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25.10.2016 | Autor/in: Norbert Parzinger

Umsatz: Mittelgroße Kanzleien erwirtschaften erstmals über 400.000 Euro pro Anwalt

Die deutschen Großkanzleien haben mit ihrem Umsatz im Rennen um die Milliarden eine führende Rolle. Sie stellen die Hälfte der zehn umsatzstärksten Kanzleien hierzulande. Auch für die mittelgroßen deutschen Einheiten war es ein gutes Jahr: Deren durchschnittlicher Umsatz pro Berufsträger (UBT) stieg erstmals über 400.000 Euro. Das ergaben aktuelle Recherchen der JUVE-Redaktion zu den Bilanzen des Geschäftsjahres 2015/16.

Besonders erfolgreich zeigten sich die deutschen Kanzleien mit mehr als 100 Berufsträgern, die sich weiterhin sowohl beim Umsatz als auch beim Umsatz pro Berufsträger größtenteils positiv entwickeln. Gemeinsam erzielten die 15 Kanzleien dieser Gruppe im vergangenen Jahr 1,6 Milliarden Euro, das sind rund 4,5 Prozent mehr als im Vorjahr.

Produktivität auf breiter Front gestiegen

Und auch für jeden Einzelnen war es im Durchschnitt ein erfolgreiches Geschäftsjahr: Bei vielen Kanzleien erwirtschaftete ein Anwalt durchschnittlich mehr als 400.000 Euro. Noerr und CMS Hasche Sigle liegen seit Jahren sogar über der 500.000-Euro-Marke. Eine andere deutsche Kanzlei spielt zudem mit ihrer außergewöhnlich hohen Produktivität weiterhin in einer eigenen Liga: Hengeler Mueller, deren Anwälte im Schnitt 916.000 Euro pro Jahr umsetzen.

Was die Produktivität der mittelgroßen deutschen Einheiten angeht, so wird inzwischen rund jeder siebte Euro in einer mittelgroßen Sozietät verdient – also einer einheimischen Sozietät mit weniger als 100 Berufsträgern. Nie waren Kanzleien dieser Größe produktiver: Der UBT stieg dort im Mittel auf 411.000 Euro – das sind 20.000 Euro mehr als im Vorjahr.

Mittelstandsberatung bremst das Geschäft

Dabei verdient das Gros dieser Kanzleien ihr Geld mit einer mittelständischen Klientel, nur bei einer Handvoll ist das Geschäft anders ausgerichtet. Dazu gehören etwa die auf Industrieberatung ausgerichtete Einheit SZA Schilling Zutt Anschütz oder auch Oppenhoff & Partner. Auch die Anwälte von Brinkmann Weinkauf, einer Hannoveraner Einheit mit 22 Berufsträgern, fallen aus dem Rahmen, weil ihr Geschäft durch sanierungsgetriebene M&A-Deals bestimmt ist: Mit ihrem UBT von 735.000 Euro liegt die Kanzlei nur knapp hinter Freshfields Bruckhaus Deringer.

Dass der mittlere UBT über die 400.000-Euro-Marke schnellte – daran haben Einheiten wie Brinkmann Weinkauf, SZA und Pöllath ihren Anteil. Die stark auf den Mittelstand fokussierte Kanzlei Menold Bezler indes schwankte mit ihrem UBT in den vergangenen Jahren eher zwischen 330.000 und 395.000 Euro. Ein Beispiel, das zeigt: Für Berater, die im Mittelstandsgeschäft verankert sind, kommt ein UBT von mehr als 400.000 Euro dem Durchbrechen einer Schallmauer gleich. (Eva Lienemann)

Weit mehr Zahlen und Fakten sowie Hintergründe zu Gewinnern und Verlierern des vergangenen Geschäftsjahres der Top 100 lesen Sie im aktuellen JUVE Rechtsmarkt 10/2016.