Magazin-Artikel
31.10.2016 | Autor/in: Christin Nünemann

SimsalaBIM

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Das setzt eine gute Vorbereitung der Juristen voraus. „Wer Verträge zu Bauprojekten schreiben will, die in BIM geplant werden, muss selbst einmal mit dieser Software gespielt haben“, ist auch Christian Esch, Partner der Kanzlei Graf von Westphalen, überzeugt. „Ein guter Baurechtler muss in der Lage sein zu verstehen, was die Planer mit BIM eigentlich tun.“ Erst dann könne man auch einschätzen, welche juristischen Risiken und Probleme, aber auch Chancen sich damit ergeben. Ein Punkt ist die veränderte Zusammenarbeit der verschiedenen Projektbeteiligten. Sie ist nun auf Kooperation angelegt und erfordert somit besondere Verträge.

Mehr Planung, weniger Streit

Typisch ist auch die detaillierte Planung vor dem ersten Spatenstich. Dadurch sind alle Projekt­beteiligten gezwungen, ihre Entscheidungen frühzeitig zu treffen, so dass in späteren Projektphasen im Idealfall wenig bis gar kein Änderungsbedarf besteht – und damit auch kein Streit zwischen den Parteien aufflammen kann. Das sieht zurzeit anders aus. Denn auf deutschen Baustellen ist es nicht unüblich, dass Auftragnehmer bewusst zunächst mit einer zu günstigen Kostenkalkulation an das Projekt herangehen und die tatsächlichen – also höheren – Kosten später nachfordern. Das führt zu Streit. „Auf den Baustellen gibt es immer mehr ein Gegeneinander“, sagt Esch. Der Grund: Viele Vorhaben sind in der Vergangenheit schief gegangen, und das Vertrauen unter den Beteiligten ging zunehmend verloren.

Wunderwerkzeug
So funktioniert Building Information Modeling (BIM)

BuiIding Information Modeling steht für das gemeinschaftliche Arbeiten an einem Bauvorhaben mithilfe von IT-Werkzeugen.

Jeder Projektbeteiligte entwirft vor dem ersten Spatenstich ein 5D-Modell, das sämtliche spezifische Objektdaten inklusive Terminen und Kosten enthält. Die einzelnen Modelle werden anschließend vom sogenannten BIM-Koordinator zu einem einzigen Modell zusammengesetzt. Der BIM-Koordinator identifiziert Fehler und Ungereimtheiten im Modell und spielt diese Informationen an die einzelnen Beteiligten zurück.

Das Modell dient dem Management des Objekts über dessen gesamten Lebenszyklus hinweg. Das heißt, dass der Auftraggeber nicht nur in der Phase des Planens und Bauens von der neuen Methode profitiert, sondern auch in der Phase des Betriebs und bei einem eventuellen Verkauf.

BIM wird bislang nur bei Neubauten angewendet, der Einsatz der Methode ist aber auch für bereits bestehende Gebäude im Rahmen von Sanierungen denkbar.

Auch hier kann BIM helfen: Weil alle Projektpartner frühzeitig miteinander kooperieren und von Anfang an die realistischen Kosten offenlegen, verringert sich automatisch das Konfliktpotenzial. Böse Überraschungen werden ausgeschlossen. Gibt es dann nie wieder Streit am Bau? „Die Tätigkeit des Baurechtsanwalts wird sich absehbar stärker hin zu der Vertragsgestaltung und weg von der Führung von Bauprozessen verlagern“, prognostiziert Eschenbruch. Und auch Esch meint: „Die Prozesse werden abnehmen, aber man wird wohl nie ganz ohne Streit auskommen.“ Denn es wird immer wieder vorkommen, dass etwa Verträge unklar sind oder nachträglich doch noch Änderungen auftreten, die in der Planungsphase nicht budgetiert wurden.

Baurechtler bleiben Baurechtler

Von einer grundsätzlichen Veränderung des Berufsbild des Baurechtlers geht Esch deshalb nicht aus. „Auch mit der neuen Technik wird es die alten Probleme geben“, sagt Esch. Allerdings könnten die Gerichtsverfahren in Zukunft etwas anders gestaltet sein: Computeranimationen werden helfen können, Beweise zu liefern. Denn: Die Software dokumentiert genau, welcher Beteiligte was getan und welchen Fehler gemacht – oder eben auch nicht gemacht – hat.

BIM wird aber nicht nur den Arbeitsalltag von Baurechtlern verändern, sondern auch den von Immobilienrechtlern: Die Due Diligence – also die Risikoprüfung – im Vorfeld eines Immobilienkaufs wird sich mit vorhandenen BIM-Informationen völlig neu, das heißt schneller und effizienter gestalten lassen.

BIM in der Juristenausbildung

BIM ist also nicht nur ein neues technisches Werkzeug. Vielmehr könnte es auf den deutschen Baustellen einen Paradigmenwechsel einläuten, der die Planung und die Ausführung von Bauvorhaben sowie den Verkauf von Immobilien völlig neu gestaltet. Tatsächlich würde die deutsche Baubranche mit BIM endlich ein Level des Projektmanagements erreichen, das in vielen anderen Wirtschaftssektoren bereits gang und gäbe ist. Baurechtler Eschenbruch sieht darin sogar den Vorboten des automatisierten Planens.

Langfristig wird BIM wohl auch zu einem festen Bestandteil der Ausbildung von jungen Baurechtlern in den Kanzleien werden. Bislang ist das Angebot der Sozietäten zu diesem Thema noch überschaubar. Es ist noch zu früh für fertig ausgearbeitete Seminarprogramme. Doch der Wissensaustausch innerhalb der Kanzleien läuft und wird vorangetrieben. „Bei Kapellmann werden junge Anwälte über unsere Kapellmann-Akademie durch regelmäßige Veranstaltungen ausgebildet. Auch haben wir bereits eine Veranstaltung zu BIM inhouse durchgeführt, um unser Spezialwissen zu diesem Bereich aus unseren Projekten intern mit allen Kollegen zu teilen“, sagt Elixmann. „Künftig wird es hier sicher auch Seminare zu BIM geben.“ Und Esch sagt: „Es gibt hervorragende Seminare von externen Anbietern. Die sollten nicht nur junge Baurechtler unbedingt an Anspruch nehmen.“

Deutschland hinkt hinterher

Tatsächlich muss die deutsche Bauwirtschaft erst noch ihre Hausaufgaben machen, bevor es mit BIM so richtig losgehen kann. Andere Länder sind schon viel weiter. In den USA etwa sind Planer und Architekten ganz selbstverständlich mit Tablets auf der Baustelle unterwegs und greifen auf BIM-Modelle zu. Und auch in Norwegen ist die Verwendung bereits Standard. In Großbritannien stößt die Planungsmethode ebenfalls auf große Resonanz. Dort ist die Verwendung bereits vorgeschrieben. <<

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