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29.08.2016 | Autor/in: Markus Lembeck
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Sachsen: Juristenausbildung an der TU Dresden in Gefahr

Die Reste der Juristenausbildung in Dresden, die von der dortigen Technischen Universität (TU) nach 2004 noch gerettet werden konnten, stehen vor dem Aus, seitdem die sächsische Landesregierung im Frühjahr ihren Hochschulentwicklungsplan vorgestellt hat. Doch aus den Reihen der Dresdner Juristen kommt konstruktiver Widerstand.

Düstere Aussichten: Dresdner Jurastandort in Gefahr.

Düstere Aussichten: Dresdner Jurastandort in Gefahr.

Die Juristenausbildung wird nach den Plänen der Regierung noch stärker in Leipzig konzentriert. Damit verlöre die TU Dresden ihren Bachelorstudiengang ‚Law in Context‘ und den Masterstudiengang Wirtschaftsrecht. Die Hochschule hatte 1991 einen Staatsexamensstudiengang Jura eingerichtet, der allerdings 2004 wieder eingestellt werden musste, weil die Landesregierung Leipzig als einzigen Standort für die klassische Juristenausbildung bevorzugte.

Danach etablierte die TU Bachelor- und Masterstudiengänge. Mit 241 Neuimmatrikulationen im Wintersemester 2015 war der Bachelor-Studiengang Presseberichten zufolge gut nachgefragt. Wenn das Land Sachsen seine Pläne umsetzt, wandern demnächst alle freiwerdenden Professorenstellen im Fach Jura nach Leipzig. Mit nur acht Professoren würde die Dresdner Jurafakultät in einigen Jahren zu klein für ein eigenständiges Studienangebot.

Widerstand mit Stiftungsprofessuren

Auf Initiative des Dresdner Notars Dr. Heribert Heckschen, Honoraprofessor an der TU, formiert sich allerdings Widerstand aus der Praxis. Juristen aus 50 Kanzleien, Notariaten und Unternehmen wollen zwei Stiftungsprofessuren begründen und die Juristische Fakultät an der TU retten. „Der Juristenbedarf wird vor allem in den Jahren 2020 bis 2030 stark ansteigen in Sachsen“, wird Heckschen in einem Pressebericht zitiert. In den kommenden Jahren gingen viele Richter, Anwälte, Steuerberater und Notare in den Ruhestand.

Schon in den vergangenen Jahren berichten Kanzleien in Dresden von einem Standortnachteil in Bezug auf die Referendarsausbildung: Sie müssen die Leipziger Absolventen von dem Ort ihres Uniabschlusses weglocken und können nicht wie die Leipziger Wettbewerber aus dem Vollen schöpfen. Die in Leipzig ansässigen Kanzleien berichten von einer entspannten Bewerbersituation. Da ein Referendariat oft in eine Bewerbung als Anwalt mündet, geraten die Dresdner Kanzleien ins Hintertreffen bei der Nachwuchswerbung.

Mannheimer Vorbild für Dresden?

Die Organisatoren des Widerstands haben dem Vernehmen nach bereits Zusagen für eine Million Euro. Damit ließen sich die zwei Professuren für fünf Jahre finanzieren. Und idealerweise würde die TU sich einen Staatsexamensstudiengang zurückerobern. Ein ähnliches Modell gibt es an der Universität Mannheim: Auf ein Bachelorstudium folgt ein Ergänzungsstudium, das alle Studieninhalte bündelt, die den Bachelor-Absolventen für die Erste Staatsprüfung fehlen. (Markus Lembeck)

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