltextsuche zur Verfügung zu stellen. Die ersten Verträge mit Bibliotheken verhandelte Kaben bereits 2007. Inzwischen wurden rund eine Millionen Bücher digitalisiert. „In dieser schnelllebigen Zeit schafft man so etwas Bleibendes“, erklärt er. Auch Arnd Haller kann sich für solche Projekte begeistern – etwa für ‚Google Arts & Culture‘. Auf der Seite können User per virtuellem Rundgang internationale Museen besuchen und sich die Kunstwerke mit einer Zoomfunktion ganz groß auf den Rechner holen. „Dafür stehen spezielle hochauflösende Kameras ganze Nächte vor einzelnen Kunstwerken, um Schicht für Schicht aufzunehmen.“ Und während Haller erzählt, zoomt er solange auf das Auge von Dürers Feldhasen, bis die Hasenpupille mindestens die Größe eines Zwei-Euro-Stücks einnimmt. Im Original misst das ganze Bild gerade einmal 25 mal 22,5 Zentimeter, wie aus dem Infotext darunter zu entnehmen ist.

Doch das sind Produkte, an die die Öffentlichkeit gewöhnlich nicht als erstes denkt. Gerade bei öffentlichen Veranstaltungen steckt Arnd Haller oft in einer Verteidigungsposition, wenn Googles Marktmarkt wieder im Kreuzfeuer der Kritik steht. Trotzdem weiß er die Abwechslung sehr zu schätzen, die sein Job tagtäglich mitbringt. Julie Wahrendorf und er sind einer Meinung. „Die tägliche Umdrehung ist hier hoch“, fasst sie ihre Tätigkeit zusammen und lacht. „Ich warte auf den Tag, an dem es langweilig wird.“ Arnd Haller kann nur beipflichten: „Ich habe immer gesagt, dass ich gehe, wenn es langweilig wird. Daran ist aber nicht zu denken.“ <<

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